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Kartenverkauf im Zug = Schwarzfahren?

 
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Der Magoo
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 25.08.2008
Beitrge: 22

BeitragVerfasst am: 25.08.08, 07:55    Titel: Kartenverkauf im Zug = Schwarzfahren? Antworten mit Zitat

Hallo,
Zunchst erstmal Hallo an Alle. Es ist toll, dass es so interessante Foren wie dieses gibt!

Also zum Fall:

Ich fahre regelmig mit dem Zug. An einem Bahnhof muss ich umsteigen. Durch regelmige Versptung bleiben mir hchstens (mit Glck) 1-2 Minuten, um das Gleis zu wechseln und in den anderen Zug (eine S-Bahn) einzusteigen. Da dieser Zug ber den Verkehrsverbund meiner gltigen Monatskarte hinwegfhrt, muss ich fr ca. 3 Euro noch ein Ticket nachlsen.

Es ist mir jedoch aufgrund der enormen Versptung meines Ankunftzuges absolut unmglich, eine neue Karte am Bahnhof zu kaufen und den Anschlusszugnoch zu erwischen, zumal sich die Bahnautomaten am Haupteingang des Bahnhofes befinden und der Zug am vorletzten Gleis abfhrt!

Also gehe ich zum Zugfhrer und bitte ihn, eine Karte fr mich nachzulsen. Er entgegnet mir frech "Sobald die Tren zuschlagen, sind 40 fllig".. Wutschnaubend also wieder raus, und 2 Stunden aufm Bahnhof in der Klte gestanden.

Ich verstehe gut, dass das Verkehrsunternehmen Hrte gegenber Schwarzfahren zeigt.

Aber angenommen ich wre trotzig sitzen geblieben und htte mich gegen die Zahlung von 40 verweigert, da ich

1. aufgrund der Versptung des ersten Zuges berhaupt nicht in der Lage war, ein Ticket regulr zu kaufen und
2. Ich meinen Willen zum Kauf eines Tickets vor Fahrtantritt kund getan habe?

Wie sieht hier die rechtliche Lage aus? Ich danke fr Eure Antworten Smilie
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Adel ist auch in der sittlichen Welt.
Gemeine Naturen zahlen mit dem was sie tun,
edle mit dem was sie sind.
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Versicherungsmensch
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Anmeldungsdatum: 10.04.2007
Beitrge: 2919
Wohnort: Stadt mit Abtei an einem Fluss

BeitragVerfasst am: 25.08.08, 08:44    Titel: Antworten mit Zitat

Die Frage ist interessant, hatte so einen hnlichen Fall auch schon (Jahre her).

Abgesehen davon, dass ich hier keine rechtliche Lage kenne: Wre es nicht mglich fr den anderen Verkehrsverbund auch eine Monatskarte im Vorfeld zu besorgen? Da wre einiges an Stress vom Tisch.
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Ich kann lnger nicht rauchen als ein Nichtraucher rauchen. Ich bin somit der mental Strkere. (Horst Evers)
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Linus Cornell
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 17.01.2005
Beitrge: 493
Wohnort: im hohen Norden

BeitragVerfasst am: 25.08.08, 09:00    Titel: Antworten mit Zitat

die Frage ist natrlich, ob der Verkehrsverbund das Nachlsen von Tickets im Zug in seinen Befrderungsbedingungen zulsst. Soweit ich wei ist das nicht bei allen mglich, zumal die Zugbegleiter die entsprechende Hardware nicht dabei haben.
Wie soll Ihnen der Schaffner eine Karte verkaufen, wenn er das technisch gar nicht kann?
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Hogwarts
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 01.01.2005
Beitrge: 899
Wohnort: Lummerland

BeitragVerfasst am: 25.08.08, 09:21    Titel: Antworten mit Zitat

In den AGBs vieler Verkehrsbetriebe steht, dass das betreten der Zge nur mit gltiger Fahrkarte erlaubt ist. Es gibt zwar eine Ausnahme, wenn der Fahrkartenautomat defekt ist.
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Die Kunst der Personalfhrung ist es, den Mitarbeiter so ber den Tisch zu ziehen, dass er die Reibungshitze als Nestwrme empfindet.
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Der Magoo
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 25.08.2008
Beitrge: 22

BeitragVerfasst am: 25.08.08, 09:38    Titel: Antworten mit Zitat

Ja die Schaffner haben die Mglichkeit ein Ticket zu verkaufen.
Allerdings sollen sie das (neuerdings) nicht mehr tun, da somit ja Schwarzfahrer eine prima Ausrede parat htten und damit der "Kaufzwang" von Karten soz. abgeschwcht wird.

