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"Bewhrung fr einen Reuelosen"
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Ivanhoe
Gast





BeitragVerfasst am: 24.11.08, 13:44    Titel: "Bewhrung fr einen Reuelosen" Antworten mit Zitat

Nun ist es also so weit. Christian Klar kommt frei.

Wieviel Menschen muss man in Deutschland tten, wie hinterhltig morden um Lebenslnglich hinter Schloss und Riegel zu kommen?
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Redfox
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 31.10.2005
Beitrge: 8443
Wohnort: Am Meer

BeitragVerfasst am: 24.11.08, 13:51    Titel: Antworten mit Zitat

Siehe dazu BVerfGE 45, 187 ff. (--> www.servat.unibe.ch/dfr/bv045187.html ) und BVerfGE 86, 288 ff. (-- > www.servat.unibe.ch/dfr/bv086288.html ).

Siehe dazu z.B. auch hier --> www.kriminalpolizei.de/articles,haftentlassung_von_brigitte_mohnhaupt_und_christian_klar,1,152.htm
_________________
Toleranz sollte eigentlich nur eine vorbergehende Gesinnung sein: Sie mu zur Anerkennung fhren. Dulden heit beleidigen. (Goethe, Maximen und Reflexionen).
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Ivanhoe
Gast





BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:01    Titel: Antworten mit Zitat

Mir ist schon klar, dass laut Grundgesetz niemand die Chance auf Freiheit verwehrt werden darf.
Sollte man dann aber nicht die Formulierung "Lebenslnglich" ndern?
Lebenslnglich existiert ja nun nicht.
Klar wurde ja wegen 9fachen gemeinschaftlichen Mordes und 11fachen Mordversuchs verurteilt.
Und Reue ist ja auch Fehlanzeige bei ihm. Ich empfinde seine Freilassung als Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen seiner Opfer.
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spraadhans
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 26.11.2005
Beitrge: 7758
Wohnort: SMS Bayern

BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:08    Titel: Antworten mit Zitat

Was haben nur die Hinterbliebenen Millionen Verfolgter und Ermordeter in den Sternstunden der deutschen Nachkriegsjustiz empfunden?
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Redfox
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 31.10.2005
Beitrge: 8443
Wohnort: Am Meer

BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ivanhoe hat folgendes geschrieben::
Sollte man dann aber nicht die Formulierung "Lebenslnglich" ndern?


In was denn?

Ivanhoe hat folgendes geschrieben::
Ich empfinde seine Freilassung als Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen seiner Opfer.


Naja, die Hinterbliebenen leben immerhin; die Opfer sind tot.
_________________
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SpecialAgentCooper
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 07.09.2006
Beitrge: 3296

BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:12    Titel: Antworten mit Zitat

Diese Empfindung aus Opfersicht ist nachvollziehbar. Allerdings mchte ich betonen, dass uns der Fall nur aus den Medien bekannt ist - und "ehrliche Reue" als gerichtsfestes Kriterium feststellen zu knnen, unstreitig kaum mglich sein drfte.
Dass ein Rechtsstaat indes auch die Interessen des Tters angemessen zu wrdigen hat, ist sicher auch unstreitig.
Eine Beseitigung der begrifflichen Unzulnglichkeiten des Strafrechtes wre sicherlich berfllig.
_________________
Die Welt wird immer absurder. Nur ich bin weiter Katholik und Atheist. Gott sei Dank! (Luis B.)
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Ivanhoe
Gast





BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:16    Titel: Antworten mit Zitat

Redfox hat folgendes geschrieben::
Ivanhoe hat folgendes geschrieben::
Sollte man dann aber nicht die Formulierung "Lebenslnglich" ndern?


In was denn?


Es knnte im 211 I z.B. lauten: Der Mrder wird mit Freiheitsstrafe nicht unter 15 Jahren bestraft.
Wobei ja das BVG die Lebenslange Strafe fr Verfassungkonform hlt. BVerfG 45, 187; 54, 100

Redfox hat folgendes geschrieben::
Ivanhoe hat folgendes geschrieben::
Ich empfinde seine Freilassung als Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen seiner Opfer.


