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Ethikunterricht in Berlin

 
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Abrazo
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Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 23.04.06, 20:43    Titel: Ethikunterricht in Berlin Antworten mit Zitat

Der Berliner Schulsenator Bger wollte das Fach Ethik/Philosophie/Religionskunde in Berlin als Wahlpflichtfach einfhren, um die Schler Mores zu lehren.

Die Mehrheit der Berliner Stadtbezirke sprach sich aber dafr aus, dieses Schulfach, kurz Ethik genannt, als Pflichtfach fr alle einzufhren, also ohne die Mglichkeit, alternativ Religionsunterricht zu whlen.

So ist es denn auch zum kommenden neuen Schuljahr geplant.

Dagegen haben nun Eltern Verfassungsklage eingereicht. Begrndung drfte sein (denn das ergibt sich aus der vorherigen Diskussion), ein alleiniges staatliches Pflichtfach, ohne die Mglichkeit als Alternative Religionsunterricht zu whlen, verstoe gegen die im Grundgesetz garantierte positive Religionsfreiheit. Also Art. 4 GG. Quasi analog: niemand darf gegen sein Gewissen zur Teilnahme am nicht-religisen Ethik-Unterricht gezwungen werden.

Ich gehe mal, so ber den groen Daumen gepeilt, davon aus, dass das durchkommt.

Wie seht Ihr das?
_________________
Gre,
Abrazo
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BeitragVerfasst am: 24.04.06, 07:12    Titel: Antworten mit Zitat

ber den Daumen gepeilt sage ich mal dass die Sache verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden ist. Ebensoweinig wie die Teilnahme am nicht-religisen Biologieunterricht (Evolution) oder Sport (Koedukation) zu beanstanden ist; der Schler hat kein Recht darauf, von schichter Wissensvermittlung verschont zu bleiben.

Um in der Gesellschaft mitreden zu knnen ist es IMO hilfreich zu wissen was (oder an was) andere denken, was sie bewegt oder verletzt (Krikaturenstreit). Und wenn bei der Vermittlung dieses Wissens nicht darauf Einfluss genommen wird WAS man glauben soll habe ich damit keinerlei Probleme...
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Abrazo
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Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 24.04.06, 09:14    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Um in der Gesellschaft mitreden zu knnen ist es IMO hilfreich zu wissen was (oder an was) andere denken, was sie bewegt oder verletzt (Krikaturenstreit). Und wenn bei der Vermittlung dieses Wissens nicht darauf Einfluss genommen wird WAS man glauben soll habe ich damit keinerlei Probleme...

Im Prinzip hast Du damit vollkommen recht.
Nur: dieser Unterricht soll - so besagen alle vorangegangenen Diskussionen - in erster Linie Werte vermitten, erst in zweiter Linie Wissen.
Und genau aus dem Grunde gehen Eltern zum Verfassungsgericht: weil sie die Mglichkeit haben wollen, dass ihre Kinder alternativ zum Ethikunterricht, also statt dessen, Unterricht in ihrer Religion erhalten und deren Werte vermittelt bekommen und berufen sich damit auf die positive Religionsfreiheit, was immer das bedeuten soll, denn so ganz klar ist mir das noch nicht.
_________________
Gre,
Abrazo
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BeitragVerfasst am: 24.04.06, 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

Oh je, ich erinnere mich dumpf an die skilarisierte Auseinandersetzung um die einfhrung von LER in Brandenburg...

Unsere querulatorischen Freunde aus der Kirchenebene wollen also wieder mal erreichen, dass ihre Sprsslinge nur einseitig ihre jeweiligen Glaubensrichtungen erfahren wollen, die Sache ist doch Anfang 2001 schonmal ausgegangen wie das Hornberger Schieen...

Die Auseinandersetzung drfte sich auch hier darauf beschrnken, ob das Land davon absehen kann, Religionskunde im Sinne eines speziellen evangelischen oder katholischen oder muslimischen Lehrplans anzubieten, also die Frage, ob Art. 7 Abs. 2 GG ein individuelles Recht erffnet.

Wann werden wir endlich eine vernnftige laizistische staatliche Ausrichtung ohne staatliche Eintreibung der Kirchensteuer u.a. erreichen??
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Abrazo
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Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 24.04.06, 10:19    Titel: Antworten mit Zitat

Auch da mahne ich zu neutraler Vorsicht: es gibt nmlich auch ne ganze Menge fundamentalistischer atheistischer Missionare, die haben im Unterricht genau so wenig was zu suchen wie religise.

