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recht.de :: Thema anzeigen - Bi- und Polygamie - strafwrdig und strafbedrftig?
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Bi- und Polygamie - strafwrdig und strafbedrftig?
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jurico
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 03.08.2005
Beitrge: 6123
Wohnort: Chemnitz

BeitragVerfasst am: 02.03.06, 16:15    Titel: Antworten mit Zitat

Also "Entkriminalisierung" der "Doppelehe" und - wenn berhaupt - Sanktionierung als bloe Ordnungswidrigkeit mit Geldbue?
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Redfox
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 31.10.2005
Beitrge: 8443
Wohnort: Am Meer

BeitragVerfasst am: 02.03.06, 16:19    Titel: Antworten mit Zitat

Einfach zivilrechtlich untersagen und das war es dann.

Und das ganze mit einer Schadenersatzverpflichtung versehen, wenn die bigamistische Eheschlieung von dem einen Teil durch Tuschung oder Drohung erreicht wurde.
_________________
Toleranz sollte eigentlich nur eine vorbergehende Gesinnung sein: Sie mu zur Anerkennung fhren. Dulden heit beleidigen. (Goethe, Maximen und Reflexionen).
無爲 / 无为
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jurico
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 03.08.2005
Beitrge: 6123
Wohnort: Chemnitz

BeitragVerfasst am: 02.03.06, 16:22    Titel: Antworten mit Zitat

Zivilrechtlich untersagt ist es ja schon, siehe oben ( 1306 BGB).
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Vormundschaftsrichter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 03.01.2005
Beitrge: 2473
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 02.03.06, 16:38    Titel: Antworten mit Zitat

lulu66 hat folgendes geschrieben::
Ich persnlich bin da ja eher altmodisch, aber eben nicht das Mass der Dinge und fnde daher eigentlich keine Grnde (heutzutage) das gesetzlich zu sanktionieren..... der, wie ich hrte, gewnschte besondere Schutz von Familien bliebe davon ja auch unberhrt.... ?

Jeder Satz, den Sie uern, muss als Frage verstanden werden, nicht als Behauptung!
_________________
Gru
Vormundschaftsrichter


der stellvertretende nimmt seine nightstick und beginnt das Schlagen der daylights aus der Anwalt
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Abrazo
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 02.03.06, 23:33    Titel: Antworten mit Zitat

Praktischer Fall:

Ich habe gerade vor kurzem eine inzwischen alte Frau wieder getroffen, die lange, lange Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, mit einem verheirateten Professor liiert war. Es war von ihr aus - aber wohl auch von ihm aus - eine Liebesbeziehung. De facto hatte der Mann zwei Frauen. Etwa als er pensioniert wurde, auch schon etliche Jahre her, trennte er sich von ihr.

Die Frau ist klug, gebildet, knstlerisch begabt und ein bezaubernder, freundlicher und sozialer Mensch - und stand vor dem Nichts. Keine Kinder, keine Familie (allerdings eine Menge gute Freunde), keine nennenswerte Rente, ihr Zubrot verdient sie durch ihre knstlerische Ttigkeit.

Welches Rechtsgut wird hier - nicht geschtzt?
_________________
Gre,
Abrazo
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jurico
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 03.08.2005
Beitrge: 6123
Wohnort: Chemnitz

BeitragVerfasst am: 03.03.06, 00:03    Titel: Antworten mit Zitat

Abrazo hat folgendes geschrieben::
trennte er sich von ihr.

Von der Ehefrau oder der Liebe?
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Abrazo
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 03.03.06, 01:01    Titel: Antworten mit Zitat

Von der Liebe natrlich. Wenn Mnner ein gewisses Alter erreicht haben, denken sie daran, dass sie bald eine zuverlssige, finanziell abgesicherte Altenpflegerin brauchen knnten.
_________________
Gre,
Abrazo
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jurico
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 03.08.2005
Beitrge: 6123
Wohnort: Chemnitz

BeitragVerfasst am: 03.03.06, 08:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ist doch aber alles kein strafrechtliches Problem, oder?
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Cicero
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 24.11.2005
Beitrge: 5793

BeitragVerfasst am: 03.03.06, 10:03    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, es ist ein rechtspolitisches Problem (wir sind also im falschen Subforum Winken ) Es geht um die Frage, ob man einer langjhrigen Geliebten, die sich von ihrem Partner abhngig gemacht hat, einen hnlichen zivilrechtlichen Schutz bieten sollen wie einer Ehefrau. Da sind wir jetzt zugegebenermaen etwas vom Thema "Strafwrdigkeit der Vielehe" abgekommen - aber vielleicht ist diese ja unter anderem deshalb strafbar, weil die zweite Ehefrau in eine hnliche Lage geraten knnte wie im geschilderten Beispiel die Geliebte?
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Abrazo
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 03.03.06, 23:36    Titel: Antworten mit Zitat

Was ich hier sehe ist, dass das Strafrecht Absicherungen verhindert. Und es kann wirklich nicht darum gehen, den einen Partner gegen den anderen zu verdrngen oder auszuspielen.

Denn auch an die Ehefrau sollte man dabei denken: denn selbstverstndlich bleibt ihr eine so ausdauernde und intensive Beziehung nicht verborgen. In den blichen Filmchen (und es soll ja Leute geben, die sie als Lebensvorbild betrachten) heit es dann, mgest du glcklich werden, ich gebe dich frei, oder, Geliebter, ich kmpfe um dich, oder, du hast meiner Liebe den Todessto versetzt, ich gehe fr immer - im realen Leben soll es aber auch nchterne Leute geben, die sich ganz sachlich berlegen: wat is'n die Alternative?

