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Wer darf eine Diagnose stellen?
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iami
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Anmeldungsdatum: 11.02.2009
Beitrge: 4

BeitragVerfasst am: 11.02.09, 23:01    Titel: Wer darf eine Diagnose stellen? Antworten mit Zitat

Vor einigen Jahren hat eine Frau bei einem Jugendamt um Rat gesucht, weil sie nicht mehr weiter wute (Scheidungssituation, Trennungsstre, Verzweiflung). Der Sozialarbeiterin vom Jugendamt hat sie ber ihre Probleme, ngste und Befrchtungen erzhlt. Was sie nicht wute und was man ihr nicht gesagt hat, war das das Jugendamt diese Informationen in dem parallel laufenden Verfahren beim Familiengericht verwenden wrde (der Vater hat dort die bertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts der gemeinsamen Kinder beantragt). Das Familiengericht hat anschlieend eine einstweilige Verfgung erlassen (gemeinsames Sorgerecht aber das ABR beim Vater) und seinen Beschlu wie folgt begrndet:

"Nach Mitteilung des JA, Frau xxx, besteht bei der Mutter der Verdacht auf eine neurologische Erkrankung. Die Mutter erscheine in ihrem Auftreten, ihren usserungen und ihrer Lebensplanung so "abgehoben" und sonderbar, dass ihr nahegelegt worden sei, sich in neurologische Behandlung zu begeben. Es bestehe insgesamt der Eindruck, dass die Mutter sich in einer desolaten psychischen Verfassung befinde." (Originaltext Gericht)

Die Mutter hat wegen des Entzugs des Aufenthaltsbestimmungsrechts fr ihre Kinder noch heute, Jahre danach, darunter zu leiden, da sie versagt hat.

Aus einem anderen Fall ist mir bekannt, da nur rzte und Heilpraktiker eine derartige Diagnose stellen drfen. Aus eigener Erfahrung wei ich aber auch, da Sozialarbeiter im Falle eines Verdachts einer Erkrankung dem Betroffenen hchstens zu seinem Hausarzt empfehlen, in der Hoffnung, dieser wrde die richtigen Schritte unternehmen.

Ich wei auch, da wenn ein Patient aus freiem Willen "einfach so" zum Facharzt will, um sich "durchchecken" zu lassen, er an den Hausarzt verwiesen wird - dieser stellt dann ggf. den berweisungsschein an den Facharzt aus. In keinem Fall wird ein Arzt den Betroffenen vor den Kopf stoen und ihm sagen "Sie sind verrckt und gehren in eine Anstalt". Wenn ich der Richter wre, wre es mir unmglich, mir ber den Gesundheitszustand eines Menschen klar zu werden, den ein Dritter als "abgehoben" und "sonderbar" beschreibt. Lediglich Personen, die man denunzieren will, wrde man so negativ beschreiben. Als die Richterin die einstweilige Verfgung begrndete, hatte sie die Mutter bis dahin nicht gekannt.

Die Mutter wurde spter von einem Amtsarzt untersucht und dieser hat alle Vorwrfe des Jugendamts widerlegt.

Bei mir persnlich - ich bin zwar medizinischer Laie, jedoch mit gesundem Menschenverstand - regt sich angesichts des Vorgefallenen Widerstand, wenn ich diese Kaffesatzlesen-Diagnose eines dazu nicht befugten Sozialarbeiters lese. Ich kann mir keinen Arzt vorstellen, der um seiner Diagnose nach Vermutung einer neurologischen Erkrankung mit den Worten "abgehoben" und "sonderbar" Nachdruck zu verschaffen. Im Gegenteil wei ich, da man mit den Betroffenen sehr behutsam umgeht, um sie nicht einzuschchtern und die Heilungschancen nicht zu gefhrden.