Tatschlich knnte der Schuss mit dem Ethik-Unterricht auch nach hinten losgehen: die Kirchen sind nmlich eingeladen, an der Gestaltung mitzuwirken. Und das kann durchaus im Sinne von Ministerin von der Leyen ausgehen: das christliche Abendland soll christliche Werte lehren.

Also, Ethik/Religion als Wahlpflichtfcher scheint mir da die sauberere Lsung zu sein.

Zitat:
also die Frage, ob Art. 7 Abs. 2 GG ein individuelles Recht erffnet

Gute Frage.

Nchste Frage: was ist mit "bekenntnisfreie Schule" gemeint?
_________________
Gre,
Abrazo
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omnerritas
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Anmeldungsdatum: 08.11.2005
Beitrge: 428
Wohnort: Wiesbaden

BeitragVerfasst am: 25.04.06, 08:50    Titel: Antworten mit Zitat

Abrazo hat folgendes geschrieben::
Auch da mahne ich zu neutraler Vorsicht: es gibt nmlich auch ne ganze Menge fundamentalistischer atheistischer Missionare, die haben im Unterricht genau so wenig was zu suchen wie religise.


Da muss ich zustimmen. Missionierung hat in der Schule nichts verloren, es drfte jedoch einen Drahtseilakt gleichkommen, zu seinen eigenen berzeugungen zu stehen, verschiedene Mglichkeiten darzustellen und dem Schler jede Wahlmglichkeit offen zu halten ohne missionierende einzuwirken. Missioniere ich nicht alleine dadurch, dass ich mich einer Diskussion stelle oder beginnt dies erst, wenn ich konkret versuche auf die Vorstellung eines Menschen einzuwirken? Wirke ich nicht schon dadurch konkret auf die Vorstellung eines Menschen ein, indem ich mich einer Diskussion stelle und mit Argumenten versuche meinen Standpunkt darzulegen?

Abrazo hat folgendes geschrieben::

Tatschlich knnte der Schuss mit dem Ethik-Unterricht auch nach hinten losgehen: die Kirchen sind nmlich eingeladen, an der Gestaltung mitzuwirken. Und das kann durchaus im Sinne von Ministerin von der Leyen ausgehen: das christliche Abendland soll christliche Werte lehren.


Knnte passieren aber sind die vermeintlichen christlichen Grundwerte nicht eigentlich Werte die viele Religionen und Weltanschauungen als Basis eines zivilisierten, menschlichen Zusammenlebens entwickelt haben. Wren diese Grundwerte, die wir aus unserer christlich geprgten Gesellschaft heraus entwickelt haben nicht identisch mit den Grundwerten, welche auch Juden, Moslems und Buddhisten entwickelt haben und sind nicht diese Grundwerte, der kleinste gemeinsame Nenner, den wir Ethik nennen mssten? Oder verstehe ich den Wesensgehalt des Begriffes falsch (ernsthaft mal nachgefragt)?

Abrazo hat folgendes geschrieben::

Also, Ethik/Religion als Wahlpflichtfcher scheint mir da die sauberere Lsung zu sein.


Ich sehe es eigentlich anders, ich halte Ethik fr ein fundamentales Element das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen, Weltanschauungen, Religionen, Wertevorstellungen reibungsloser funktionieren zu lassen (so zumindest meine Wunschvorstellung).
Ich sehe Ethik, egal aus welcher Wurzel stammend, als das Grundgerst auf dem z.B. Religionen aufbauen oder aufbauen sollten. Von daher ist Ethik m.E. nach der elementare Baustein der in jedem Falle vermittelt werden sollte und sollte Pflichtfach werden.
Religion knnte darber hinaus als Wahlfach angeboten werden, dagegen habe ich sicherlich nichts aber ich erinnere mich noch an meinen katholischen Religionsunterricht und andere Religionen, eine Auseinandersetzung mit anderen Wertevorstellungen hat nicht stattgefunden und das luft meiner bescheidenen Meinung dem Gedanken des Ethikunterricht zuwider.
Ich wrde mir also Ethik als Pflichtfach wnschen und Religion/Religionskunde in welcher Form auch immer als freiwilliges Wahlfach.
Ich denke die Positionen liegen aber eigentlich nicht so weit auseinander, denn der Grundgedanke ist doch, dass man zu der Meinung kommt, dass Schule nicht nur Wissen, sondern auch Werte vermitteln muss oder sollte.

Abrazo hat folgendes geschrieben::

Nchste Frage: was ist mit "bekenntnisfreie Schule" gemeint?