Naja, die Hinterbliebenen leben immerhin; die Opfer sind tot.


Darf ich aus dieser Aussage schlieen, die Hinterbliebene knnen ja froh und dankbar sein, dass sie noch leben? Geschockt
Dann bruchten wir ja berhaupt keine Haftstrafe mehr, denn die Opfer werden nun mal nicht wieder lebendig.


Zuletzt bearbeitet von Ivanhoe am 24.11.08, 14:25, insgesamt 1-mal bearbeitet
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Ivanhoe
Gast





BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:19    Titel: Antworten mit Zitat

SpecialAgentCooper hat folgendes geschrieben::
Diese Empfindung aus Opfersicht ist nachvollziehbar. Allerdings mchte ich betonen, dass uns der Fall nur aus den Medien bekannt ist - und "ehrliche Reue" als gerichtsfestes Kriterium feststellen zu knnen, unstreitig kaum mglich sein drfte.


Dem stimme ich zu.

SpecialAgentCooper hat folgendes geschrieben::
Dass ein Rechtsstaat indes auch die Interessen des Tters angemessen zu wrdigen hat, ist sicher auch unstreitig.


Auch hier mein Zustimmung.

SpecialAgentCooper hat folgendes geschrieben::
Eine Beseitigung der begrifflichen Unzulnglichkeiten des Strafrechtes wre sicherlich berfllig.


Das ist das, was viele Brger den Kopf schtteln lsst.
Ich denke, wrde dort nicht "lebenslngich" stehen, wrde dies fr weniger Missverstndisse sorgen.
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Klein-Fritzchen
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 25.05.2005
Beitrge: 2262

BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:29    Titel: Re: "Bewhrung fr einen Reuelosen" Antworten mit Zitat

Ivanhoe hat folgendes geschrieben::

...
Wieviel Menschen muss man in Deutschland tten, wie hinterhltig morden um Lebenslnglich hinter Schloss und Riegel zu kommen?

Darauf kommt es nicht an.
Es kommt auf die Sozialprognose an!

Zitat:
Lebenslnglich existiert ja nun nicht.

Doch!
Wenn der Betroffene nach wie vor eine Gefahr fr die Allgemeinheit darstellt, dann schon.
_________________
Wenn alle das tten, was viele mich knnten, kme ich nicht mehr zum Sitzen!
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Redfox
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 31.10.2005
Beitrge: 8443
Wohnort: Am Meer

BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:30    Titel: Antworten mit Zitat

SpecialAgentCooper hat folgendes geschrieben::
Diese Empfindung aus Opfersicht ist nachvollziehbar.


Nein. Eigentlich nicht.

Fr ein Opfer dfte es grundstzlich egal sein, ob es heimtckisch ermordet oder fahrlssig bei einem Autounfall gestorben ist.

Das Opfer ist tot, aber der Strafrahmen geht von "lebenslnglich" bis zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fnf Jahren bzw. zur Geldstrafe.

Was ggf. bercksichtigt wird, ist die Todesart und damit zusammenhngende Leiden. So ist "grausam" ein Mordmerkmal.

Ein Opfer mag ein arges Scheusal gewesen sein, dessen Umwelt aufgetatmet hat, als es jemand ermordet hat. Der Tod eines innig geliebten, aber fahrlssig Getteten fhrt bei den Angehrigen vielleicht zu einem schweren Trauma.

Sollte die Strafe im ersten Fall niedriger als im zweiten sein?

Ein Polizist, der im Dienst gettet wird, hinterlsst Frau, fnf Kinder, Eltern und zwei Geschwister. Sein Kollege, der ebenfalls kurz darauf gettet wird, ist Alleinstehend ohne Kinder, hat keine Eltern, keine Geschwister und auch sonst keine Angehrigen.

Im ersten Fall gibt es fr den Tter lebenslnglich, im zweiten Geldstrafe?

Ivanhoe hat folgendes geschrieben::
Es knnte im 211 I z.B. lauten: Der Mrder wird mit Freiheitsstrafe nicht unter 15 Jahren bestraft.