Da genau Letzteres passiert ist (das Selbstwertgefhl der Frau sank fr einige Jahre auf Null) und ich aus ihren Darstellungen vermute, da das JA vorstzlich gehandelt haben kann, um dem Vater bei der Durchsetzung des Aufenthaltsbestimmungsrechts fr seine Kinder zu untersttzen (die Frau gibt zu, da sie damals, als sie das JA um Hilfe gebeten hat, durcheinander, aufgeregt und schlecht ernhrt war - aber alles ein Zustand, der jedem in einer solchen Situation droht). Alles was die Frau damals brauchte, war ein neues Zuhause fr sich und ihre Kinder, gute Ernhrung und eine verstndnisvolle Umwelt. Sie nichts davon bekommen hat und statt dessen noch ihre Kinder verloren.

Meine Fragen an die Experten sind daher:

Kann man die Sozialarbeiterin rechtlich belangen, z.B. wegen der Verletzung des Heilpraktikergesetzes ( 1, Abs. 1 "Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausben will, bedarf dazu der Erlaubnis.", 5 "Wer, ohne zur Ausbung des rztlichen Berufs berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach 1 zu besitzen, die Heilkunde ausbt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft)?

Vermutlich werden die Gerichte bei Sozialmitarbeitern mehr Nachsehen haben, aber allein an der Art der gewhlten Worte kann man das mangelnde Einfhlungsvermgen dieser Sozialpdagogin ablesen. Und da die Betroffene spter fr gesund befunden wurde, halte ich diesen objektiv nicht nachvollziehbaren "Ausflug" eines Sozialarbeiters in das ihm nicht zustehende Fachgebiet der rzte fr absolut verfehlt und wie vorgetragen, wegen des Schadens am Selbstwertgefhl der Betroffenen und den seelischen Schaden, den die Kinder haben, deren Mutter ihnen als verrckt erklrt wurde, als unverantwortlich.

Selbst wenn der Sozialarbeiterin unter bestimmten Umstnden (Verdacht auf Gefhrdung des Kindeswohls usw.) eine uerung ihrer Vermutung bezglich des Verdachts einer Erkrankung erlaubt wre; fr den "Verdacht auf neurologische Erkrankung" wendet der Arzt andere Methoden an, als ein Sozialarbeiter aus einem Gesprch mit einer verzweifelten Mutter, die Schutz sucht, gewinnen kann, oder?.

Schlielich wird auch im Vorfeld einem Patienten mitgeteilt, da er von einem Arzt begutachtet wird.

Selbst nach Jahren verweigert das JA der Frau die Einsicht in ihre Akte, angeblich wegen dem "besonderem Weitergabeverbot vertraulicher Daten", was eine reine Schutzbehauptung des JA ist, denn in der Akte geht es nur um sie und ihre Kinder (fr welche sie nach wie erziehungsberechtigt ist) und ihren geschiedenen Ex-Mann (dessen persnliche Details man aus der Akte zuvor herausnehmen knnte).

Zwar hat die Frau die Mglichkeit zum Verwaltungsgericht zu gehen, doch wrde ich ihr zunchst lieber empfehlen, den Landrat einzuschalten, da ich auf das Versagen einer Einzelperson tippe (die mglicherweise in Absprache mit dem Kindsvater gearbeitet hat, um ihm zu der einstweiligen Verfgung zu helfen).

Erst nach Jahren sucht die Frau ihr Recht und Wiedergutmachung - mglicherweise hat sie auch Anspruch auf Schmerzensgeld, da sie aufgrund der ungeheuren Vorwrfe, die auch in ihrem Bekanntenkreis und dem Dorf, in dem sie frher lebte, bekannt wurden, mangels Selbstvertrauens mehrere Jahre nicht vernnftig arbeiten konnte.

Vielen Dank fr Eure Antworten!