Ich habe frher immer gedacht, damit sind staatliche oder private Schulen gemeint, deren Trger keine Kirche ist und welche den Religionsunterricht nicht verpflichtend vorschreiben aber nachdem ich ein bichen gegoogelt habe bin ich mir da gar nicht mehr sicher. Verlegen
Vielleicht haut uns ja auch noch jemand die richtige Definition um die Ohren Winken

Lieben Gru

Ren
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Abrazo
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Anmeldungsdatum: 30.05.2005
Beitrge: 5941
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 25.04.06, 09:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hi, omnerritas,

ganz kurz - denn ich muss weg:

Bekenntnisfreie Schulen, hab ich jetzt heraus gefunden, sind explizit areligise Schulen, also ebenso weltanschaulich gebunden wir religise Schulen. Weil sie das sind, brauchen sie auch keinen Religionsunterricht anzubieten, im Gegensatz zu ffentlichen Schulen.

Die Befrchtung scheint zu bestehen, dass die bekenntnisfreie Schule in Berlin zur Regelschule gemacht werden soll, was sicherlich nicht verfassungsgem ist.

In Sachen Ethik stimme ich Dir grundstzlich zu; Problem: daran wird noch gearbeitet. Und so lange eine allgemeingltige Ethik nicht in Stze formulierbar ist, wird, frchte ich, wertorientierter Unterricht (das muss man scharf von wissensvermittelndem Unterricht trennen) nicht ohne weltanschaulichen Hintergrund erteilen knnen. Dann gilt nun mal, dass niemand sich die Lehren einer fremden Weltanschauung aufzwingen lassen muss.

Interessant dazu brigens der Vermittlungsvorschlag des BVG zum hnlichen Problem in Brandenburg:

http://www.oefre.unibe.ch/law/dfr/bv104305.html

Ich selbst wrde lieber einen anderen Vorschlag machen: Recht und Staatsbrgerschaftskunde als Pflichtfach fr alle. Basis sind unsere Normen, die in unserer Gesellschaft gelten; mit welchem Recht braucht man da nicht lange zu hinterfragen. Und die ersten Grundgesetzartikel bieten gengend Diskussionsstoff ber Werte, ohne dass man sich auf Weltanschauungsfragen einlassen muss. Da kann jeder seine eigene gleichberechtigt einbringen. Da die Basis aber unser Recht ist, das fr alle gilt, kann keine Religion und keine Weltanschauung sich beschweren, ihr wrde eine fremde Anschauung zwangsweise aufs Auge gedrckt.

Beispiel: fundamentalistische Evangelikale halten Homosexualitt fr eine schwere Snde, gegen die man unbedingt vorgehen muss. Kommen dabei schon mal zu uerungen, die klar rechtswidrig sind. Muss man in einem neutralen Unterricht sich mit solchen Glaubensfragen befassen? N. Kann man sagen, rechtswidrig, weil - siehe StGB und begrndet durch - siehe Ableitung aus GG.

Wenn dat dir nich passt, es dat ejal, dat gilt et hier. Basta.
_________________
Gre,
Abrazo
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0Klaus
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Anmeldungsdatum: 30.12.2004
Beitrge: 2595

BeitragVerfasst am: 25.04.06, 18:09    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich selbst wrde lieber einen anderen Vorschlag machen: Recht und Staatsbrgerschaftskunde als Pflichtfach fr alle. Basis sind unsere Normen, die in unserer Gesellschaft gelten; mit welchem Recht braucht man da nicht lange zu hinterfragen. Und die ersten Grundgesetzartikel bieten gengend Diskussionsstoff ber Werte, ohne dass man sich auf Weltanschauungsfragen einlassen muss. Da kann jeder seine eigene gleichberechtigt einbringen. Da die Basis aber unser Recht ist, das fr alle gilt, kann keine Religion und keine Weltanschauung sich beschweren, ihr wrde eine fremde Anschauung zwangsweise aufs Auge gedrckt.


Der Vorschlag ist super.

Die meisten Fragesteller wissen nicht mal, dass ein Vertrag auch mndlich geschlossen werden kann. Hier fehlt eine groe Menge an rechtlichem Hintergrundwissen.

Religionskunde kann im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften auf freiwilliger Basis unterrichtet werden.

Falls jemand der Lehrplan fr Ethik interessiert (Mittelschule, Freistaat Sachsen):

http://www.sn.schule.de/~ci/download/lp_ms_ethik.pdf

Dabei kann man sich fragen, ob die Themen berhaupt so "lebensnotwendig" ist (jedenfalls wichtiger als richtig schreiben zu knnen):

Technik - Segen oder Fluch
Menschen und Natur
usw.
_________________
mfg
Klaus
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