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Banken u. Schadensbegrenzungspflicht bei Umschuldungsdarl?

 
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Peerki
Interessierter


Anmeldungsdatum: 16.06.2005
Beitrge: 7

BeitragVerfasst am: 17.06.05, 09:40    Titel: Banken u. Schadensbegrenzungspflicht bei Umschuldungsdarl? Antworten mit Zitat

Wird ein Darlehen umgeschuldet, dann sind immer 2 Parteien involviert. Bank und Kunde, die im neuen Vertrag die Bedingungen fr die Zukunft abwegen und vereinbaren.

Bankseits drfte zutreffen:
Dipl. Volkswirte der Banken analysieren i.d.R. immer kritischer, realistischer und vorausschauender als Politik und Presse jemals zugeben wrden. Kundenrating und Basel II-Normen werden schon angewandt: man kennt Kontobewegungen und -verhalten des Kunden sehr genau.

Angenommen es gab ein Hausdarlehen, da jederzeit getilgt werden konnte aber noch einen hohen variablen Zinssatz hatte. Kunde wird spter Arbeitslos und bedient mit Mhe den Vertrag weiterhin. Tilgt auf einem Schlag mehr als die Hlfte als er in die Arbeitslosenhilfe abrutscht. Kunde ist 2003 unsicher ber weitere Zukunft, Bank weisst das und es kommt einen Vertrag zustande mit niedrigerem Zinssatz, Sondertilgung 10% p.a. und vorallem vermeintlich tragbarem Zins- und Tilgungslast.
Mit den danach folgenden Hartz IV-Diskusionen verdstert sich das Bild aus Sicht der Kunden. Kunde beschliesst Anfang 2004 Haus zu verkaufen und informiert Bank darber. Ab Jan. 2005 wird es richtig dster. Mitte 2005 findet sich ein Kufer und Bank redet von Vorflligkeitszinsen, die weder in den Bedingungen noch bei den neuen Vertragsbesprechungen direkt genannt wurde.

Kann die Bank angelastet werden, dass sie Ihre bankinterne Vorschau/Ranking den Kunden gegenber verniedlich hat und den Kunden im Falle einer (sehr wahrscheinliche!) Aufgabe des Hauses nicht aufgeklrt hat, da -anders als beim abzulsenden Darlehen- nun aber zustzlich Vorflligkeitszinsen anfallen (Anm.: eigentlich Vertragsstrafe weil Kunde in Not Restdarlehen vorzeitig zurckzahlt: anstatt in 20 Jahre bereits nach 2 Jahre)
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Karsten11
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 17.06.2005
Beitrge: 3169

BeitragVerfasst am: 20.06.05, 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

Der Bank gegenber hier eine Schadensersatzpflicht wegen Falschberatung durchzusetzen drfte sehr schwierig sein.

Zunchst einmal entsprach die in 2003 vereinbarte Vertragsgestaltung dem Wunsch und Interesse des Kunden:
- Raten waren tragbar
- Zinsen waren niedrig
- Risiko der Zinserhhung war abgedeckt
- Kunde wollte Haus langfristig halten

Auch entsprach die Vertragsgestaltung der damaligen Markteinschtzung der Fachwelt:
- Zinsen waren historisch niedrig
- Allgemein wurden Zinserhhungen erwartet

Die Fhigkeit, in die Zkunft zu schauen und zu wissen, dass die Zinsen sinken und Hartz4 beschlossen werden wrde, kann von einer Bank weder geleistet noch eingefordert werden.

Zu den konkreten Punkten:
- Die Bank ist generell nicht verpflichtet, Einzelheiten Ihrer Ratingverfahren und -ergebnisse dem Kunden mitzuteilen. Abgesehen hiervon wre dies hier auch nicht hilfreich. Dass bei dieser Finanzierung das Einkommen des Kunden nur knapp reicht, war allen Beteiligten klar. Aus diesem Grund wurde ja die Tilgung geleistet und das Darlehen umgeschuldet.
- Ein Nachweis, dass die Bank davon ausging, dass die Aufgabe des Hauses whrend der Vertragslaufzeit "sehr wahrscheinlich" war, drfte nicht zu fhren sein. Zum einen, da die Raten in 2003 ja "vermeintlich tragbar" waren. Zum anderen, da die Bank bei einer derartigen EInschtzung den Vertrag ja gar nicht abgeschlossen htte.
- Eine Verpflichtung, zur Aufklrung ber das Entstehen einer Vorflligkeitsentschdigung bei vorzeitiger Vertragsauflsung ist ebenfalls sehr schwer zu konstruieren. Es besteht ja kein vertragliches Recht auf Vertragsauflsung. Von daher muss die Bank davon ausgehen, dass der Vertrag ber die volle Laufzeit eingehalten wird.

