Navigationspfad: Home » Foren
Foren
recht.de :: Thema anzeigen - Sharia historisch positiv?
Forum Deutsches Recht
Foren-Archiv von www.recht.de
Achtung: Keine Schreibmglichkeiten! Zu den aktiven Foren whlen Sie oben im Men "Foren aus!
 
 SuchenSuchen 

Sharia historisch positiv?
Gehen Sie zu Seite Zurck  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9
 
Neuen Beitrag schreiben   Auf Beitrag antworten    recht.de Foren-bersicht -> Rechtsgeschichte, - philosophie, -theorie
Vorheriges Thema anzeigen :: Nchstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Code Civil
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 07.04.2008
Beitrge: 68

BeitragVerfasst am: 18.04.08, 23:00    Titel: Antworten mit Zitat

mitternacht hat folgendes geschrieben::
Dipl.-Sozialarbeiter hat folgendes geschrieben::
Religionsgemeinschaften mssen sich m.E. an deren Einhaltung bezglich der Menschen- und Frauenrechte messen lassen.
Wessen Einhaltung? Der "Pflichten in der Gemeinde"? N. Gar nicht.

Religionsgemeinschaften stehen also ber dem Recht?
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
mitternacht
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 22.05.2005
Beitrge: 6331
Wohnort: Franken

BeitragVerfasst am: 18.04.08, 23:13    Titel: Antworten mit Zitat

Code Civil hat folgendes geschrieben::
mitternacht hat folgendes geschrieben::
Dipl.-Sozialarbeiter hat folgendes geschrieben::
Religionsgemeinschaften mssen sich m.E. an deren Einhaltung bezglich der Menschen- und Frauenrechte messen lassen.
Wessen Einhaltung? Der "Pflichten in der Gemeinde"? N. Gar nicht.

Religionsgemeinschaften stehen also ber dem Recht?
was ist das denn jetzt schon wieder fr eine absurde Unterstellung? Lies doch mal den Satz vom Dipl.-Soz. Klaus, und verrat' mir, worauf sich "deren" bezieht:
Dipl.-Sozialarbeiter hat folgendes geschrieben::
Ebenso vernachlssigt ein verheirateter Geistlicher sicher nicht seine Pflichten in einer Gemeinde. Religionsgemeinschaften mssen sich m.E. an deren Einhaltung bezglich der Menschen- und Frauenrechte messen lassen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
mitternacht
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 22.05.2005
Beitrge: 6331
Wohnort: Franken

BeitragVerfasst am: 18.04.08, 23:45    Titel: Antworten mit Zitat

Code Civil hat folgendes geschrieben::
Abrazo hat folgendes geschrieben::

Code civil, das WESENTLICHE am Christentum, womit es steht und fllt, ist die Kreuzigung und anschlieend die Auferstehung, und zwar verstanden als Erlsung des Menschen.

Ich dachte immer das sei die Nchstenliebe.
Das eine gibt's nicht ohne das andere - jedenfalls bei den Katholiken. Die Erlsung durch das Kreuz findet sich schon bei Paulus, 1. Korinther 1, 22-31.
Zitat:
Das der Mensch sndig geboren werden knnte, ist mir vllig fremd, wurde auch im Religionsunterricht nicht gelehrt und lsst sich auch nicht auf Jesus zurckfhren.
Hat da einer im Reli-Unterricht nicht aufgepasst, als ber die Taufe gesprochen wurde? Dass alles auf Jesus zurckzufhren sein muss, ist eher ein evangelikaler Ansatz ("sola scriptura").
Zitat:
Die Vertreibung aus dem Paradies fasse ich so auf, dass erklrt werden soll, warum die Welt in der man lebt, qualvoll sein kann und warum der Mensch sterben muss, wo doch Gott allmchtig ist.
Eine Facette der Interpretation - aber noch lngst nicht alles.
Zitat:
Erklrungsversuche, die mit der Evolutionstheorie berflssig wurden. Durch die Evolutionstheorie ergibt sich, dass ein existierender Gott nicht allwissend in die Zukunft schauen kann, es sei denn, die Heiligen Schriften wren von Scharlatanen geschrieben.
Welche Evolutionstheorie? Weinbergs Kosmologie? Hawkings "Geschichte der Zeit"? Die Geo-Evolution? Darwins "Entwicklung der Arten"? Sorry, das sind alles naturwissenschaftliche Modelle, die ber "existierende Gtter" keine Aussagen machen knnen; so wie die Physik kein Kriterium liefert, ob ein Gemlde von Emil Nolde "schner" ist als ein Gemlde von Vincent van Gogh.
Zitat:
Das ganze Heilsversprechen der christlichen, islamischen und jdischen Vorstellung auf ein irdisches Reich Gottes knnen daher nicht stimmen.
Ex falso quodlibet.
Ein Gott, der die "Welt" geschaffen hat, ist auch Schpfer der Naturgesetze und ist daher nicht an diese gebunden sondern "steht drber".
_________________
mitternchtliche Gre.


Gott wei alles - Lehrer wissen alles besser. Teufel-Smilie

Bin kein Jurist: Wer mir glaubt, ist selber schuld.
Meine Damen und Herren, heute Abend sinkt fr Sie: das Niveau!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Code Civil
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 07.04.2008
Beitrge: 68

BeitragVerfasst am: 18.04.08, 23:53    Titel: Antworten mit Zitat

Abrazo hat folgendes geschrieben::

Thema Frauen:
Zitat:
So macht nicht selten dort, wo der Islam theoretisch Freirume gewhrt, die gesellschaftliche Realitt deren Einforderung unmglich.

