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Richtiges Vorgehen in finanziellen Dingen

 
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Sarah Kay
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Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beitrge: 4

BeitragVerfasst am: 07.12.08, 22:33    Titel: Richtiges Vorgehen in finanziellen Dingen Antworten mit Zitat

Liebe Damen und Herren,

ich bin eine noch rstige Rentnerin (Witwe) von 70 Jahren und habe eine liebe Tochter, mit der ich mich immer gut verstandenen habe und der ich voll und ganz vertraue.
Meine Tochter hat seit Jahren eine notariell beurkundete Altersvorsorgevollmacht, in der alle Dinge ausfhrlich geregelt sind, vor allem auch die finanziellen.
Bisher regle ich meine finanziellen Dinge aber noch vollstndig allein und hole auch meine Rente von der Bank. Trotzdem hat die Bank bereits jetzt eine Ausfertigung dieser notariellen Vollmacht, falls mal etwas passiert, da meine Tochter sofort handeln kann.

Nun sagte mir meine Tochter, wenn ich mein Bargeld mal nicht mehr allein von der Bank abholen kann, da ich ihr jeden Monat den Betrag quittieren mu, den sie fr mich abholt, damit sie keinen rger bekommt, falls ich doch mal eine Betreuer bekomme. Sie sagte, auch eine notarielle Vollmacht kann mir nicht garantieren, da ich vor einem gesetzlichen Betreuer sicher bin. Sie sagte weiter, da ein solcher Betreuer sie dann zwingen knnte, Rechenschaft darber abzulegen, wann ich Geld bekommen habe und wieviel, und sie knne das nur beweisen, indem sie von mir unterschriebene Quittungen darber vorlegen kann. Ich kann das gar nicht glauben, denn sie hat doch eine Vollmacht, die sie frei handeln lt. Aber sie wrde mir das nciht sagen, wenn es nicht so wre.

Meine Frage ist nun, was knnte ich bereits jetzt schriftlich aufsetzen, da ich eben gerade nicht will, da jemand in meinen Finanzen herumwhlt und von meiner Tochter Quittungen fordert? Meiner eigenen Tochter Quittungen unterschreiben zu mssen und sie damit wie eine Fremde zu behandeln, das kommt auf keinen Fall in Frage. Und wenn ich das schon vorher entsprechend schriftlich formulieren kann, dann kann doch ein Betreuer sie nicht im Nachhinein dazu zwingen, oder?

Was also kann ich tun, um rechtzeitig kundzutun, also solange ich nachweislich und unanfechtbar geistig vollkommen klar bin, da ich eine Kontrolle meiner Tochter und meiner Finanzen eindeutig nicht wnsche?

Ich bedanke mich fr das Lesen meiner Frage und fr konstruktive Hilfe.

Mit freundlichen Gren
Sarah Kay
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Rena Hermann
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beitrge: 2886

BeitragVerfasst am: 07.12.08, 23:42    Titel: Re: Richtiges Vorgehen in finanziellen Dingen Antworten mit Zitat

Vorweg geschickt ... ich bin Rechtslaie. Insofern folgendes eher "aus dem Leben gegriffen" und ein klein wenig aus Betroffenensicht als (allerdings ehrenamtliche) Betreuerin:
Sarah Kay hat folgendes geschrieben::
ich bin eine noch rstige Rentnerin (Witwe) von 70 Jahren und habe eine liebe Tochter, mit der ich mich immer gut verstandenen habe und der ich voll und ganz vertraue.

Wenn dem so ist, spricht meines Wissens nichts dagegen, dass - sollte der Fall eintreten - die Tochter auch die Betreuung bernehmen kann. Meines Wissens ist eine ehrenamtliche Betreuung durch Familienangehrige, denen der (zuknftig) Betreute vertraut, sogar die erste Wahl, vor Berufsbetreuern.
Zitat:
Meine Tochter hat seit Jahren eine notariell beurkundete Altersvorsorgevollmacht, in der alle Dinge ausfhrlich geregelt sind, vor allem auch die finanziellen.
Bisher regle ich meine finanziellen Dinge aber noch vollstndig allein und hole auch meine Rente von der Bank. Trotzdem hat die Bank bereits jetzt eine Ausfertigung dieser notariellen Vollmacht, falls mal etwas passiert, da meine Tochter sofort handeln kann.