IamI
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Dipl.-Sozialarbeiter
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 09.12.2006
Beitrge: 11996

BeitragVerfasst am: 11.02.09, 23:43    Titel: Re: Wer darf eine Diagnose stellen? Antworten mit Zitat

iami hat folgendes geschrieben::
...
Meine Fragen an die Experten sind daher:

Kann man die Sozialarbeiterin rechtlich belangen, z.B. wegen der Verletzung des Heilpraktikergesetzes ( 1, Abs. 1 "Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausben will, bedarf dazu der Erlaubnis.", 5 "Wer, ohne zur Ausbung des rztlichen Berufs berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach 1 zu besitzen, die Heilkunde ausbt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft)?
...

Hallo iami,

die Arbeit der Sozialarbeiter beim Jugendamt beruht u.a. auf dem SGB VIII und dem BGB (Familien-/Kindschaftsrecht). Sie fhren aber keine Behandlungen im Sinne des Heilpraktikergesetzes durch.

Es gehrt aber zu den Aufgaben der Mitarbeiter des Jugendamtes dem Familiengericht in Sorgerechtsfragen oder bei Kindeswohlgefhrdungen eine "gutachterliche Stellungnahme" vorzulegen.

Das Heilpraktikergesetz ist in diesen Fragen nicht anwendbar, da die Sozialarbeiter des Jugendamtes ihre Klienten nicht heilen oder therapieren.

iami hat folgendes geschrieben::
...
Selbst nach Jahren verweigert das JA der Frau die Einsicht in ihre Akte, angeblich wegen dem "besonderem Weitergabeverbot vertraulicher Daten", was eine reine Schutzbehauptung des JA ist, denn in der Akte geht es nur um sie und ihre Kinder (fr welche sie nach wie erziehungsberechtigt ist) und ihren geschiedenen Ex-Mann (dessen persnliche Details man aus der Akte zuvor herausnehmen knnte).
...

Siehe hierzu 65 SGB VIII. Diese Daten unterliegen selbst einem amtsinternen Weitergabeverbot.


Liebe Gre

Klaus
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Dummerchen
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Anmeldungsdatum: 21.01.2005
Beitrge: 6447
Wohnort: Prinz Philip seine Frau sein Insel

BeitragVerfasst am: 11.02.09, 23:51    Titel: Antworten mit Zitat

Mir ist beim besten Willen und nach mehrmaligem Lesen nicht klar, worauf du hinauswillst. Ich kann weder eine Diagnose lesen, noch finde ich Hinweise auf unzulaessige Ausuebung der Heilkunst durch die Sozialarbeiterin.

Allerdings lese ich von einer Verschwoerungstheorie, die JA-Mitarbeiter und den Ex-Ehemann irgendwie in Verbindung bringt.
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Ronny1958
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Anmeldungsdatum: 19.08.2005
Beitrge: 6981
Wohnort: "Kchenjunges" Lndle

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 07:13    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Bei mir persnlich - ich bin zwar medizinischer Laie, jedoch mit gesundem Menschenverstand - regt sich angesichts des Vorgefallenen Widerstand, wenn ich diese Kaffesatzlesen-Diagnose eines dazu nicht befugten Sozialarbeiters lese.


Das sieht aber auch gefhrlich nach der Diagnose eines unbefugten Heilpraktikers aus, oder ?

Im ABR-Verfahren gings um das Wohl der Kinder und die Frage, ob sie aufgrund des mglicherweise psychisch bedingten Hhenfluges ihrer Mutter Schaden nehmen konnten.
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iami
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Anmeldungsdatum: 11.02.2009
Beitrge: 4

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht ist meine Frage bzw. Anleiegn aufgrund des umfangreichen Textes nicht richtig rbergebracht worden.