Die Schirrmacher ist zweifellos tendenzis, aber hierber kann man schlecht hinweg sehen. Denn tatschlich ist es unverkennbar, dass zahlreiche moderne, selbstbewusste muslimische Frauen sich mit der Scharia bewaffnen, um sich bislang verweigerte Freirume zu erkmpfen. Hier spielt das Kopftuch eine ganz wichtige Rolle, denn damit demonstrieren die besonders jungen, gebildeten Frauen, dass sie aus sachlichen Grnden hier sind, dass sie als denkender, ttiger und tchtiger Mensch angesehen und respektiert werden wollen und nicht als - mglicherweise - begehrenswerte Frau. Insofern habe ich auch schon erwogen, ob der Hass auf das Kopftuch insbesondere der mnnlichen Mitbrger nicht mit der demonstrativen Flirtverweigerung ihrer Trgerinnen zusammen hngt, denn tatschlich sehen diese jungen Frauen das Kopftuch ja als das genaue Gegenteil von Unterdrckung an.

Hier verdrehtst du aber die Situation. Grundstzlich hindert niemand in der Bundesrepublik Frauen daran, Kopftcher zu tragen. Die Unterdrckung besteht doch darin, das Kopftuch tragen zu mssen. Zudem fragt sich, warum sich begehrenswerte Mnner nach islamischen Recht nicht verhllen mssen? Auch wird eine Frau fr mich durch das Tragen eines Kopftuchs nicht mehr oder weniger begehrenswert. Und wenn eine Frau sexy gekleidet rumlaufen mchte, ist das doch ihre Sache. Genauso wie es ihre Sache ist, wenn sie tglich mit 3 verschieden Mnner schlafen wrde. Was sollte Gott dagegen haben? Dagegen haben nur was Mnner, die sich aber auch im Islam selbst rausnehmen, es soft zu tun, wie sie mchten, zumindest solange sie nicht verheiratet sind. Wer hat die Bibel geschrieben, wer den Koran, Frauen oder Mnner?

Das Kopftuchtragen nichts mit der Frage zu tun hat, ob eine Frau sexuell attraktiv wirkt, zeigt sich auch hier. Leider sind die Fotos mit dummen Kommentaren unterlegt.
Abrazo hat folgendes geschrieben::

Zitat:
Islamisches Recht und Menschenrechte
# Ist das Verstndnis der Menschenrechte im Islam mit dem UN-Menschenrechtsverstndnis kompatibel?

Was soll man dazu sagen?
Letztlich kommt es darauf an, wie man Menschenrecht versteht, und da ist das Verstndnis durchaus unterschiedlich; unser westliches ist da nicht allein seligmachend, denn an der Frage, ob das Individuum sein Recht auf freie Entfaltung der Persnlichkeit gegen das Recht der sozialen Gemeinschaft in Stellung bringen kann, scheiden sich ja durchaus die Geister, und nicht nur in Bezug auf die islamische Welt.

Wo verstt eine Frau gegen ein Recht der Gemeinschaft, wenn sie kein Kopftuch trgt?

Abrazo hat folgendes geschrieben::

Mit der Achtung der Menschenwrde hat der Islam gewiss keine Probleme; mit dem Recht auf eigene Glckssuche aber sieht die Sache schon anders aus.

Wird das Recht auf eigene Glcksuche verwehrt, ist die Menschenwrde verletzt. Die Kairoer Erklrung der Menschenrechte im Islam ist eine 1990 beschlossene Erklrung der Mitgliedsstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz, welche die Schari'a als alleinige Grundlage von Menschenrechten definiert. Die Erklrung wird von Islam-Apologeten als islamisches Gegenstck zur Allgemeinen Erklrung der Menschenrechte gesehen, von der sie aber erheblich abweicht. Artikel 22 zum Beispiel beschrnkt die Redefreiheit auf diejenigen Meinungsuerungen, die dem islamischem Recht nicht widersprechen. Die Erklrung untersttzt auch nicht die Gleichstellung von Mann und Frau, sie stellt vielmehr die berlegenheit des Mannes fest. Der Artikel 6 garantiert Frauen gleiche Wrde, aber nicht Gleichstellung in anderen Belangen. Weiterhin legt der Artikel dem Mann die Verantwortung fr den Unterhalt der Familie auf, der Frau wird keine entsprechende Rolle zugewiesen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kairoer_Erkl%C3%A4rung_der_Menschenrechte_im_Islam

Abrazo hat folgendes geschrieben::

Verfassungsschutz:
(...)
Ich halte da nichts von. Denn was geht unseren Staat die Scharia an?Dat es mr ejal, wer wie die Scharia auslegt, interpretiert oder auch erfindet. Wenn einer gegen unsere Gesetze verstt, gibt dat fr ihn rger.
Mal angenommen, nur Mitbrger islamischen Glaubens drften die Gesetze bestimmen. Wie wrden die aussehen?

Konservative und erst recht islamistische Theologen sind weit davon entfernt, in Fragen der Scharia eine echte bereinstimmung mit grundlegenden westlichen Werten zu erzielen. Im Gegenteil werden gerade die besonders umstrittenen Bereiche Gleichberechtigung der Frauen, Minderheitenrechte und Strafrecht von ihnen oft besonders verbissen gegen westliche Einflussnahme verteidigt und zu zentralen Kernpunkten des islamischen Rechts hochstilisiert. Nur eine Minderheit der Gelehrten sieht derzeit die Mglichkeit einer vollstndigen Ausshnung von Schariaverstndnis und Menschenrechten.