Das ist schn, dass Sie sich so vertrauen. Sollte im Familienkreis die Regel sein, ist aber leider nicht immer so. Und fr letzteren Fall sind eigentlich die Gesetze gemacht. Wrde in jeder Familie und darber hinaus jeder im Sinne des anderen handeln, bruchte man eigentlich gar kein Betreuungsgesetz. Winken
Zitat:
Nun sagte mir meine Tochter, wenn ich mein Bargeld mal nicht mehr allein von der Bank abholen kann, da ich ihr jeden Monat den Betrag quittieren mu, den sie fr mich abholt, damit sie keinen rger bekommt, falls ich doch mal eine Betreuer bekomme. Sie sagte, auch eine notarielle Vollmacht kann mir nicht garantieren, da ich vor einem gesetzlichen Betreuer sicher bin. Sie sagte weiter, da ein solcher Betreuer sie dann zwingen knnte, Rechenschaft darber abzulegen, wann ich Geld bekommen habe und wieviel, und sie knne das nur beweisen, indem sie von mir unterschriebene Quittungen darber vorlegen kann. Ich kann das gar nicht glauben, denn sie hat doch eine Vollmacht, die sie frei handeln lt. Aber sie wrde mir das nciht sagen, wenn es nicht so wre.

Das ist ein ziemlich schwarz gemaltes Szenario (zumindest aus Sicht der ehrenamtlichen Betreuung) aber es _knnte_ rein theoretisch so vorkommen, wenn irgendwann mal eine Betreuung bestehen sollte. Dann knnte sich der Betreuer (oder das Vormundschaftsgericht, dem ein Berufsbetreuer Rechnung legen muss) durchaus fragen, was mit dem Geld geschieht, das die Tochter vom Konto der Betreuten abhebt und sollte es auch. Rein theoretisch knnte er meines Wissens die Vollmacht auch widerrufen. Wird er aber in der Regel nicht tun, wenn er den Eindruck hat, dass die Tochter fr und nicht gegen seine Mandantin handelt. Dennoch muss er sich natrlich ggf. absichern, denn er haftet ja auch in gewissem Sinne fr seine Ttigkeit.

Aber vielleicht zum Hintergrund: Kontrollen geschehen normalerweise nicht um das Umfeld zu rgern, sondern um die zu betreuende Person zu schtzen. Winken
Das scheint in Ihrer Familie nach Ihren Aussagen nicht notwendig/problematisch zu sein, weil Sie sich gegenseitig vertrauen und das Vertrauen auch gerechtfertigt zu sein scheint. Doch leider ist es in manchen Familien, in denen Angehrige Zugriff auf Vermgen eines Familienmitglieds haben, das eventuell nicht mehr in der Lage ist, seine finanziellen Dinge alleine zu regeln, eben manchmal nicht so. Schwarze Schafe gibt es eben immer mal wieder, auf jeder Seite und in verschiedener Gestalt, leider.
Zitat:
Meine Frage ist nun, was knnte ich bereits jetzt schriftlich aufsetzen, da ich eben gerade nicht will, da jemand in meinen Finanzen herumwhlt
Hhhmm - wenn eine Betreuung in finanziellen Dingen notwendig wird, drfte es unumgnglich sein, dass der Betreuer auch einen vollumfnglichen berblick ber die Finanzen hat und ggf. auch entsprechend (eben im Sinne des Betreuten, wie es die Aufgabe der Betreuung ist) kontrolliert.
Zitat:
und von meiner Tochter Quittungen fordert?

Wie schon gesagt - nicht in jeder Familie geht es so vertrauensvoll zu, wie in Ihrer. Das kann ein eventuell externer Betreuer aber nicht riechen und ist sogar gesetzlich dazu verpflichtet, ber die Vermgensverhltnisse seines Mandanten Rechenschaft gegenber der Behrde, die die Betreuung beschlossen hat, abzulegen.
Zitat:
Meiner eigenen Tochter Quittungen unterschreiben zu mssen und sie damit wie eine Fremde zu behandeln, das kommt auf keinen Fall in Frage.