Dies hat die JA-Mitarbeiterin geschrieben (bzw. steht im Beschlu des Gerichts):

"Nach Mitteilung des JA, Frau xxx, besteht bei der Mutter der Verdacht auf eine neurologische Erkrankung. Die Mutter erscheine in ihrem Auftreten, ihren usserungen und ihrer Lebensplanung so "abgehoben" und sonderbar, dass ihr nahegelegt worden sei, sich in neurologische Behandlung zu begeben. Es bestehe insgesamt der Eindruck, dass die Mutter sich in einer desolaten psychischen Verfassung befinde." (Originaltext Gericht)

Diese Information hat das JA nicht etwa deshalb erarbeitet, weil die Mutter im Rahmen eines Gerichtsauftrags "begutachtet" wurde, sondern weil sich die Mutter zuvor an sie in einer verzweifelten Lage gewandt hat. Ich meine mich zu erinnern, da sie vom JA u.a. die Aufnahme in ein Frauenhaus wollte, weil damals die Frage des Trennungsunterhalts noch nicht geklrt war und die Frau kein eigenes Einkommen hatte.

Was mich strt:

Ich bin nicht einverstanden, da ein Nicht-Arzt, Nicht- Heilpraktiker, also ein Otto-Normal- Sachbearbeiter irgendwelche Diagnosen oder Befunde ausarbeitet, was nur einem Arzt oder Heilpraktiker lt. Gesetz zusteht. Dafr brauche ich die Rechtsgrundlage - ich meine, dies sei das Heilpraktikergesetz.

Was mich weiter strt:

Einen Klienten (oder wie man sonst einen Kunden des JA nennt) mit den Worten "abgehoben" und "sonderbar" beschreibt. Darunter kann ich mir nichts vorstellen (und wohl auch die Richterin, als sie ber die Einstweilige Verfgung entscheiden mute).

Ich habe in Hitler's "Mein Kampf" gelesen, wie dort junger Hitler einen Juden, den er als junger Mann zum ersten Mal sah, auf hnliche Weise umschrieben hat: er war fassungslos und fand keine richtigen Worte, seine Darstellung des jdischen Brgers war aber eindeutig negativ.

Diese Passage ist mir so in Erinnerung heften geblieben, da ich mit Verlaub durch das obige Zitat daran erinnert wurde. Ich will hier keine Parallele ziehen, nur verdeutlichen, da es gefhrlich ist, wenn Behrden in ihren Berichten nicht eindeutig sind. Mit ziemlicher Sicherheit knnte "abgehoben" und "sonderbar" z.B. auf ein Sektenmitglied gemnzt werden, oder auf einen Rechts- oder Linksradikalen.

Deshalb suche ich nach der Antwort hier im Forum, die meine Annahme besttigt, da ein Arzt niemals solche Wortwahl whlen wrde. Ich wei, da die Frau kaum eine Chance hat, der Sozialmitarbeiterin groben Vorsatz nachzuweisen. Da sie aber die Aussagen ihres Ex-Ehemanns hat und die ihrer eigenen Mutter und diese sich in der Art so ziemlich mit der Wortwahl der Sozialarbeiterin decken, soll ausgeschlossen oder bewiesen werden, ob sie ggf. mit dem Ex-Ehemann und der Gromutter (vielleicht wollte sie wirklich nur das beste fr die Kinder) gemeinsam gegen die Mutter vorgegangen ist.

Schluendlich ist meine Frage doch einfach: Darf eine Sozialarbeiterin eine rztliche Diagnose stellen? Das Zitat ist wohl eindeutig eine Diagnose.
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Ronny1958
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Anmeldungsdatum: 19.08.2005
Beitrge: 6981
Wohnort: "Kchenjunges" Lndle

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 10:37    Titel: Antworten mit Zitat

Der Verdacht der Sozialarbeiterin ist ebensowenig eine Diagnose (IMHO), wie Ihre angeblich nicht gewollte Ziehung einer Parallele (IMHO) doch eine solche ist.

Und weil ich solche Totschlagargumente


Zitat:
Ich habe in Hitler's "Mein Kampf" gelesen, wie dort junger Hitler einen Juden, den er als junger Mann zum ersten Mal sah, auf hnliche Weise umschrieben hat: er war fassungslos und fand keine richtigen Worte, seine Darstellung des jdischen Brgers war aber eindeutig negativ.