In der europischen Diaspora ist jedoch ein deutlicher Wandel der Positionen zur Scharia innerhalb der muslimischen Gemeinschaften erkennbar. Nur eine kleine Minderheit der bei uns lebenden Muslime fordert die Durchsetzung des islamischen Rechts auerhalb der gottesdienstlichen Praxis. Islamistische Organisationen nehmen dagegen oft keine klare Haltung zur Anwendung der Scharia ein und whlen bei ihren uerungen zu dem Thema uneindeutige Formulierungen.
http://www.im.nrw.de/sch/595.htm
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Dipl.-Sozialarbeiter
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 09.12.2006
Beitrge: 11996

BeitragVerfasst am: 19.04.08, 07:12    Titel: Antworten mit Zitat

Abrazo hat folgendes geschrieben::
Hi,

Dipl.-Sozialarbeiter hat folgendes geschrieben::
Vielleicht hat auch jemand einen Link zu einer deutschen bersetzung der Sari'a? - Ich hab noch keinen gefunden.

Das wirst Du auch nicht finden.
Die Scharia ist kein Gesetzbuch, das irgendwo niedergeschrieben wre. Sie besteht im Wesentlichen aus einer Unzahl Rechtsgutachten (Fatwas) zu einzelnen Rechtsfllen.
Und solche Gutachten sind mindestens so 'spannend' wie ein Urteil des BGH.
Basis des Gutachtens ist natrlich der Koran. Zunchst wird der relevante Vers genannt, der mit hnlichen oder zur przisen Interpretation nach Meinung des Gutachters erforderlichen Versen in einen Kontext gesetzt. ...

Hallo Abrazo,

ich habe mir nochmal den ET durchgelesen (Nummerierung im Zitat von mir).

Code Civil (am: 08.04.08, 12:01) hat folgendes geschrieben::
Mich interessiert ob die Sharia im historischen Kontext positiv zu bewerten ist. Zwar muten Strafen wie das Abhacken der Hand bei Diebstahl oder Steinigung von Ehebrechern heute barbarisch an, in Frankreich konnte ein Dieb aber noch im 18. Jahrhundert auch einfach mal gehngt werden. Das Christentum gestattet prinzipiell jede Form der Unrechtsherschafft, dem glubigen Christen wird je nach Bibelbersetzung und Auslegung Gerechtigkeit erst im Himmel versprochen. Und damit der niedere Christ auch jede Form der Willkr ertrgt, wurde nachdem die Christen an die Macht kamen, kurzerhand auch der Selbstmord zur Todsnde erklrt.

  1. Wre die Sharia dann historisch positiv zu bewerten, wenn die Reglungen (erstmalig) verbindlich fr alle gewesen wren, also auch der Herrscher gesteinigt wrde, wenn er Ehebruch begeht?

  2. Hat die Sharia also den Gedanken der Gleichheit vor dem Gesetz geprgt, whrend das Christentum weiterhin predigte, dass der Herrscher ber dem Gesetz stnde?

  3. Hat die Sharia ggf. in anderer Weise einen positiven Einfluss gehabt?

  4. Etwa in dem die Sharia im Gegensatz zum Christentum, wo sich der Papst ja einfach nach Belieben auf irgendeinen Bibelspruch beziehen kann, ein konsistentes Rechtssystem schaffte?

Vergleiche ich Deine Antwort mit dem Beitrag von Code Civil, dann kann hier im Forum keine historische Bewertung vorgenommen werden. Es kann ja nichts bewertet werden, was nicht da ist. Was machen wir aber nun mit den Fragen von Code Civil? Mit den Augen rollen

Ich lasse ungerne gestellte Fragen im Raum stehen. Ich finde es immer spannend, mich durch die Urteilsbanken der Bundesgerichte zu whlen. Daher berlege ich, ob wir uns mal etwas im Fatawa-Archiv umschauen. Winken

Die Wikipedia (deren Inhalt wegen dem "Fischschwarmwissen' stets mit Vorsicht zu genieen ist) gibt - auer den zustzlichen Links - nicht sonderlich viel her.

Liebe Gre

Klaus
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Abrazo
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 19.04.08, 10:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

angenommen, einer ginge zur Polizei und wrde Dracula anzeigen wg vielfachen Mordes.
Wrde die Polizei diese Anzeige annehmen und ermitteln?
Sie wrde sagen (bzw. meinen), die Anzeige ist unsinnig, denn Dracula gibt es nicht.

Die Scharia als einheitlich gefgtes, nach Art unserer Gesetzbcher codifiziertes Gesetzeswerk gibt es auch nicht. Folgt: die Frage, wie die Scharia zu bewerten ist, ist unsinnig, da es sie so, wie in der Frage aufgefasst, nicht gibt.

Ohne irgend etwas zu garantieren denke ich nicht, dass das, was mit Scharia eigentlich gemeint ist, nmlich das Weltbild und Gesellschaftsverstndnis, das zu ihrer Entwicklung fhrte, irgend einen Einfluss auf den Westen hatte. Da msste man nmlich ins Mittelalter gehen, und da waren die Gesellschaften denn doch allzu unterschiedlich. Der islamischen Gemeinde stand der christliche Gottesstaat gegenber, und beide waren der Auffassung, der jeweils andere habe ein eher bsartiges Rechtssystem; im Prinzip sind beide auch heute noch dieser Auffassung.