Das kann ich auf der einen Seite gut verstehen, weil das wider jeden eigenen Vertrauens geht.
Andererseits knnte ich mir durchaus auch vorstellen, dass Ihre Tochter - im Gegensatz zu Ihnen, was verstndlich ist - mglicherweise gar kein Problem damit htte. Smilie
Wrde mir zumindest so gehen, wenn ich fr meine Mutter Geld abheben wrde und jemand anderes (-> Betreuer z.B.) darber Rechenschaft ablegen msste. Na dann kritzel ich eben meinen Namen auf den entsprechenden Zettel und wrde es nie im Leben als eine Art Kontrolle _durch_ meine Mutter empfinden. Wre dann eben so und ob ich das abgehobene Geld mit oder ohne Unterschrift bei Mutti abliefere, wr ja egal, zumindest fr mich. Winken
Zitat:
Und wenn ich das schon vorher entsprechend schriftlich formulieren kann, dann kann doch ein Betreuer sie nicht im Nachhinein dazu zwingen, oder?

Ich wei es nicht genau, aber meines Wissens greifen die Befugnisse eines Betreuers erst ab dem Termin der Betreuung. Es sei denn, er findet Verdachtsmomente z.B. hinsichtlich Unterschlagungen. Dann kann er - abhngig vom Betreuungsumfang - auch diesbezglich fr die betreute Person ttig werden. Eben so, wie sie es selbst tun knnte, falls jemand Gelder, die offensichtlich anderweitig bestimmt sind/waren, unterschlagen htte.
Zitat:
Was also kann ich tun, um rechtzeitig kundzutun, also solange ich nachweislich und unanfechtbar geistig vollkommen klar bin, da ich eine Kontrolle meiner Tochter und meiner Finanzen eindeutig nicht wnsche?

Mglicherweise knnte man in einem Schriftstck z.B. die Tochter als gesetzliche Betreuerin vorschlagen fr den Fall, dass man seine Angelegenheiten nicht mehr alleine regeln und zum Zeitpunkt der Betreuerbestellung sich auch nicht mehr diesbezglich uern kann? Dann htten sich alle Befrchtungen auf einen Schlag erledigt, denn es bleibt "in der Familie" und meines Wissens gilt auch, dass sich Vormundschaftsgerichte an die Wnsche des Betreuten, was die Betreuung betrifft, halten sollen (mssen?) sofern nichts Objektives dagegen spricht.

Liebe Gre
Rena

PS: Vielleicht generell nochmal - ich kann verstehen, dass eine vielleicht irgendwann in Zukunft anstehende Betreuung wie ein Schreckgespenst erscheint. Auch und vielleicht gerade, wenn ein mglicherweise zuknftig Betroffener nicht nur an sich selbst denkt sondern auch an sein persnliches Umfeld, so wie Sie es tun. Und klar gibt es immer wieder mal Flle, die "daneben gehen", und nur die gehen dann durch die Medien oder so. Die mehrheitlichen, die gut laufen, weil jeder im Sinne des anderen handelt, tauchen dort nie auf. Auf den Arm nehmen
Aber wenn die Familienstrukturen intakt sind, und das sind sie ja nach Ihren Aussagen, luft das i.d.R. alles recht problemlos. So zumindest meine Erfahrung als (wie gesagt selbst) ehrenamtliche Betreuerin eines Familienmitglieds (nicht Mutti). Smilie
_________________
The angels have the phone box
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Sarah Kay
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Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beitrge: 4

BeitragVerfasst am: 08.12.08, 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Frau Rena, liebe Forumsleser-/innen,

vielen Dank erst einmal fr Ihre Antwort, die mir aber leider nicht wirklich weiterhilft.
Ich dachte eher daran, etwas Schriftliches aufzusetzen, was meine Tochter dann spter entlasten kann. Vielleicht htte ich noch erwhnen sollen, da wir (also meine Tochter, mein Schwiergersohn und ich) schon seit einigen Jahren gemeinsam in einem Haushalt leben.
Also, ich wollte etwa folgendes schreiben.