Nehmen wir doch mal einen groen Menschenkenner als 'Gutachter': Mohammed. Der fhrte wohl die lngste Zeit seines Lebens eine Einehe - mit seiner ersten Frau Chadidja, der er nach allen von Historikern nicht in Zweifel gezogenen Kenntnissen eisern die Treue hielt. Nach ihrem Tod nahm er insgesamt 8 Frauen - fast alle allerdings aus sozialen Grnden: Witwenversorgung. Seinen Glaubensgenossen erlaubte er bis zu vier - vorausgesetzt, sie wrden alle genau gleich behandeln. Und dann kommt der Satz: "Ihr werdet nicht gerecht sein knnen" - woraus man zu allen Zeiten entnahm, richtig funktionieren tut eine Ehe nur mit einer Frau.

Einverstanden. Ich habe mir eine Menage a trois auch nie als Lebensform vorstellen knnen. Doch die menschlich-allzu-menschlichen Verhltnisse, die sind nicht so. Und so haben wir denn mit der staatlich sanktionierten Einehe ein zweifellos von der Mehrheit akzeptiertes Ideal, bei dem allerdings ein paar Menschen, bei denen das so nicht funktioniert, baden gehen.

Und damit wren wir wieder bei der Ausgangsfrage: welches Rechtsgut wird da eigentlich geschtzt?
_________________
Gre,
Abrazo
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jurico
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 03.08.2005
Beitrge: 6123
Wohnort: Chemnitz

BeitragVerfasst am: 04.03.06, 10:31    Titel: Antworten mit Zitat

Abrazo hat folgendes geschrieben::
Und so haben wir denn mit der staatlich sanktionierten Einehe ein zweifellos von der Mehrheit akzeptiertes Ideal

Hm, manchmal habe ich den Eindruck, dass die Ehe selbst von der "Mehrheit" nicht mehr akzeptiert oder zumindest nicht mehr als erstrebenswert angesehen wird. Zumindest verliert sie neben den nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften und der eingetragenen Lebenspartnerschaft an Gewicht. Es steigt die gesellschaftliche Akzeptanz fr andere Formen menschlichen Zusammenlebens.

Abrazo hat folgendes geschrieben::
Und damit wren wir wieder bei der Ausgangsfrage: welches Rechtsgut wird da eigentlich geschtzt?

Mglicherweise gibt es keines. Dann wre die "Doppelehe" nicht einmal strafwrdig, geschweige denn strafbedrftig. 172 StGB mte dann aufgehoben werden.
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Abrazo
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 04.03.06, 15:32    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hm, manchmal habe ich den Eindruck, dass die Ehe selbst von der "Mehrheit" nicht mehr akzeptiert oder zumindest nicht mehr als erstrebenswert angesehen wird.

Ich wei.
Aber komischerweise gehren zu meinem Bekanntenkreis vielleicht berdurchschnittlich viele Leute, die in wirklich dauerhafter Einehe leben. Manchmal habe ich den Eindruck, die stabile Einehe wird von Fchsen abgelehnt, denen die Trauben zu sauer sind.

Auch ich halte die Mehrfachehe - mit Redfox' vernnftiger und lebensnaher Einschrnkung, Schadenersatz bei bigamistischer Tuschung oder Drohung - nicht fr strafwrdig.

In meinen Augen ist das Gesetz ein Relikt aus Zeiten, in denen die Gesetzgebung der Hebung der brgerlichen Moral zu dienen hatte, die regelmig in Doppelmoral endete.

Oder, wie der Kabarettist Jrgen Becker in seinem Lied "Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin" formulierte: Moral ist dann ertrglich, wenn sie doppelt ist.

Menschlich-allzu-menschlich wahr, aber ich schtze klare Verhltnisse denn doch mehr. Was mit Rcksicht auf die menschliche Natur unertrglich ist, gehrt abgeschafft (sofern dadurch niemand ernsthaften Schaden erleidet natrlich).
_________________
Gre,
Abrazo
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Cicero
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 24.11.2005
Beitrge: 5793

BeitragVerfasst am: 05.03.06, 22:10    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn wir kein geschtztes Rechtsgut finden, mssten wir dann nicht einen Schritt weitergehen? Mssten wir die Vielehe dann nicht legalisieren und nicht nur die Strafbarkeit aufheben? Wre das Verbot der Vielehe dann nicht ein unzulssiger Eingriff in die allgemeine Handlungsfreiheit?
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Max77
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 23.08.2005
Beitrge: 1300
Wohnort: Franken

BeitragVerfasst am: 05.03.06, 23:10    Titel: Antworten mit Zitat

Cicero hat folgendes geschrieben::
Wenn wir kein geschtztes Rechtsgut finden, mssten wir dann nicht einen Schritt weitergehen? Mssten wir die Vielehe dann nicht legalisieren und nicht nur die Strafbarkeit aufheben? Wre das Verbot der Vielehe dann nicht ein unzulssiger Eingriff in die allgemeine Handlungsfreiheit?


Was spricht gegen die (Ein-)Ehe als Rechtsgut?

Grundgesetz hat folgendes geschrieben::
Art 6

(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
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jurico
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 03.08.2005
Beitrge: 6123
Wohnort: Chemnitz

BeitragVerfasst am: 06.03.06, 06:48    Titel: Antworten mit Zitat

Max77 hat folgendes geschrieben::
Was spricht gegen die (Ein-)Ehe als Rechtsgut?

Nicht viel. Die Frage ist aber, ob die Einehe auch ein Strafrechtsgut (ein Rechtsgut, das strafrechtlichen Schutz bedarf) ist. Bisher hat hier niemand eine berzeugende Begrndung dafr gefunden.

Art. 6 Abs. 1 GG spricht ja auch von "Ehe", nicht von Einehe. Wenngleich "Ehe" blicherweise als die berkommene familienrechtliche (Ein-)Ehe verstanden wird.
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