Allerdings kann doch keine Rede vom versuchten Schwarzfahren sein, wenn ich VOR Fahrtantritt (also bevor der Zug losfhrt) den Schaffner aufsuche und ihn direkt darauf anspreche..

Der Gedanke von Alternativen, z.B. weitere Monatskarte fr diesen Verbund usw. sind ja nebenschlich. Es geht mir um die rein rechtlichen Aspekte..

Htten diese Tatsachen rechtliche Relevanz? Ist damit die Strafzahlung von 40 eventuell anfechtbar, bzw. unbegrndet? Wie sieht hier die rechtliche Situation aus?
Danke fr Eure Hinweise Smilie
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Susanne
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 18.10.2004
Beitrge: 2078
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 26.08.08, 11:52    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn der bergangstarif nicht im Zug oder im Vorfeld zu lsen ist, ist das korrekte Verhalten:
erst Karte ziehen und dann den nchsten Zug nehmen! Ohne gltiges Ticket besteht kein Anspruch auf Befrderung bzw. ist das erhhte Befrderungsentgelt zu entrichten. Das hat der Schaffner leider nicht schn, aber zutreffend gesagt. Die Information, ob die Mglichkeit besteht, im Zug ein Ticket zu lsen muss vorab eingeholt werden. (Befrderungsbedingungen)

Der Begriff "Anschlusszug" ist in diesem Zusammenhang Ihre ganz persnliche Definition.
Mit der Information "Sie haben hier (Station) Anschlu an den Zug nach xy" ist nie eine bestimmte Zeit festgelegt. So wre auch ein Zug, der 50 Minuten spter in die gleiche Richtung fhrt, auch ein Anschluzug.
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Gre
Susanne


Das Gute gehrt in die Mitte sprach der Teufel und setzte sich zwischen die Anwlte [Shakespeare (Heinrich IV, 6. Akt)]
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Der Magoo
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 25.08.2008
Beitrge: 22

BeitragVerfasst am: 28.08.08, 11:12    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank. das klingt einleuchtend. Es ist zwar moralisch eine Frechheit, da es sich ja um ein Dienstleistungsunternehmen handelt und ich mich als Kunde ziemlich unfair behandelt fhle.


Aber ich habe noch eine Frage zu einem aktuell geschehenen Ereignis in gleicher Sache, trotz dass es sich unglaubwrdig anhrt.

Eine Frau betrat den noch stehenden Zug an einem Bahnhof, eilte zu einem Schaffner nahe der Tren, der sich kurz mit einem anderen Mitarbeiter unterhielt. Sie fragte ihn nach dem Kauf eines Tickets und tippte ihm auf die Schulter. Der Schaffner ignorierte das.
Die Frau wurde eindringlicher und sprach laut und deutlich auf den Schaffner ein. Dieser reagierte, der Frau den Rcken zugekehrt, darauf nicht.
Alsbald schlossen sich die Tren, der Zug fuhr stotternd an. Pltzlich drehte sich der Schaffner um und sagte salopp "Nun sind 40 Euro fllig".

Wie sieht in dieser Situation der Sachverhalt aus?
Oder anders gefragt. Ist in ausnahmslos jedem Falle ein Betreten des Zuges ohne Ticket als Schwarzfahren zu betrachten, ganz gleich zu welchen Umstnden?

Ich hoffe, dass ich hier keine Forenregeln damit verletze. Aber wie sieht hier die gesetzliche Lage aus?
Ich danke fr ntzliche Hinweise!
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Susanne
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 18.10.2004
Beitrge: 2078
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 28.08.08, 17:13    Titel: Antworten mit Zitat

in den AGB der DB findet sich folgender Passus:

"in entsprechend gekennzeichneten Zgen findet
kein Verkauf von Fahrkarten statt."

Demnach ist dieser Zug wohl gekennzeichnet, darauf wre mal zu achten.
Wenn das Personal allerdings davon ableitet, deshalb nicht mehr auskunftspflichtig zu sein, ist die Stelle fehlbesetzt. Ein Unternehmen kann sich meiner Meinung nach keine Mitarbeiter leisten, die die Kunden als Strung empfinden.
Rein rechtlich mag ein Anspruch auf ein erhhtes Befrderungsentgelt entstehen, moralisch absolut zweifelhaft.