"Ich, Xxxxxx Yyyyyy, wohnhaft in 12345 Hasemuckel, im Vollbesitz meiner geistigen Krfte, wnsche fr einen unbestimmten zuknftigen Zeitpunkt das Folgende zur Kenntnis zu geben:
Wenn ich meine Finanzen selbst nicht mehr regeln kann, insbesondere nicht mehr mein Bargeld selbst von der Bank holen kann, soll dies meine einzige Tochter, Frau Aaaaa Bbbbbb, wohnhaft wie oben, fr mich tun.
Da ich meiner Tochter voll und ganz vertraue, bin ich nicht bereit, fr eventuelle nachforschende Dritte meiner Tochter Quittungen ber empfangene Betrge zu geben, als ob auch sie eine Fremde wre. Ich wnsche nicht, da meine Tochter von Dritten kontrolliert wird, diesen Ausknfte ber meine Finanzen gibt oder sich fr Ausgaben oder Kontoabhebungen rechtfertigen mu.
Insbesondere dadurch, da wir in einem gemeinsamen Haushalt leben, soll meine Tochter auch spter fr Kosten, die fr mich und meine Wnsche und Bedrfnisse entstehen, Gelder von meinen Konten nehmen knnen. Auch fr den Fall, da ich mal in ein Pflegeheim mu, soll meine Tochter alle Finanzen allein und ohne jedwede Kontrolle erledigen knnen.
Ich bin mir darber bewut, da fr den Fall, da ich einen fremden Betreuer bekommen sollte, weil ein Gericht dies auch gegen meinen Willen und trotz vorliegender Vollmacht so verfgt, meine hier geuerten Wnsche mglicherweise nur fr die Vergangenheit durchgesetzt werden knnen.

Datum, Unterschrift"

Kann ich damit rechnen, da dies von einem Gericht zumindest bis zum Zeitpunkt gerichtlichen Einschreitens akzeptiert werden MUSS, oder knnte man meiner Tochter trotzdem rger machen und sie zwingen, Nachweise fr Ausgaben zu erbringen?

Danke frs Lesen und fr Antworten
Sarah Kay
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pOtH
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 07.03.2006
Beitrge: 3729
Wohnort: Ober-Ramstadt | Das Tor zum Odenwald

BeitragVerfasst am: 08.12.08, 23:00    Titel: Antworten mit Zitat

fr dinge die vor der bestellung eines betreuers passieren wird sich eig. niemand interressieren, schwieriger wird die sache wenn der betreuer den aufgabenkreis vermgenssorge hat da dieser dann "den hintern dafr hinhlt".
es geht dabei weniger darum ihnen/ihrer tochter etwas zu unterstellen - vielmehr darum das mit ihrem vermgen "gehaushaltet" werden muss. sie knnen sehr wohl bestimmen wer was wie zu machen hat, sofern vermgen da ist (um verbindlichkeiten wie heimvertrge etc.einzuhalten) knnen sie sogar ihr geld verschenken - auch ein betreuer muss diesem folge leisten. wichtig ist nur das ein gericht bereits vor der bestellung eines betreuers davon wei - papier ist geduldig sofern es einmal beschrieben wurde.

das bundes ministerium fr justiz hat eine infobroschre fr das betreuungsrecht herausgegeben, hier werden die themen zwar nur angerissen aber dennoch mehr als nur informativ. desweiteren sind dort betreuungsverfgungen, patientenverfgungen etc pp. zu finden!
http://www.bmj.bund.de/enid/80a077a3cced13ac0f26a6c9e8070361,0/Publikationen/Betreuungsrecht_kh.html

Zitat:
Wer ein Schriftstck besitzt, in dem jemand fr den Fall seiner Betreuung Vorschlge zur Auswahl des Betreuers oder Wnsche zur Wahrnehmung der Betreuung geuert hat, hat es unverzglich an das Vormundschaftsgericht abzuliefern, nachdem er von der Einleitung eines Verfahrens ber die Bestellung eines Betreuers Kenntnis erlangt hat.