Wobei ich zu bedenken gebe, dass andere Kulturen unser westliches Recht regelmig als eine ausgesprochen miese Angelegenheit kennen gelernt haben. Hier sollte man an den zivil- und ffentlich-rechtlichen Bereich denken. Von der Eroberung ber den Kunstraub, Landnahme und Besiedelung durch Kolonialisten, direkte politische Einflussnahme bis hin zu den Problemen mit den nicht gerade vertragstreuen lgesellschaften haben andere Vlker und Kulturen unser Recht als Werkzeug kennen gelernt, um Unrecht angeblich rechtsfhig zu machen. Das wird hier notorisch vergessen. Man diskutiert hier ber Strafrecht - doch zur Diskussion stehen tatschlich Zivilrecht, ffentliches Recht und Vlkerrecht. Und da hat unser Recht nun einmal nicht das Renommee, das wir selbst ihm geben. Da gilt es als etwas, was nichts taugt.

Ich denke, es hat wenig Sinn, nach Einflssen zu suchen. Fruchtbarer wre gewiss die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden.
_________________
Gre,
Abrazo
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Dipl.-Sozialarbeiter
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 09.12.2006
Beitrge: 11996

BeitragVerfasst am: 19.04.08, 12:25    Titel: Antworten mit Zitat

Abrazo hat folgendes geschrieben::
...
Die Scharia als einheitlich gefgtes, nach Art unserer Gesetzbcher codifiziertes Gesetzeswerk gibt es auch nicht. Folgt: die Frage, wie die Scharia zu bewerten ist, ist unsinnig, da es sie so, wie in der Frage aufgefasst, nicht gibt.
...

Ich denke, es hat wenig Sinn, nach Einflssen zu suchen. Fruchtbarer wre gewiss die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Hallo Code Civil und Abrazo,

wie Du/Ihr meinem Nick ja entnehmen kannst, bin ich von Beruf Sozialarbeiter. Als solcher habe ich an dieser Diskussion teilgenommen. Unsere Gesellschaft ist den religisen Bedrfnissen der Muslimen seit dem Anwerbeabkommen (Trkei 1961) nicht gerecht geworden.

Der Schriftsteller Max Frisch hat folgendes geschrieben::
"Wir haben Arbeitskrfte gerufen, und es sind Menschen gekommen"

2008 wrde Max Frisch (* 15.05.1911; 04.04.1991) sicher schreiben
    "Wir haben Arbeitskrfte gerufen, und es sind Menschen gekommen" die geblieben sind.
Ich bin ebenso der Ansicht, da uns ein 'virtueller Glaubenskrieg' nicht wirklich weiterbringt.

Ich habe auch als Praktiker der Gemeinwesenarbeit an dieser Diskussion teilgenommen (s.a. Streetwork und Mobile Jugendarbeit). Als Mitarbeiter eines Jugendamtes bin ich zur Einhaltung des Grundgesetzes und der anderen Gesetzen verpflichtet. Dazu gehrt u.a. die religise und politische Neutralitt.

In der Praxis aber erlebe ich die Gewissenskonflikte von jungen Menschen, die zwischen den Kulturen (zwischen zwei Sthlen) aufwachsen und leben. Ich kenne homosexuell orientierte junge Mnner mit trkischen Migrationshintergrund genauso, wie junge Frauen die unter der Tradition des Herkunftslandes ihrer Eltern leiden. Unter dem "Deckmantel Islam" werden in Deutschland Menschenrechtsverletzungen begangen und unsere Gesellschaft schaut einfach weg.

Kaum einer fragt, wo das 16jhrige Mdchen geblieben ist, das aus einem Trkeiurlaub nicht mit der Familie zurckgekommen ist. Ebenso haben wir lange Zeit das Problem der 'Importbrute' nicht zur Kenntnis genommen (s.a. Wir sind Eure Tchter, nicht Eure Ehre!). Zum Teil dient die mit Vehemenz geforderte Nichtteilnahme von trkischen Mdchen am Schwimm- oder Sportunterricht, bzw. an Klassenfahrten nur dazu, die Spuren der innerfamiliren Gewalt an den Krpern der Mdchen zu verbergen.

Ich halte die "Deutsche Islamkonferenz" fr wichtig. Grnde fr diese Konferenz gibt es viele, z.B. diesen:

faz.net - 04. September 2006 - hat folgendes geschrieben::
Der Rckzug der trkischstmmigen Berliner Frauenrechtlerin Seyran Ates aus dem Anwaltsberuf hat vor allem in der Hauptstadt Bestrzung ausgelst. Ates hatte krzlich aus Angst um ihr Leben ihre Anwaltszulassung zurckgegeben und ihre Kanzlei aufgelst. ...

Von dieser Gefahr sind im brigen auch Sozialarbeiter bedroht, die sich jungen Menschen annehmen, die an dem Leben zwischen den Kulturen zerbrechen (Vertiefend: "Der Fall Ates" und "Graue Wlfe").

Necla Kelek gewhrt uns mit ihren Bchern "Die fremde Braut" und "Die verlorenen Shne" einen Einblick in die nach auen abgeschotteten Familienstrukturen. Manchmal mu man/frau einem Problem einen Namen und ein Gesicht geben, damit es durch diese Personalisierung als Problem erkannt wird. Die KFN-Forschungsberichte geben Auskunft ber die innerfamilire Gewalt - z.B. in "Junge Trken als Tter und Opfer von Gewalt" (ab Seite 13 in deutsch).

Abrazo hat folgendes geschrieben::
...
Ich denke, es hat wenig Sinn, nach Einflssen zu suchen. Fruchtbarer wre gewiss die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Verschiedentlich hatte ich Code Civil nach den Motiven fr die Erffnung des Threads gefragt. Diese Antwort hat er nicht gegeben. Ich erlebe fast tglich mit dem Hinweis auf die Shari'a und Koran, da eine Legitimation fr die in Deutschland begangenen Menschenrechtsverletzungen gesucht werden. An diese Ligitimationssuche beteilige ich mich aus gutem Grund nicht.