Diese Passage ist mir so in Erinnerung heften geblieben, da ich mit Verlaub durch das obige Zitat daran erinnert wurde. Ich will hier keine Parallele ziehen, nur verdeutlichen, da es gefhrlich ist, wenn Behrden in ihren Berichten nicht eindeutig sind. Mit ziemlicher Sicherheit knnte "abgehoben" und "sonderbar" z.B. auf ein Sektenmitglied gemnzt werden, oder auf einen Rechts- oder Linksradikalen.


nicht mag, ziehe ich mich aus der Diskussion zurck .
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Bingo02
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Anmeldungsdatum: 11.05.2008
Beitrge: 1073

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 10:54    Titel: Antworten mit Zitat

Lebe(r) "iami", ich habe den Eindruck gewonnen, das ihr Problem weder in diesem Forum noch vor einem Gericht zu lsen ist. Rache ist ein Wegbegleiter der Wunden vertieft und nicht heilt. Schauen sie bitte nach vorne, denn mit dem was sie suchen...

Zitat:
Deshalb suche ich nach der Antwort hier im Forum, die meine Annahme besttigt,


...knnten sie sich selbst blockieren.
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iami
noch neu hier


Anmeldungsdatum: 11.02.2009
Beitrge: 4

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 13:15    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank fr Eure Antworten. Zumindest kann ich nun meiner Bekannten ruhigen gewissens empfehlen, da es in Ordnung ist, da sie vom JA und Gericht als "abgehoben" und "sonderbar" beschrieben worden ist, da das JA sich nicht rechtfertigen mu, was sich hinter dieser Bezeichnung versteckt.

Es ist nicht Rache, was meine Bekannte sucht. Das JA hat ihr bel mitgespielt und sie ist aufgrund dessen zusammengebrochen. Dennoch ist das keine neurologische Erkrankung. Das alles passiert immer wieder. Wenn sich Betroffene zur Wehr setzen, finden sie kein Verstndnis. Wiedergutmachung wre hier das richtige Motiv.

Im brigen ist mein Hinweis auf die Geschichte keine Parallele sondern die Verdeutlichung, wozu eine nicht eindeutige Beschreibung eines Menschen beim Beschlu eines Richters, ohne den Betroffenen selbst oder dessen Kinder gesehen zu haben, fhren kann. Eine Parallele zur Geschichte wre das Wegschauen auf dieses und Hunderttausende hnliche Schicksale von Eltern und Kindern aus Scheidungsfamilien. Schade, da wir immer wieder dazu neigen, die eigene Vergangenheit zu vergessen und der Meinung sind, da es uns gut geht und in der Zukunft immer besser gehen wird.

Die legale Herabwrdigung meiner Bekannten als "abgehoben" und "sonderbar" macht mich sehr, sehr nachdenlich und auch der Umstand, da sie sich mit Worten allein nicht dagegen zur Wehr setzen kann. Wenn ein Mensch Respekt verlangt, ist das keine Rache.
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Adromir
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Anmeldungsdatum: 30.10.2005
Beitrge: 5610
Wohnort: Hannover

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 14:18    Titel: Antworten mit Zitat

iami hat folgendes geschrieben::

Im brigen ist mein Hinweis auf die Geschichte keine Parallele sondern die Verdeutlichung, wozu eine nicht eindeutige Beschreibung eines Menschen beim Beschlu eines Richters, ohne den Betroffenen selbst oder dessen Kinder gesehen zu haben, fhren kann. Eine Parallele zur Geschichte wre das Wegschauen auf dieses und Hunderttausende hnliche Schicksale von Eltern und Kindern aus Scheidungsfamilien. Schade, da wir immer wieder dazu neigen, die eigene Vergangenheit zu vergessen und der Meinung sind, da es uns gut geht und in der Zukunft immer besser gehen wird.