http://dejure.org/gesetze/BGB/1901a.html
Zitat:
(3)Der Betreuer hat Wnschen des Betreuten zu entsprechen, soweit dies dessen Wohl nicht zuwiderluft und dem Betreuer zuzumuten ist. Dies gilt auch fr Wnsche, die der Betreute vor der Bestellung des Betreuers geuert hat, es sei denn, dass er an diesen Wnschen erkennbar nicht festhalten will. Ehe der Betreuer wichtige Angelegenheiten erledigt, bespricht er sie mit dem Betreuten, sofern dies dessen Wohl nicht zuwiderluft.

http://dejure.org/gesetze/BGB/1901.html
Zitat:
(3) Soweit mehrere Betreuer mit demselben Aufgabenkreis betraut werden, knnen sie die Angelegenheiten des Betreuten nur gemeinsam besorgen, es sei denn, dass das Gericht etwas anderes bestimmt hat oder mit dem Aufschub Gefahr verbunden ist.

(4) Das Gericht kann mehrere Betreuer auch in der Weise bestellen, dass der eine die Angelegenheiten des Betreuten nur zu besorgen hat, soweit der andere verhindert ist.

http://dejure.org/gesetze/BGB/1899.html
_________________
LAIENMEINUNG! <---> Lese hier nur fters!
Ab jetzt nurnoch Ringelpitz ohne anfassen!
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Jane Doe
Interessierter


Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beitrge: 7

BeitragVerfasst am: 09.12.08, 13:39    Titel: Antworten mit Zitat

"Kann ich damit rechnen, da dies von einem Gericht zumindest bis zum Zeitpunkt gerichtlichen Einschreitens akzeptiert werden MUSS, oder knnte man meiner Tochter trotzdem rger machen und sie zwingen, Nachweise fr Ausgaben zu erbringen?"

Liebe Frau Kay,

nein, damit knnen Sie eindeutig nicht rechnen. Auch bei Vorliegen einer notariellen Vorsorgevollmacht kann ein gesetzlicher Betreuer eingesetzt werden. Vom Gesetz her soll das zwar eben gerade nicht so sein, aber wenn das Gericht Grnde finden will, dann findet es welche. Dann ist die Bevollmchtigte eben aus irgendwelchen - notfalls an den Haaren herbeigezogenen Grnden - "nicht geeignet". DANN nmlich darf das Gericht ber die Wnsche des Betroffenen hinweggehen. Und Sie drfen mir glauben, dass das Gericht fr sogenannten"Vermgende" gern Berufsbetreuer einsetzt. Die Kosten fr einen solchen Betreuer mu der Vermgende nmlich aus eigener Tasche bezahlen und die Gerichtskosten fr die "Verwaltung" dieser Betreuung ebenfalls. Und je mehr Vermgen der Betroffene hat, desto mehr mu er jhrlich bezahlen.

Nun zu Ihrer Hauptfrage bezglich des Finanziellen:
Wenn aus irgendwelchen Grnden mal eine Betreuung fr Sie eingerichtet werden mte, dann interessieren Betreuer und Gericht in allererster Linie Ihre Finanzen. Was kommt jeden Monat rein, wieviel Vermgen ist da und wieviel geht jeden Monat ab. Es gibt vernnftige Betreuer, die sehen das Alter des Betroffenen und seinen bisherigen Lebensstil. Kann sich der Betroffene diesen Lebensstil finanziell erlauben, lassen sie ihn gewhren, kann er ihn sich nicht leisten, mu der Betreuer ggf. das Geld rationieren. Das ist dann auch korrekt, denn es kann ja nicht angehen, dass der Betreute sein Geld verschleudert/verschenkt oder sonst etwas damit macht, und fr die Heimkosten mu dann der Steuerzahler aufkommen.