Art. 1 GG hat folgendes geschrieben::
(1) Die Wrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schtzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. ...

Liebe Gre

Klaus
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Abrazo
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 19.04.08, 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Worber redest Du, Klaus?

Redest Du ber den Islam oder redest Du ber die Trkei?

Das ist nicht dasselbe.

Die Trkei ist ein Fall fr sich. Der trkische Islam ist traditionell Staatsislam, wegen seiner Geschichte, osmanisches Sultanat. In der Trkei war der Islam zustndig fr die Einheit der trkischen Nation und deren Rechtfertigung als Gromacht - der Sultan verstand sich als der Beherrscher aller Glubigen, um so mehr, als die nicht trkischen Glubigen ihn als solchen nicht anerkannten und das osmanische Reich in die Defensive geriet. Fr das, was man Seelsorge oder Sorge fr die Gemeinde nennt, war der trkische Islam nicht zustndig. Der war zustndig, dass auch alle brav beteten und den Sultan verehrten und ihm gehorchten - und wer einer anderen Gruppe oder gar Religion als der staatlichen anhing, der war allein dadurch ein mieser Vaterlandsverrter. Das Religionsministerium scheint das auch heute noch nicht viel anders zu sehen. Ob einer seine Frau regelmig verprgelt oder seine Tochter in die Ehe verscherbelt, das scheint denen weniger wichtig zu sein, als dass er treuer Anhnger des Trkentums bleibt. Im Zweifel muss man seine Schweinereien dafr eben in Kauf nehmen.

Klingt Dir zu polemisch? Dann guck Dir doch mal andere Lnder an. Im schon mehr als orthodoxen Saudi Arabien kann eine Ehefrau ihren Mann vor dem islamischen Gericht wegen Misshandlung verklagen und bekommt Recht, im altertmlichen Jemen kann ein Mdchen gegen Zwangsehe klagen und wird geschieden - mach das mal in der hinteren Trkei!

Woher haben die denn ihre Bruche mitgebracht - und wer ist denn dafr zustndig, dass die dort offenbar immer noch frhlich praktiziert werden knnen? Denn wenn hier irgendwo ein Mdchen verschwindet, dann muss es ja wohl andernorts irgendwo wieder auftauchen. Was sagen die denn dazu, bei denen es auftaucht? Dass das normal ist?
_________________
Gre,
Abrazo
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
mitternacht
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 22.05.2005
Beitrge: 6331
Wohnort: Franken

BeitragVerfasst am: 19.04.08, 23:48    Titel: Antworten mit Zitat

Code Civil hat folgendes geschrieben::
Zudem fragt sich, warum sich begehrenswerte Mnner nach islamischen Recht nicht verhllen mssen?
"Wieso, die tragen doch sowieso Hosen" sagte vorhin eine gewisse junge Dame, die mir auf den Bildschirm schaute Lachen .
_________________
mitternchtliche Gre.


Gott wei alles - Lehrer wissen alles besser. Teufel-Smilie

Bin kein Jurist: Wer mir glaubt, ist selber schuld.
Meine Damen und Herren, heute Abend sinkt fr Sie: das Niveau!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Abrazo
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 20.04.08, 00:23    Titel: Antworten mit Zitat

Nicht notwendigerweise.
Je nach Region tragen sie auch den ganzen Krper verhllende lange Gewnder.
_________________
Gre,
Abrazo
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Code Civil
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 07.04.2008
Beitrge: 68

BeitragVerfasst am: 21.04.08, 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

Dipl.-Sozialarbeiter hat folgendes geschrieben::

Verschiedentlich hatte ich Code Civil nach den Motiven fr die Erffnung des Threads gefragt. Diese Antwort hat er nicht gegeben.

Generell stellen sich plumpe schwarz-wei Betrachtungen als falsch heraus. Mit den Fragestellung ist die Absicht verbunden, das historische und geisteswissenschaftliche Wissen der Diskussionsteilnehmer und LeserInnern zu verbessern, um zu einer differenzierteren Betrachtung zu gelangen. Z.B. hatten Frauen in anderen Kulturen, einschlielich des Westens, lange bei weitem nicht den rechtlichen Status, der ihnen der Islam bot, sie bekamen ihn erst Jahrhunderte spter. Annemarie Schimmel schreibt, verglichen mit der vorislamischen Stellung der Frau bedeutete die Islamische Gesetzgebung einen enormen Fortschritt; die Frau hat zumindest nach dem Buchstaben des Gesetzes das Recht, ber das zu verfgen, was sie in die Familie gebracht hat oder durch eigene Arbeit verdient hat."
http://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Feminismus

Hat der Islam nicht mehr als das Christentum zu einer gerechteren Gesellschaftsordnung gefhrt?

Die explosionsartige Ausbreitung des islamischen Reiches vom Atlantik bis zu den Pazifikksten in den 15 Jahren nach dem Tod Mohammeds lsst sich heute nur dadurch begrnden, dass die Besiegten mit Ihrer Eroberung keineswegs unzufrieden waren [1]. In diesem Kontext waren insbesondere die groe Toleranz der Eroberer gegenber religisen Minderheiten und die wesentlich mildere und im rechtsstaalichen Sinne berechenbarere Besteuerung ausschlaggebend[2] Andernfalls htte die kleine muslimische Armee, die aus dem Stadtstaat Medina hervorging, kaum die damaligen byzantinischen und persischen Weltreiche bezwingen knnen.