Versuchen sie die andere Seite zu sehen: Das Jugendamt soll sich um das Kindesweohl kmmern. Dazu ist eine Einschtzung der Lage vonnten. Dazu gehrt auch, da man auf eine mgliche psychische Erkrankung eines Elternteils, die das Kindeswohl gefrden knnte, hinweisen muss. Dieser Hinweis ist aber erstmal keine Tatsache und sollte entsprechend belegt werden.

Jetzt berlegen sie folgende hypothetische Konstellation: Ein Sozialarbeiter vermutet bei einem Elternteil eine psychische Erkrankung, analog ihrer berlegungen, lsst er diese Vermutung unter den Tisch fallen und der Sache wird nicht mehr weiter nachgegangen. Nun stellt sich irgendwann heraus, da das Elternteil wirklich diese Strung hatte und ein Kind kommt deswegen schwerstens zu Schaden.

Wie wrden sie die Situation dann bewerten?
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Dummerchen
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 21.01.2005
Beitrge: 6447
Wohnort: Prinz Philip seine Frau sein Insel

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 14:18    Titel: Antworten mit Zitat

iami hat folgendes geschrieben::
Vielen Dank fr Eure Antworten. Zumindest kann ich nun meiner Bekannten ruhigen gewissens empfehlen, da es in Ordnung ist, da sie vom JA und Gericht als "abgehoben" und "sonderbar" beschrieben worden ist, da das JA sich nicht rechtfertigen mu, was sich hinter dieser Bezeichnung versteckt.


Diese Antwort zeigt m.E. sehr deutlich, wo das Problem liegt: ihr habt euch etwas in den Kopf gesetzt und seid nicht bereit oder in der Lage, eine andere Ansicht gelten zu lassen. Niemand hat behauptet, dass solche Aeusserungen in Ordnung sind oder dass sich ein JA nicht rechtfertigen muesse.
ABER: du hattest auch nicht danach gefragt, sondern behauptet, derartige Aeusserungen stellten eine aerztliche Diagnose dar. Dies wurde von uns verneint.
Deine Frage war, ob der JA-Mitarbeiter sich mit dieser Aeusserung wegen eines Verstosses gegen das Heilpraktikergesetz strafbar gemacht habe. Und nur auf diese Frage wurede von uns geantwortet.

So, und jetzt noch etwas von einem medizinischen Gutachter zum Thema: Worte wie sonderbar oder seltsam werden in aerztlichen Berichten durchaus verwandt. Wer einmal versucht hat, das Benehmen eines Erkankten mit florider Schizophrenie einem medizinischen Laien (wie es ein Richter z.b. ist) nahezubringen, muss oftmals auf solche Begriffe zurueckgreifen.
Zum zweiten: eine Person, die durch die Begriffe "abgehoben" oder "sonderbar", bereits so sehr in ihrem Selbstwertgefuehl gestoert wird, dass sie mehrere Jahre arebitsunfaehig ist, war auch vor dieser Bezeichnung keine gesunde, ausgeglichene und starke Persoenlichkeit. Der Verdacht, dass die Beschreibung durch das JA zumindest eine gewisse Berechtigung hatte, liegt nahe und er wird durch deine Einlassungen weiter aufrechterhalten. Wobei man nicht vergessen sollte, dass eine schmutzige Scheidung fuer die Betroffenen sehr belastend ist und reaktive psychische Stoerungen nicht unbekannt sind.
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Dipl.-Sozialarbeiter
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Anmeldungsdatum: 09.12.2006
Beitrge: 11996

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Adromir hat folgendes geschrieben::
...
Jetzt berlegen sie folgende hypothetische Konstellation: Ein Sozialarbeiter vermutet bei einem Elternteil eine psychische Erkrankung, analog ihrer berlegungen, lsst er diese Vermutung unter den Tisch fallen und der Sache wird nicht mehr weiter nachgegangen. Nun stellt sich irgendwann heraus, da das Elternteil wirklich diese Strung hatte und ein Kind kommt deswegen schwerstens zu Schaden.
...