Es gibt aber auch nicht wenige Betreuer, die trotz grozgiger Geldmittel die Betroffenen stark einschrnken (teils aus eigenen Motiven, teils aber auch, weil sie vom Rechtspfleger im wahrsten Sinne des Wortes dazu gentigt werden).
Ich selbst kenne Betreuer, die auf dem Standpunkt stehen, dass es ausreichend ist, wenn ein 92-jhriger Betreuter mit bescheidenem Einkommen, jedoch eigenem, schuldenfreiem Haus plus hohem sechsstelligen Vermgen durchaus mit einem Taschengeld von 100 Euro pro Monat abgespeist werden kann. Schlielich knnte der ja noch 150 Jahre alt werden und das Vermgen muss so lange reichen. Und auerdem, wozu braucht so ein alter Mensch noch viel Geld, der hat doch alles im Heim? Eine derartige Behandlung von Betroffenen ist unverschmt, und diese sollten sich sofort dagegen wehren.

Kommt es zu einer Betreuung, kann der gesetzliche Betreuer, sofern er die Vermgenssorge hat (und die hat er fast immer mit), Ausknfte ber die Finanzen von Ihnen oder eben Ihrer Bevollmchtigten verlangen, auch fr die Vergangenheit! Verweigern Sie diese Ausknfte, kann er mit seinem Betreuerausweis zur Bank gehen und dort Ausknfte (auch fr die Vergangenheit) verlangen und bekommt sie auch.
Daher wird er sptestens auf diesem Wege ber Bargeldabhebungen erfahren und kann von Ihrer Tochter als Bevollmchtigter Rechenschaft verlangen, wofr Bargeld gebraucht und verwendet worden ist. Kann sie keine Nachweise bringen, wird der nchste Schritt der sein, da der Betreuer die ganze notarielle Vollmacht widerruft und sich dann alle Aufgabenkreise, die bisher von Ihrer Tochter erledigt worden sind, ebenfalls an Land ziehen, also zB Gesundheitssorge, Aufenthaltsbestimmungsrecht, das Recht zum Anhalten der Post usw. Ein gesetzlicher Betreuer hat sogar die Macht, Ihrer Tochter den Umgang mit Ihnen zu verbieten.
Da die Gerichte vollkommen berlastet sind, findet eine echte Kontrolle der Betreuer nur sporadisch statt, weshalb der Betreuer erst mal ziemlich viel Freiheit hat.

Dennoch bin ich ziemlich sicher, dass, wenn Ihre Tochter ein von Ihnen unterzeichnetes Schriftstck vorweisen kann, dies auch anerkannt werden mu, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem eine gesetzliche Betreuung eingerichtet wrde. Noch sind Betroffene ja keine Gefangenen.
Als Betroffene haben Sie jedoch auch jederzeit die Mglichkeit, einen Rechtsanwalt einzuschalten/von Ihrer Tochter fr Sie einschalten zu lassen, wenn Sie mit der Betreuung nicht einverstanden sind. Selbst wenn Sie unter Betreuung stehen wrden und auch mit Einwilligungsvorbehalt, brauchen Sie dafr nicht die Genehmigung Ihres Betreuers. (Im Alter KANN eine Rechtsschutzversicherung durchaus Sinn haben, in der Betreuungsangelegenheiten enthalten sind. Sie ist zwar teurer als normale aber immer noch billiger, als wenn man die anwaltlichen Betratungen und Ttigkeiten aus eigener Tasche bezahlen mu).

Dennoch sollten Sie jetzt keine unntigen ngste aufbauen. Sie haben schon mehr gemacht als die meisten Leute in ihrem Alter.

Ich wrde Ihnen raten: Setzen Sie ein Schreiben auf, wie Sie es hier bereits formuliert haben und versehen Sie es mit Datum und Unterschrift. Eine groe Hilfe drfte noch sein, wenn Sie dieses Schriftstck von mindestens einem, besser noch zwei Zeugen unterschreiben lassen, die auch bezeugen knnen, da Sie durchaus wuten, was Sie da unterschrieben haben, am besten sogar von Ihrem Hausarzt.