Ein beispielhaftes Zeitzeugnis dieser Toleranz stellt der Brief eines nestorianischen Bischofs dar: "Diese Araber, denen Gott in unseren Tagen die Herrschaft gegeben hat, sind auch unsere Herren geworden; sie bekmpfen jedoch nicht die christliche Religion. Vielmehr schtzen sie unseren Glauben, achten unsere Priester und Heiligen und machen Zuwendungen an unsere Kirchen und unsere Klster." [3]
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Islam
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Code Civil
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 07.04.2008
Beitrge: 68

BeitragVerfasst am: 22.04.08, 19:23    Titel: Antworten mit Zitat

mitternacht hat folgendes geschrieben::
Code Civil hat folgendes geschrieben::

Die Vertreibung aus dem Paradies fasse ich so auf, dass erklrt werden soll, warum die Welt in der man lebt, qualvoll sein kann und warum der Mensch sterben muss, wo doch Gott allmchtig ist. Erklrungsversuche, die mit der Evolutionstheorie berflssig wurden. Durch die Evolutionstheorie ergibt sich, dass ein existierender Gott nicht allwissend in die Zukunft schauen kann, es sei denn, die Heiligen Schriften wren von Scharlatanen geschrieben.
Welche Evolutionstheorie? Weinbergs Kosmologie? Hawkings "Geschichte der Zeit"? Die Geo-Evolution? Darwins "Entwicklung der Arten"? Sorry, das sind alles naturwissenschaftliche Modelle, die ber "existierende Gtter" keine Aussagen machen knnen; so wie die Physik kein Kriterium liefert, ob ein Gemlde von Emil Nolde "schner" ist als ein Gemlde von Vincent van Gogh.
Es gab nie ein Paradies und wird es auch nie geben.

mitternacht hat folgendes geschrieben::
Code Civil hat folgendes geschrieben::

Das ganze Heilsversprechen der christlichen, islamischen und jdischen Vorstellung auf ein irdisches Reich Gottes knnen daher nicht stimmen.
Ex falso quodlibet.
Ein Gott, der die "Welt" geschaffen hat, ist auch Schpfer der Naturgesetze und ist daher nicht an diese gebunden sondern "steht drber".

Der Mensch war nie unsterblich. Genau das lehren aber die christlichen, islamischen und jdischen Schriften. Fr Muslime ist der Koran das unverflschte Wort Gottes. Entweder haben die Propheten einschlielich Mohammed also bewusst falsche Geschichten in die Welt gesetzt, dann fragt sich aber, was noch alles nicht von Gott stammt, oder Gott hat den Propheten falsches Geschichten erzhlt, dann fragt sich, was man von Gott halte sollte und was er noch alles Falsches erzhlt haben knnte. So oder so, die Sharia kann also keine Legitimation Gottes haben - auch allein schon daher nicht, da Gott nicht legitimieren kann, kleine Kinder zu vergewaltigen. Gottes Wille kann also Nichts legitimieren, es sei denn man nimmt an, dass Gott nur Gutes will, dann kann man aber auch direkt ohne Gott annehmen, was gut ist.

Code Civil hat folgendes geschrieben::
Abrazo hat folgendes geschrieben::
Die Prmisse, dass was Gott will gut ist, lsst sich also nur unter aufrechterhalten, wenn auch dass, was der Teufel will gut sein kann. Das drfte aber im krassen Widerspruch zur der Meinung derer stehen, die meinen, dass alles, was Gott will gut sei.
Da kommste aber nich ohne den Teufel aus, den Du auch noch als selbstndige Macht setzen musst, was zwar eine Spezialitt des Christentums ist (ohne Teufel keine Notwendigkeit von Kreuzigung und Erlsung), aber keineswegs allgemein fr alle Religionen gilt.

Die logischen Schlussfolgerungen treffen sowohl auf den Islam als auch auf das Christentum zu, da der Teufel in beiden Religionen nach eigenem freiem Willen handelt. Der Teufel (im Islam u.a. Schaitan = Satan) ist in der islamischen als auch in der jdisch-christlichen Tradition ein Wesen, das als Versucher und/oder Verderber des Menschen auftritt, jedoch gegenber Gott keine eigenstndige Macht hat. Allerdings handelt er nur im jdischen Verstndnis im konkreten Auftrag Gottes z.B. als Anklger am gttlichen Gerichtshof oder z.B. um Hiob auf die Probe zu stellen. Im islamischen und christlichen Verstndnis handelt er hingegen als Abtrnniger nach eigenem freiem Willen.

Im Islam ist der Teufel aber dennoch Teil eines gttlichen Plans, da Gott dem Teufel eine Frist bis zum Jngsten Gericht einrumt um Menschen zum Bsen zu verfhren (vgl. Sure 7, A'rf (Die Anhhnen), Vers 12-18). Durch das Wirken des Teufels werden die Menschen geprft. Da die Taten der vom Teufel Verfhrten auch Unschuldige treffen, macht sich Gott aber mitschuldig, denn er hat es ja in der Hand, den Teufel zu stoppen. Gott ist nach islamischer Vorstellung also nicht nur gut und barmherzig, sein Wille ist also nicht nur gut, es sei denn, er trfe Vorkehrungen, dass durch das Wirken des Teufels keine Unschuldige beeintrchtigt wrden. Wenn nach islamischer Vorstellung alles Bse der Welt durch den Teufel hervorgerufen wrde, wre letztlich Gott fr alles Bse verantwortlich, da er den Teufel nicht gestoppt hat. Nur im Christentum wird also anscheinend Gott selbst von der Schuld freigestellt, Menschen Unglck zu bringen, da der Teufel mit freien Willen nach eigenem Plan als Gegenspieler Christi handelt.

Historisch interessant ist das insofern, als das Gott hiernach vom Christentum humanisiert wird. Eigentlich scheint dies auch im Islam so gewollt, was aber zum Teil der Allmachtvorstellung geopfert wird.