Solche Tatbestnde gibt es schon. In dem Fall ist im Urteil aber ein Zeitrahmen zu nennen.

Es msste dann z.B. heien: Der Tter wird wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 21 Jahren verurteilt.
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Zuletzt bearbeitet von Redfox am 24.11.08, 14:35, insgesamt 2-mal bearbeitet
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cmd.dea
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 31.05.2008
Beitrge: 1872
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ivanhoe hat folgendes geschrieben::
Ich denke, wrde dort nicht "lebenslngich" stehen, wrde dies fr weniger Missverstndisse sorgen.


Nein, eine lebenslngliche Freiheitsstrafe ist eine lebenslngliche Freiheitsstrafe. Der Unterschied ist einfach der, dass deren Vollstreckung nach einiger Zeit zur Bewhrung ausgesetzt wird.

Das beruht, wie bei anderen Freiheitsstrafen, auf den 57, 57a StGB.

Die Vollstreckung der Strafe kann, muss aber nicht bis zu ihrem Ende zur Bewhrung ausgesetzt und kann jederzeit widerrufen werden. Es bleibt eine lebenslngliche oder zeitige Freiheitsstrafe.

Andernfalls msste wir mit Blick auf 57 Abs. 1 und Abs. 2 StGB alle Freiheitsstrafen umbenennen, etwa

"bis zu 3 Jahren" in "2 oder 1,5 Jahre"
"bis zu 5 Jahren" in "3,33 oder 2,5 Jahre" oder
"bis zu 10 Jahren" in "6,66 oder 5 Jahre"

Das ist aber sinnlos, da ber das Ob und Wann der Bewhrung das Gericht erst spter entscheidet.

Ich hielte es daher fr sinnvoller, wenn sich die Menschen einfach mal informieren wrden, weshalb die Vollstreckung von Feiheitsstrafen nach einiger Zeit zur Bewhrung ausgesetzt wird, als das man das Strafma herbsetzt (denn dann wrde 57 StGB nach der Hlfte oder 2/3 dieser Regelung gelten).

Im brigen versteht der Laie 99% unserer Gesetze nicht und trotzem werden sie nicht gendert. Aufklrung und selbst informieren sind daher die Zauberworte.

Gru
Dea
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Ivanhoe
Gast





BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:42    Titel: Re: "Bewhrung fr einen Reuelosen" Antworten mit Zitat

Klein-Fritzchen hat folgendes geschrieben::

Zitat:
Lebenslnglich existiert ja nun nicht.

Doch!
Wenn der Betroffene nach wie vor eine Gefahr fr die Allgemeinheit darstellt, dann schon.


Meinen Sie nun die besondere schwere der Schuld oder die Sicherungsverwahrung? Selbst die bedeutet keine automatische lebenslange Haft.
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Ivanhoe
Gast





BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

cmd.dea hat folgendes geschrieben::

Nein, eine lebenslngliche Freiheitsstrafe ist eine lebenslngliche Freiheitsstrafe.


Dann msste ein lebenslang verurteilter Straftter auch lebenslang einsitzen.

cmd.dea hat folgendes geschrieben::
Der Unterschied ist einfach der, dass deren Vollstreckung nach einiger Zeit zur Bewhrung ausgesetzt wird.


Demnach ist es keine lebenslange Freiheitsstrafe!
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Redfox
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 31.10.2005
Beitrge: 8443
Wohnort: Am Meer

BeitragVerfasst am: 24.11.08, 14:49    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht wre der Ausdruck "zeitlich vorerst nicht begrenzte Freiheitsstrafe" besser.

Man knnte auch "zunchst einmal lebenslangen Freiheitsstrafe" schreiben.
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Questor
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BeitragVerfasst am: 24.11.08, 15:00    Titel: Antworten mit Zitat

SpecialAgentCooper hat folgendes geschrieben::

Dass ein Rechtsstaat indes auch die Interessen des Tters angemessen zu wrdigen hat, ist sicher auch unstreitig.
Ja genau - und das ist berhaupt das Wichtigste in unserem Land. Bse
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