Ich wnsche Ihnen alles erdenklich Gute
Jane Doe

(selbst Bevollmchtigte)


Zuletzt bearbeitet von Jane Doe am 09.12.08, 14:38, insgesamt 1-mal bearbeitet
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Vormundschaftsrichter
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FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 03.01.2005
Beitrge: 2473
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 09.12.08, 14:11    Titel: Antworten mit Zitat

Jane Doe hat folgendes geschrieben::
"Kann ich damit rechnen, da dies von einem Gericht zumindest bis zum Zeitpunkt gerichtlichen Einschreitens akzeptiert werden MUSS, oder knnte man meiner Tochter trotzdem rger machen und sie zwingen, Nachweise fr Ausgaben zu erbringen?"

Liebe Frau Kay,

nein, damit knnen Sie eindeutig nicht rechnen.

Doch, damit knnen Sie in aller Regel rechnen.
_________________
Gru
Vormundschaftsrichter


der stellvertretende nimmt seine nightstick und beginnt das Schlagen der daylights aus der Anwalt
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Jane Doe
Interessierter


Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beitrge: 7

BeitragVerfasst am: 09.12.08, 14:35    Titel: Antworten mit Zitat

[quote=
Doch, damit knnen Sie in aller Regel rechnen.[/quote]

"In aller Regel" heit, es gibt Ausnahmen, und die sind nicht festgelegt, sondern die bestimmt nach den Umstnden (und damit nach eigenem Gutdnken des Richters) das Gericht. Und wenn das Gericht das Schriftstck nicht anerkennt, dann MUSS die Tochter= Bevollmchtigte Rechenschaft ablegen. Daher bleibt es dabei: Sie knnen darauf hoffen aber nicht damit rechnen.

MfG
Jane Doe
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-T-
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Anmeldungsdatum: 15.11.2008
Beitrge: 24

BeitragVerfasst am: 09.12.08, 17:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Frau Kay,
ich weiss ja nicht inwieweit Sie und Ihre Tochter sich bisher in die Theamtik eingelesen haben.....Hier sind zwei lesenswerte Artikel dazu:
http://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php?t=22083
http://www.recht.de/phpbb/kb.php?mode=article&k=21
Beim Bundesministerium fr Justiz (BMJ: www.bmj.de) kann man sich auch Informationsbroschren runterladen, bzw. bestellen.

Mein Vorschlag als Laie (wenns falsch ist werden mich die Fachleute hier korregieren):

- Bankvollmacht fr die Tochter

- ein Schreiben aufsetzen, in dem Sie Ihre Tochter fr den Fall der Flle als Betreuerin vorschlagen. Das kann kein Gericht ohne triftigen Grund ignorieren. Vordrucke gibts beim BMJ)

- In Ruhe und Gesundheit lter werden. Smilie

vlg, -T-
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Vormundschaftsrichter
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Anmeldungsdatum: 03.01.2005
Beitrge: 2473
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 09.12.08, 19:39    Titel: Antworten mit Zitat

Jane Doe hat folgendes geschrieben::

"In aller Regel" heit, es gibt Ausnahmen, und die sind nicht festgelegt, sondern die bestimmt nach den Umstnden (und damit nach eigenem Gutdnken des Richters) das Gericht. Und wenn das Gericht das Schriftstck nicht anerkennt, dann MUSS die Tochter= Bevollmchtigte Rechenschaft ablegen. Daher bleibt es dabei: Sie knnen darauf hoffen aber nicht damit rechnen.

Ich wei nicht, warum Sie hier mit solchem Unsinn den Leuten Angst machen. Es bleibt dabei: Sie knnen in aller Regel damit rechnen, dass eine Vollmacht anerkannt wird. Natrlich gibt es Ausnahmen, z.B. wenn das Kind die Vollmacht missbraucht und sich selbst die Taschen mit Geld des Betroffenen vollstopft.