Ich wrde: anstandslos bezahlen, alle Zeugen zum Vorfall notieren, den Mitarbeiter nach seiner Dienstnummer fragen (Namen muss er nicht nennen) Zugnummer, Wagennummer, Einsteigebahnhof und Uhrzeit notieren.
Sollte sich die Beschwerdestelle der Bahn nicht umgehend auf eine schriftliche Beschwerde dazu melden, wrde ich mich an die Medien wenden.
_________________
Gre
Susanne


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FM
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Anmeldungsdatum: 05.12.2004
Beitrge: 7320

BeitragVerfasst am: 28.08.08, 17:30    Titel: Antworten mit Zitat

Es drfte schon deshalb kein "Anschlusszug" sein, weil es zwei verschiedene Befrderungsvertrge sind, einmal mit dem Verkehrsverbund und das andere mal mit der Bahngesellschaft.

Im brigen gibt es fr solche Flle besondere Bestimmungen wie z.B. die

"Ausfhrungsbestimmungen des Deutschen Eisenbahn-Personen- und Gepcktarifs fr den VGN (VGN-Tarif) ber Fahrten von und nach auerhalb des VGN-Tarifgebietes"

- mte es wohl fr jeden Verbund an dem die Bahn beteiligt ist gesondert geben. Wenn ich mich recht entsinne, hngt das an den Bahnhfen aus.
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Nordland
FDR-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 20.08.2005
Beitrge: 298

BeitragVerfasst am: 28.08.08, 20:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Magoo,

Der Magoo hat folgendes geschrieben::
Wie sieht in dieser Situation der Sachverhalt aus?
Oder anders gefragt. Ist in ausnahmslos jedem Falle ein Betreten des Zuges ohne Ticket als Schwarzfahren zu betrachten, ganz gleich zu welchen Umstnden?


9 EVO:

(1) Wenn der Tarif nichts anderes bestimmt, mu der Reisende bei Antritt der Reise mit einem Fahrausweis versehen sein.
(2) Der Anspruch auf Ausgabe eines Fahrausweises erlischt fnf Minuten vor Abfahrt des Zuges.
(3) Der Reisende ist verpflichtet, ...
d)bei der Prfung der Fahrausweise unaufgefordert dem Kontrollpersonal zu melden, da vor Antritt der Reise ein gltiger Fahrausweis nicht gelst werden konnte, weil ein Fahrkartenschalter oder Fahrkartenautomat nicht vorhanden, nicht geffnet oder nicht betriebsbereit war.


12 EVO:

(1) Der Reisende ist zur Zahlung eines erhhten Fahrpreises verpflichtet, wenn er
a)bei Antritt der Reise nicht mit einem gltigen Fahrausweis versehen ist...


Aufgrund der von mir fett markierten Passagen ist die Rechtslage eigentlich eindeutig. Wer erst so spt zum Bahnhof kommt, dass er ohne Ticket in den Zug steigt, kann zur Zahlung des erhhten Fahrpreises verpflichtet sein. Es sind eben nicht mehr alle Zge begleitet.

Bei deiner Fallbeschreibung liegt allerdings eine kleine Besonderheit vor. Die Kundin hatte sich vor Abfahrt beim Zugbegleiter gemeldet. Htte er sie darauf hingewiesen, dass kein Fahrscheinverkauf im Zug mglich ist, htte die Frau noch aussteigen, sich einen Fahrschein besorgen und den nchsten Zug nehmen knnen. Ich wrde mich hier auf Treu und Glauben und die damit verbundene Schadenminderungspflicht berufen. Ob dies vor Gericht Erfolg htte, kann ich nicht einschtzen.

Viele Gre
Nordland
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Freier Brger? Nein, Fuballfan!
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Der Magoo
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 25.08.2008
Beitrge: 22

BeitragVerfasst am: 29.08.08, 09:08    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank, Nordland, fr diese ausfhrliche Erklrung. Nun bin ich wesentlich schlauer Smilie
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Paddy82
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 09.06.2008
Beitrge: 785
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 28.10.08, 15:12    Titel: Antworten mit Zitat

Susanne hat folgendes geschrieben::
Ein Unternehmen kann sich meiner Meinung nach keine Mitarbeiter leisten, die die Kunden als Strung empfinden.

Unter vielen DB-Mitarbeitern wird schon lange nicht mehr von "Kunden", sondern von "Befrderungsfllen" gesprochen Mit den Augen rollen
_________________
Das wichtigste ist, wenn ich sterbe:
Begrabt mich in Hamburger Erde.
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Susanne
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 18.10.2004
Beitrge: 2078
Wohnort: Kln

BeitragVerfasst am: 02.11.08, 12:22    Titel: Antworten mit Zitat

Der Befrderungsfall ist eine feste Gre bei Statistiken.
Selbstverstndlich heisst es ansonsten Reisende oder Kunden.
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Gre
Susanne


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