Ein Beratungsfehler lge m.E. nur dann vor, wenn der Kunde im Rahmen der Vertragsverhandlung deutlich zum Ausdruck gebracht htte (und dies auch beweisen knnte), dass eine Verkaufsabsicht besteht.

Hinweis: Dies ist meine Privatmeinung und keine Rechtsberatung.
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Karsten11
FDR-Moderator


Anmeldungsdatum: 17.06.2005
Beitrge: 3169

BeitragVerfasst am: 20.06.05, 10:25    Titel: Antworten mit Zitat

Der Bank gegenber hier eine Schadensersatzpflicht wegen Falschberatung durchzusetzen drfte sehr schwierig sein.

Zunchst einmal entsprach die in 2003 vereinbarte Vertragsgestaltung dem Wunsch und Interesse des Kunden:
- Raten waren tragbar
- Zinsen waren niedrig
- Risiko der Zinserhhung war abgedeckt
- Kunde wollte Haus langfristig halten

Auch entsprach die Vertragsgestaltung der damaligen Markteinschtzung der Fachwelt:
- Zinsen waren historisch niedrig
- Allgemein wurden Zinserhhungen erwartet

Die Fhigkeit, in die Zkunft zu schauen und zu wissen, dass die Zinsen sinken und Hartz4 beschlossen werden wrde, kann von einer Bank weder geleistet noch eingefordert werden.

Zu den konkreten Punkten:
- Die Bank ist generell nicht verpflichtet, Einzelheiten Ihrer Ratingverfahren und -ergebnisse dem Kunden mitzuteilen. Abgesehen hiervon wre dies hier auch nicht hilfreich. Dass bei dieser Finanzierung das Einkommen des Kunden nur knapp reicht, war allen Beteiligten klar. Aus diesem Grund wurde ja die Tilgung geleistet und das Darlehen umgeschuldet.
- Ein Nachweis, dass die Bank davon ausging, dass die Aufgabe des Hauses whrend der Vertragslaufzeit "sehr wahrscheinlich" war, drfte nicht zu fhren sein. Zum einen, da die Raten in 2003 ja "vermeintlich tragbar" waren. Zum anderen, da die Bank bei einer derartigen EInschtzung den Vertrag ja gar nicht abgeschlossen htte.
- Eine Verpflichtung, zur Aufklrung ber das Entstehen einer Vorflligkeitsentschdigung bei vorzeitiger Vertragsauflsung ist ebenfalls sehr schwer zu konstruieren. Es besteht ja kein vertragliches Recht auf Vertragsauflsung. Von daher muss die Bank davon ausgehen, dass der Vertrag ber die volle Laufzeit eingehalten wird.

Ein Beratungsfehler lge m.E. nur dann vor, wenn der Kunde im Rahmen der Vertragsverhandlung deutlich zum Ausdruck gebracht htte (und dies auch beweisen knnte), dass eine Verkaufsabsicht besteht.

Hinweis: Dies ist meine Privatmeinung und keine Rechtsberatung.
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Peerki
Interessierter


Anmeldungsdatum: 16.06.2005
Beitrge: 7

BeitragVerfasst am: 20.06.05, 21:43    Titel: Antworten mit Zitat

vielen Dank Karsten11!

Der Beitrag ist wirklich schlssig und nachvollziehbar. So knnte der Bank in der Tat berzeugend argumentieren und hnliches htte ich auch angenommen.

Der Beweislast i.S. Beratungsfehler drfte schwer sein und fhrt letztendlich dazu, dass die Geschftsbeziehung vergiftet wrde. Allerdings, hilft dieser Beitrag insofern, als da man genau diese Sicht der Dinge ruhig gegenber dem Kreditberater uern sollte, schon um damit einen knftigen guten Verhandlungssniveau zu suggerieren.
Die Feststellung, da es zwar fair und schn wre, wenn die Bank ber seinen Schatten springt, aber auch, da man seine Standpunkt respektiert, die gesetzl. "kann"- Rahmen voll aus zu schpfen, hilft sicherlich.
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