Nach "Gutdnken" des Richters wird hier jedenfalls nicht entschieden. Und wenn eine Entscheidung dann doch mal nicht nachvollziehbar ist, kann man Beschwerde einlegen und das Landgericht entscheidet.
_________________
Gru
Vormundschaftsrichter


der stellvertretende nimmt seine nightstick und beginnt das Schlagen der daylights aus der Anwalt
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CruNCC
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FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 01.01.2007
Beitrge: 2239
Wohnort: Baden-Wrttemberg

BeitragVerfasst am: 09.12.08, 20:18    Titel: Antworten mit Zitat

Ich stimme Vormundschaftsrichter voll und ganz zu!
Die obigen Beitrge sind reine Panikmache. Geschockt

Wenn eine notarielle Generalvollmacht mit umfassendem Wirklungskreis erteilt wurde, dann gilt diese fr alle Bereiche.
Es mssen weder jetzt noch spter irgendwelche Quittungen ausgestellt werden.

Genieen Sie Ihr Lben und seien Sie froh, dass sie sich auf Ihre Tochter verlassen und ihr vertrauen knnen - das ist leider oft nicht der Fall.
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Sarah Kay
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Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beitrge: 4

BeitragVerfasst am: 10.12.08, 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Damen und Herren,

mittlerweile habe ich ein Schreiben aufgesetzt und unterschrieben, wie Frau Doe es mir geraten hat. Meine Hausrztin hat heute als Zeugin unterschrieben, und nun bin ich doch beruhigt, da ich alles getan habe, was mir mglich war. Auch meine Hausrztin meinte, da ich damit auf der sicheren Seite sein mte.
Deshalb mchte ich mich herzlich bei allen bedanken, die mir zu meiner Frage geantwortet haben.
Ganz besonders mchte ich Frau Doe danken, durch die ich eine Menge ber das Thema Betreuung erfahren habe.

Mit freundlichen Gren

Sarah Kay
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Lichtaus
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FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 26.08.2005
Beitrge: 261
Wohnort: Thringen

BeitragVerfasst am: 14.12.08, 17:31    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr geehrte Frau Kay,

es ist zweifellos sinnvoll eine Vorsorgevollmacht und eine Betreuungsverfgung zu formulieren. Damit ist Ihr Wille schriftlich fixiert und kann so nicht ohne gravierende Grnde bergangen werden.

Was Sie allerdings von "Frau Doe" ber das Thema Betreuung erfahren haben, ist neben Panikmache auch mit inhaltlichen Fehlern gespickt. Ich empfehle hier eine Gedchtnislcke zu aktivieren.


_________________
Gre Idee Lichtaus
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Sarah Kay
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Anmeldungsdatum: 07.12.2008
Beitrge: 4

BeitragVerfasst am: 15.12.08, 16:18    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Damen und Herren,

es macht mich doch sehr betroffen, da meine Anfrage so viel Zankerei verursacht hat.

Ich wnsche Ihnen allen trotzdem ein recht gesegnetes Weihnachtfest,

Sarah Kay
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AndreasHL
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 30.12.2004
Beitrge: 446
Wohnort: Lbeck

BeitragVerfasst am: 16.12.08, 08:36    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr geehrte Frau Key,


auch Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Im Betreuungsrecht gibt es, wie im ganzen Leben, vieles was schiefgehen kann. Da sind Richter, die sich in jungen Jahren beigeistert eingesetzt haben, und nun abgestumpft sind. Da sind Rechtspfleger, die mit Spa bei der Sache waren und nun nur noch ihre Ruhe haben wollen. Da sind Betreuer, denen die Betreuten mit der Zeit vllig egal geworden sind, und die nur noch Geld sehen. Da sind Gutachter, die im Laufe der Zeit genau gemerkt haben, was das Gericht im Gutachten stehen haben will, und was nicht. Und vieles andere mehr.

Jeder einzelne Punkt kann schon eine kleine Katastrophe auslsen. Wenn alles zusammen kommt, dann gibt es einen richtigen Knall. Daher wrde ich auch Jane Doe nicht so pauschal verdammen. Es reicht, wenn einer von hundert Fllen schief geht. Fr den/die Betroffenen ist es grade ein Mal zu viel.

In 12 Jahren Ttigkeit als ehrenamtlicher Betreuer habe ich einiges erlebt, einschlielich einer Rechtspflegerin, die selbst dringend einen Betreuer bentigt htte und inzischen abgelst wurde. Das war eigentlich menschlich gesehen sehr traurig, denn sie war wirklich eine Nette.

Gruss

Andreas
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