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Zum Begriff der Flugversptung

 
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nce
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beitrge: 963
Wohnort: Halle/Saale

BeitragVerfasst am: 30.09.05, 09:23    Titel: Zum Begriff der Flugversptung Antworten mit Zitat

Vor einiger Zeit haben wir uns hier im Forum damit beschftigt, was eigentlich im rechtlichen Sinne eine Flugversptung ist - kurz gesagt: geht es nur um den verspteten Abflug oder (auch) um die versptete Ankunft?

Nils-Christian Engel hat folgendes geschrieben::
mosaik hat folgendes geschrieben::
Die Verordnung zielt ja auch dahinauf aus, dass eine versprochene Abflugszeit nicht mehr so ohne weiteres verschoben werden kann. Jedoch erkennt auch der Rat, dass sich im Verlauf einer Reise Dinge ereignen knnen, die den Verlauf beeinflussen und nicht im Einflussbereich des Leistungserbringers liegen (knnen).

Naja, Vorsicht! Das heit aber nicht, dass nur eine Abflugversptung eine Versptung ist ... auch das sog. "Reiserecht" kann nicht die komplette Realitt expressis verbis beschreiben - daher sollte man zum Beispiel das Werkvertragsrecht und weitere interessante Kapitel des BGB nicht unter den Tisch fallen lassen. Das gilt zumindest fr Deutschland


Das war die Kernfrage; "Verordnung" meint natrlich die Verordnung (EG) Nr. 261/2004 vom 11. Februar 2004 (findet man z.B. auf www.luftrecht-online.de). Der zitierte Thread steht hier.

Der "neue Fhrich" fhrt dazu aus:

Ernst Fhrich, Reiserecht, Randnummer 1042 hat folgendes geschrieben::

... Versptung ist ein nicht rechtzeitiges Eintreffen des Flugzeugs am Zielort. Die Rechtzeitigkeit ergibt sich aus dem Flugschein oder Flugplan. Sie liegt erst vor, wenn die Befrderung nicht innerhalb eines objektiv angemessenen Zeitraums erfolgt, welche ein vernnftiger Fluggast in seine berlegungen einbezieht ...


Fhrich betont, dass die einschlgigen Abkommen und Verordnungen den Begriff der Flugversptung nicht beschreiben; das heit, was eine Versptung ist, bestimmt die Rechtsprechung.

Quelle: Ernst Fhrich, Reiserecht. Handbuch des Reisevertrags-, Reiseversicherungs- und Individualreiserechts. 5., neu bearbeitete Auflage. Heidelberg, 2005.
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mosaik
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Anmeldungsdatum: 22.09.2004
Beitrge: 1055
Wohnort: Anif

BeitragVerfasst am: 30.09.05, 10:28    Titel: Antworten mit Zitat

Fhrich hat auch einen guten Grunde, weshalb er noch ausdrcklich auf keine einheitliche Rechtsprechung zum Thema Versptungen gibt:

Bei einer Abflugsversptung ist alles klar:
Die Airline fixiert den Zeitpunkt X als Abflug und muss zu diesem Zeitpunkt zumindest vom Terminal oder der Parkposition "ablegen".

Wie aber soll eine Fluglinie dann spter entstehende Versptungen beeinflussen knnen?
Thermiken
Jetstreams in groer Hhe gegen das Flugzeug
Unwetter (Hurrikans...)
berlastung von Fluglotsen --> nderung der Flugroute
Schlechtwetter im Landegebiet (dazu noch Anm.1)

Diese und andere Faktoren knnten auch bei Zwischenlandungen oder Umsteigeverbindungen zu Verzgerungen fhren. Ich meine, hier hat Fhrich richtig erkannt, dass eine rechtliche Verordnung wohl zu eng gelegt wre. Schlielich gibt es mittlerweile zig Flugstrecken ber 10.000 km ohne Flugunterbrechung - da ist dann eine Stunde Versptung durchaus mglich.

Ich finde es daher aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt, wenn man ber die Mittelstrecke (3.500 km) hinaus auch Ansprche bei verspteter Ankunft geltend machen kann. Ich begrnde diese Meinung nach wie vor auf dem Umstand, dass Reisen auch in der heutigen Zeit mit nicht kalkulierbaren Faktoren besetzt ist und daher ein gewisser Freiraum bzw. unberechenbarer Zustand auch in Zukunft vorhanden sein wird.

Die entstehenden Diskussionen grnden zu einen Gutteil auf dem Zug der Zeit, keine Zeit mehr fr die Zeit zu haben. Ich gebe hier auch - bei Fernstrecken - zu bedenken, dass es rein gesundheitlich ein "Selbstmord" ist, nach einem 12- oder 15-stndigen Flug sofort "top fit eine Stunde nach Landung den Geschftsabschluss des Monats" landen zu wollen.

In Urteilen zu Versptungen von Zgen zu Abflgen und dem damit zusammen hngenden Versumnis wird immer wieder betont, dass der Kunde einen angemessenen Sicherheitszeitraum bemessen muss. Analog sehe ich diese Forderungen auch im Flugverkehr als gegeben.

Das Schne am neuen Buch von Fhrich ist ja, dass er verweist auf vorhandene Rechtsgrundlagen, seine eigenen berlegungen und auf Korrekturen seiner eigenen Aussagen in frheren Auflagen!. Was ich als dynamische Entwicklung in der Reiserechtssprechung als sehr positiv beurteilen und in keiner Weise als "frher falsch" sehe.

Anm. 1
Gerade diese Thematik - Schlechtwetter im Zielgebiet - war ja aktuell bei der Bruchlandung dieses Jahr in Montreal. Der Kapitn htte vielleicht gar nicht landen drfen. Da jedoch er derjenige ist, der selbst bei einem Hinweis vom Tower entscheidet, ob Landung oder nicht, lastet auf ihm dann vielleicht auch noch der Druck: wenn du jetzt abdrehst und eine Landeversptung, ja sogar noch auf einem anderen Flughafen, dann zahlt deine Gesellschaft jetzt viel Geld? Wre das frderlich fr die Flugsicherheit???

Gru
Peter
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nce
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beitrge: 963
Wohnort: Halle/Saale

BeitragVerfasst am: 30.09.05, 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Versptungen aufgrund von Umstnden, die die Airline nicht zu vertreten hat, sind ja eine andere Frage - z.B. wg. hherer Gewalt.

Und dass fr die Befrderung ein "objektiv angemessener Zeitraum" zur Verfgung steht - nicht die gebuchte Landezeit nach Minuten und Sekunden! - ist auch klar.

Dass "bei einer Abflugversptung" alles klar sei, sehe ich allerdings nicht. Was, wenn die Landung trotz erheblicher Abflugversptung doch noch innerhalb eines tolerablen Zeitrahmens erfolgt? Oder wenn die Abflugversptung noch unerheblich ist, die Landung aber nicht mehr zumutbar versptet? Zugegeben, eine kleine Griffelspitzerei Winken
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mosaik
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Anmeldungsdatum: 22.09.2004
Beitrge: 1055
Wohnort: Anif

BeitragVerfasst am: 30.09.05, 11:46    Titel: Antworten mit Zitat

Nils-Christian Engel hat folgendes geschrieben::
Zugegeben, eine kleine Griffelspitzerei Winken


... aber genau die machen fr mich auch den Reiz der Sache aus und du hast natrlich - wie immer - Recht!

Gru
Peter
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