Hallo Adromir,

das Jugendamt hat einen ganz klaren gesetzlichen Auftrag nach 8a SGB VIII.

Sozialarbeiter, die eine vermutete psychische Erkrankung unterm Tisch fallen lassen, wandern mglicherweise in den Bau, wenn dadurch das Kind zu schaden kommt, oder in der Tiefkhltruhe gefunden wird.

Liebe Gre

Klaus
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Anmeldungsdatum: 09.12.2006
Beitrge: 11996

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 15:57    Titel: Antworten mit Zitat

iami hat folgendes geschrieben::
...
Ich habe in Hitler's "Mein Kampf" gelesen, wie dort junger Hitler einen Juden, den er als junger Mann zum ersten Mal sah, auf hnliche Weise umschrieben hat: er war fassungslos und fand keine richtigen Worte, seine Darstellung des jdischen Brgers war aber eindeutig negativ....

Hallo iami,

die Aufgaben des Jugendamtes sind in 1 Abs. 3 SGB VIII beschrieben. Unter anderem mu das Jugendamt
    "Kinder und Jugendliche vor Gefahren fr ihr Wohl schtzen,".
Dieses hat meine Kollegin vom Jugendamt wohl sehr ernst genommen. Ich jedenfalls erkenne unter fachlichen Gesichtspunkten nichts, was meiner Kollegin vorzuwerfen wre.

Kommen Sie jetzt auch bitte nicht mit dem Satz "Eine Krhe hackt der anderen ...". Ich wrde, wenn ein Fehlverhalten vorliegen wrde, dies auch eindeutig so benennen. Winken

Liebe Gre

Klaus

PS: Vertiefend siehe: "staatliches Wchteramt"


Zuletzt bearbeitet von Dipl.-Sozialarbeiter am 12.02.09, 15:59, insgesamt 1-mal bearbeitet
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Bingo02
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Anmeldungsdatum: 11.05.2008
Beitrge: 1073

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 15:57    Titel: Antworten mit Zitat

@ iami

Sie sollten auch nicht vergessen, das es dem JA und dem Richter damals um das Wohl der Kinder ging, und nicht um das Wohl der Mutter. Es wre zudem Aufgabe des RA der Mutter gewesen, die Argumente des JA durch ein Gutachten zu entkrften und das Gericht von der "Stabilitt" der Mutter zu berzeugen.
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Bingo02
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Anmeldungsdatum: 11.05.2008
Beitrge: 1073

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 16:02    Titel: Antworten mit Zitat

Dipl.-Sozialarbeiter hat folgendes geschrieben::
...mu das Jugendamt"Kinder und Jugendliche vor Gefahren fr ihr Wohl schtzen,".[


So ist es!
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Adromir
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Anmeldungsdatum: 30.10.2005
Beitrge: 5610
Wohnort: Hannover

BeitragVerfasst am: 12.02.09, 17:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Klaus, wollte ja nur herausstellen, was passieren kann, wenn man iamis Ansatz (und Argumentation) konsequent zu Ende fhrt. Das der Auftrag des JA das nicht zulassen wrde, ist mir schon bewusst ;)

Wre halt nur mal nett zu wissen, wie iami solche Flle bewertet, wenn ein Kind in einer Khltruhe landet, dem JA eine psychische Erkrankung der Eltern vermutet wurde, aber dem nicht nachgegangen worden wre, weil man die Verdachtsmomente als Abwrdigung der Mutter angesehen htte, sowieso sowas nicht uern darf da man ja gegen das Heilpraktikergesetz verstossen knnte und sowieso nicht so verurteilend wie im 3. Reich vorgehen will..
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