In der Vorstellung des Christentum als auch des Islams herrscht eine praktische Aufgabenteilung zwischen Gott und dem Teufel, dessen Wirken die guten Glubigen von den Sndern trennt. Aufgrund der drakonischen Strafandrohungen wird der Glubige gehalten dem Willen Gottes zu folgen. Sowohl Islam, Christentum als auch Judentum teilen also Auffassung, das der Mensch einen freien Willen hat, was in unserem Rechtssystem von zentraler Bedeutung ist.


Zuletzt bearbeitet von Code Civil am 22.04.08, 23:00, insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Dipl.-Sozialarbeiter
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 09.12.2006
Beitrge: 11996

BeitragVerfasst am: 22.04.08, 19:41    Titel: Antworten mit Zitat

Code Civil hat folgendes geschrieben::
...
Historisch interessant ist das insofern, als das Gott hiernach vom Christentum humanisiert wird. Eigentlich scheint dies auch im Islam so gewollt, was aber zum Teil der Neigung zur absoluten Kontrolle geopfert.
...

Hallo Code Civil,

schreib ruhig mal weiter. Winken

Es ist den heutigen Menschen aber frei gestellt, ob sie glauben. Wenn sie glauben, dann ist es ihnen ferner freigestellt, welcher Religion sie angehren mchten. Haben sie sich fr eine Religion entschieden, dann haben sie immer noch die Freiheit zur Entscheidung darber, wie streng sie sich an den Regeln ihrer Glaubensgemeinschaft halten wollen.

Ich lese der weilen hier weiter mit. Winken

Liebe Gre

Klaus
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Code Civil
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 07.04.2008
Beitrge: 68

BeitragVerfasst am: 22.04.08, 20:23    Titel: Antworten mit Zitat

Abrazo hat folgendes geschrieben::
Code Civil hat folgendes geschrieben::
Da die Taten der vom Teufel Angestifteten auch Unschuldig treffen, macht sich Gott mitschuldig, denn er hat es ja in der Hand, den Teufel zu stoppen.

Hier wre die Frage zu stellen, ob dem nicht ein hheres Rechtsgut - Zweck des Menschen - entgegen steht.

Also der Teufel stiftetet den Snder z.B. zum Bau einer Atombombe an, damit dieser die whrend der Haddsch auf Mekka wirft. Es werden zehntausende von Glubigen gettet, blo da dies ihr Zweck war? Au?erdem knnten Feinde des Islams bzw. verfeindete islamische Gruppen mit dem Argument Massenvernichtungswaffen einsetzten, dass sie damit ja ohnehin lediglich den Zweck der ermordeten Muslime erfllen wrden.

Auch fragt sich, wie soll der Mensch einen Zweck haben knnen, wenn Gott keinen Plan hat?

Abrazo hat folgendes geschrieben::
Zudem wre zu fragen, ob die fr einen Gott unbedeutend kurze Lebensspanne eines Menschen einen etwaigen Eingriff berhaupt notwendig machen knnte gegenber der paradiesischen Ewigkeit.

Das unterstellt, dass es das Paradies gibt und lsst auch die Frage offen, warum sich der Mensch den nicht einfach umbringen soll um direkt ins Paradies zu gelangen.

Abrazo hat folgendes geschrieben::
Code Civil hat folgendes geschrieben::

(Gottes) Wille ist also nicht nur gut, es sei denn, er trfe Vorkehrungen, dass durch das Wirken des Teufels keine Unschuldige beeintrchtigt wrden.

Wie gesagt, hier ist der Schpfungszweck als etwaiges hheres Rechtsgut einzurechnen.


???

Warum werden dann nach Bombenexplosionen keine Freudenfeste gefeiert? Die Angehrigen knnen sich doch fr die Opfer freuen, da sie nun Paradies whren, und zwar bevor der Teufel sie zur Snde verfhren konnte.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
maler_74
noch neu hier


Anmeldungsdatum: 23.01.2009
Beitrge: 1

BeitragVerfasst am: 23.01.09, 18:40    Titel: Mein Senf Antworten mit Zitat

Hallo lieber Code Civil!

Ich habe gerade mit besonderem Interesse Ihren thread ber die Sharia gelesen!

Ich halte fest, dass die meisten Menschen die Notwendigkeit einer Ordnung, mit allgemeingltigen Gesetzen befrworten. Sie unterscheiden sich nur dahingehend, dass sie unterschiedliche Quellen als souverain ansehen.

Aus atheistischem, materialistischem bzw. naturalistischem Glauben heraus, kann diese souvernitt nur von einem Menschen oder einer Gruppe von Menschen ausgehen.

Die Welt besteht aus unzhligen Teilen. Diese Teile werden von Krften zusammengehalten und in eine hoch organisierten Form geordnet bzw. organisiert. Diese Krfte wirken auf die Materie, dies verleugnet fast niemand.

Der Atheist bzw. naturalist glaubt aber, dass diese Krfte der Materie immanent sind. Er glaubt die Materie besitzt diese oder jene Eigenschaft.

Atheisten mssen daran glauben, da sie sich selbst die Alternative verboten haben.

Die Alternative ist, dass die Materie blo einem uerlichem Befehl gehorcht von dem sie nicht nur den Befehl, sondern auch die Fhigkeit VERLIEHEN bekommt, auf eine bestimmte Art und Weise zu reagieren.

Man kann daher zwei Glaubensrichtungen unterscheiden:
1. Die Kraft ist der Materie immanent (innewohnend)
2. Die Materie gehorcht einer Kraft, deren Ursprung ausserhalb der Natur liegt

Naturalisten verbieten sich selbst an etwas zu glauben, dass ausserhalb der Natur ist.

Man kann aber auch zwei andere Glaubensrichtungen unterscheiden:
1. Es gibt mehrere voneinander unabhngige Krfte
2. Es gibt keine Kraft auer einer einzigen unteilbaren

Was ich mit dem zweiten Punkt meine, ist dass jegliche Bewegung und Vernderung im Universum eine einzige Ursache hat. Und das die Quelle aller Energie zentral ist. Das heit das ALLES durch diese einzige Kraft miteinander in einer engen Beziehung steht.

provokativ knnte man sagen, dass die naturalisten sich selbst dazu zwingen der Marionette Fhigkeiten anzudichten, weil es den Marionettenspieler nicht geben DARF!

Der Verstand ist meiner Meinung dazu in der Lage, die Fden an der Marionette zu erkennen. Auch, dass es nicht mehrere Marionettenspieler geben kann.

Falls der eigene Verstand nicht zu diesem Schluss kommt. Darf die Frage erlaubt sein, wieviel Verstand und wieviel innerer Trieb (zB. liebe fr Snden, Hochmut oder Feigheit) dabei im Spiel sind.

Wenn man an Allah glaubt, dann glaubt man meisten so an Ihn wie er ist. Das scheint zunchst trivial.

Wenn ein Mesnch sich nicht verndern knnte, dann empfindet man dies als Schwche. Es hindert den Menschen daran sich an neues Anzupassen, bzw. berhaup etwas zu lernen.

Tragischerweise bertrgt man nun dieses TALENT, sich verndern zu knne bzw. seine Meinung zu ndern auch auf Allah. Man sagt: Allmchtig und vollkommen zu sein heit doch auch sich selber verndern zu knnen, bzw. seine Meinung ndern zu knnen.

Der Aufmerksame Leser wird aber bereits hier merken, dass wir auf ein zentrales Problem stossen. Allah befindet sich nicht in einem Raum-Zeit Kontinuum. Die Vorstellungen von Vernderung aber machen nur Sinn innerhalb einer linearen Kausalkette.

Zu sagen: Was wre wenn Allah nicht so wre wie Er ist sondern ANDERS!
wrde nichts weiter bedeuten, als zu sagen: Was wre wenn es Allah gar nicht gbe!

Das meine ich damit, wenn ich sage, dass der Muslim an Allah glaubt so wie er ist, Allmchtig und ohne Vergleich.

Ein Muslim wrde sich nicht darum Sorgen machen, ob etwas gerecht oder ungerecht ist, sondern ob es Recht oder Unrecht ist. Fr Gerechtigkeit kann nur Allah allein sorgen. Wenn sich der Mensch jedoch in einem Vernunftsprozess vllig den Gestzten Allahs unterwirft, so hat er alles getan was man von ihm verlangen kann.

Der Verstand ist bestens dafr geeignet den geraden Weg vom krummen Weg zu unterscheiden, nicht jedoch aber um den geraden Weg selbt zu bauen oder auf ihm eigenstndig wandeln zu knnen, Hierfr ist der Mensch auf die Gnade Allahs angewiesen, die er denjenigen gibt, die danach streben und opfern.

Interessant wird es nun aber auf der ANDEREN Seite. Wer sich nicht dem Willen Allahs unterwirft, der hat nur zwei Wege:

1. Er wirft sich dem Willen seines Herzens unter.
2. Er wirft sich dem Willen eines Herzens von einem andern Menschen unter.

Egal wie man sich auch entscheidet. Die Schnheit des Glaubens zeigt sich im Umgang mit Menschen anderen Glaubens.

Aus muslimischer sicht, hat Allah entschieden, dass nur die Taten als Gottesdienst angenommen werden, die zwei Bedingungen erfllen:
1. Aus der Absicht Allah zu gefallen
2. Auf der Art und Weise des Qurans und der Sunna des letzten Gesandten

Punkt zwei ist etwas uerliches und knnte berprft werden. Hingegen wird man punkt eins nie berprfen knnen. Es ist daher nicht mglich einen Menschen zu einer gottesdienstlichen Tat zu zwingen. Dies wird daher auch nirgendswo angestrebt.

Aber wie man Heute gut sehen kann, ist Ordnung und Gesetz immer etwas einheitliches. An der Grenze zwischen zwei "Rechtssystemen" kann man sich zwar auf zahlreiche Punkte einigen also kompromisse schlieen, aber aufgrund anderer Punkte kme es an der besagten Grenze zu groer Unordnung.

An der Art und Weise wie beide Rechtssysteme die Ordnung an der Grenze wieder herstellen wollen, zeigt sich dass was man Anstand und Zivilisation nennt.

Wir machen alle Fehler und sind gegenber unseren Emotionen oft machtlos. Uns unterscheidet aber, wie wir mit unseren Fehlern in Zeiten der Besinnung umgehen.

Frieden
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beitrge vom vorherigen Thema anzeigen:   
Neuen Beitrag schreiben   Auf Beitrag antworten    recht.de Foren-bersicht -> Rechtsgeschichte, - philosophie, -theorie Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehen Sie zu Seite Zurck  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9
Seite 9 von 9

 
Gehen Sie zu:  
Sie knnen keine Beitrge in dieses Forum schreiben.
Sie knnen auf Beitrge in diesem Forum nicht antworten.
Sie knnen Ihre Beitrge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Sie knnen Ihre Beitrge in diesem Forum nicht lschen.
Sie knnen an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
©  Forum Deutsches Recht 1995-2019. Anbieter: Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim , RB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail info[at]recht.de.