Navigationspfad: Home » Foren
Foren
recht.de :: Thema anzeigen - Anwaltspflicht ab 5000 bei Klageerwiderung zeitgem?
Forum Deutsches Recht
Foren-Archiv von www.recht.de
Achtung: Keine Schreibmglichkeiten! Zu den aktiven Foren whlen Sie oben im Men "Foren aus!
 
 SuchenSuchen 

Anwaltspflicht ab 5000 bei Klageerwiderung zeitgem?
Gehen Sie zu Seite 1, 2, 3, 4  Weiter
 
Neuen Beitrag schreiben   Auf Beitrag antworten    recht.de Foren-bersicht -> Verfassungsrecht
Vorheriges Thema anzeigen :: Nchstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
jananatali
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 09.10.2005
Beitrge: 297

BeitragVerfasst am: 20.09.06, 08:27    Titel: Anwaltspflicht ab 5000 bei Klageerwiderung zeitgem? Antworten mit Zitat

Ist die zivilrechtliche Anwaltspflicht ab 5000 bei Klageerwiderung noch zeitgem und berhaupt noch vertrebar?

Strafrechtlich ist die Anwaltspflicht nicht gegeben. Selbst das anwaltlich priviligierte Akteneisichtsrecht hat zu brckeln begonnen ( 147 (7) StPO, neue Rechtssprechung zu Art. 6 MRK).
Warum aber noch eine Anwaltspflicht ab einem Betrag von 5000 zivilrechtlich besteht - selbst bei der eigenen Verteidigung/Klageerwiderung - bleibt mir unverstndlich.

Derzeit bin ich der Meinung, dass die Regelungen und Rechtsvorschriften nicht mehr zeitgem sind und jeder mit einem gewissen geistigen [erlesenen] Background und Zugriff auf Internet & Co. mindenstens vor dem LG soviel erreichen kann, wie ein schlechter oder uninteressierter Rechtsanwalt.

Worauf knnte man also eine Verfassungsbeschwerde sttzen, wenn jemand eine Klage ber 5001 erhlt, sich aber selbst verteidigen willl, aber das Gericht per Rechtsbehelf darauf hinweist, dass nur ein Anwalt die Klageschrift erwidern knne, nicht aber der Beklagte als Nichtanwalt selbst, ansonsten wrde er/sie automatisch im Rechtsstreit unterliegen?
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Michael A. Schaffrath
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 25.09.2004
Beitrge: 15339
Wohnort: Rom

BeitragVerfasst am: 20.09.06, 17:14    Titel: Re: Anwaltspflicht ab 5000 bei Klageerwiderung zeitgem? Antworten mit Zitat

jananatali hat folgendes geschrieben::
nd jeder mit einem gewissen geistigen [erlesenen] Background und Zugriff auf Internet & Co. mindenstens vor dem LG soviel erreichen kann, wie ein schlechter oder uninteressierter Rechtsanwalt.


Das ist leider ein Trugschlu - wobei das natrlich an der Komplexitt des Einzelfalls hngt. Genau so gut knnte ich argumentieren, wer genug ber Krankheiten im Internet liest, kann eine Herzoperation genau so gut ausfhren wie ein schlechter oder uninteressierter Arzt.

Auerdem ist eben - leider - der Durchschnittsbrger eben nicht einmal annhernd so fhig wie ein gebildeter Laie ("educated fool") und der wiederum Welten entfernt von einem Anwalt, egal wie "schlecht und uninteressiert" der ist.
Noch anders formuliert: selbst ich mit US-Jurastudium wrde mir hundertmal lieber einen Anwalt nehmen, wenn ich in Deutschland einen Proze fhren mte, weil dafr schon die Unterschiede in den Rechtssystemen und Gesetzen gro genug sind, da ich das noch grndlich "verbocken" knnte. Zumindest dann, wenn es um so hohe Streitwerte geht, wre mir einfach das Risiko zu hoch.
Als "educated fool" kann man ja immer noch mit dem Anwalt zusammenarbeiten und ihn untersttzen, wenn man ihn denn fr zu schlecht hlt.
_________________
DefPimp: Mein Gott
Biber: N, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

War mein Beitrag hilfreich? Bewerten Sie ihn durch Klick auf die grnen Punkte links unter meinem Namen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
jananatali
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 09.10.2005
Beitrge: 297

BeitragVerfasst am: 21.09.06, 09:04    Titel: Re: Anwaltspflicht ab 5000 bei Klageerwiderung zeitgem? Antworten mit Zitat

Michael A. Schaffrath hat folgendes geschrieben::

Das ist leider ein Trugschlu - wobei das natrlich an der Komplexitt des Einzelfalls hngt. Genau so gut knnte ich argumentieren, wer genug ber Krankheiten im Internet liest, kann eine Herzoperation genau so gut ausfhren wie ein schlechter oder uninteressierter Arzt.



Das Beispiel hinkt, da eine Herzoperation an sich "selbst" nicht mglich ist. Das steht auch im Internet - nicht direkt, aber man kann es interpretieren.
Aber man kann "selbst" einen Fremdkrper aus seiner Wunde entfernen, auch wenn man "selbst" kein Arzt ist.


Beachte aber -dass im Strafrecht doch die Selbstverteidigung mglich ist,
es geht nur nicht im Zivilrecht - eben ab einer Summe von 5000 .


Auerdem ist die Rechtlehre keine echte Wissenschaft. Aber - sie nutzt wissenschaftliche Methoden, um sich ein Urteil zu bilden. Die richtige Umsetzung von Sachverhalt, Wahrscheinlichkeit und Logik innhalb der vorliegenden "Definitionen" ( etwa Gesetze, Vorschriften, Form ...) ... spielen dabei eine entscheidende Rolle, selbst dann - wenn zur gesicherten Beurteilung Dritte herangezogen/befragt (z.B. Gutachter, ...), die ebenso ihre Beurteilung auf wissenschaftliche Methoden sttzen werden.

Hier scheidet sich doch Spreu und Weizen bei den Juristen. Das unterscheidet den guten vom schlechten Juristen.

Heute kann man Zugang auf die modernsten Rechtsdatenbanken (z.B. Juris, ...) nehmen, man kann in guten Rechtsbibiliotheken auf die Rechtliteratur zugreifen. Rechts-CDs stehen zur Verfgung und man kann sich Rechtszeitschriften(NJW,...) besorgen oder bestimmte Aufstze kopiert via Internet anfordern. Im Fernsehen werden wir ber neue Urteile informiert (z.B. WISO-Mietrecht, Bankrecht, ...) oder direkt ber die Foren oder direkt beim BGH.

Wir haben nicht mehr 1960 - die Rechtlehre ist kein geheimes oder unnahbares Mysterium mehr. Fernsehserien ber Gerichtsverhandlungen fhren die Menschen noch nher an die Rechtsprechung heran - ob tauglich oder nicht - sei dahingestellt.

ber gleichartige Urteile findet man die Gesetze und Literaturhinweise und die herrschende Meinung. Wie eine Klageerwiderung im Zivilrecht verfasst werden muss, kann man sich ebenso schnell aneignen, schlielich klappt es doch auch vor dem Amtsgericht - sogar beim "Durchschnittsmenschen".

Ich sehe also, dass die Zeit mit ihrer Entwicklung die Mglichkeiten verndert hat und es nicht mehr Not tut, wegen einer Klage ber 5000 sich von einem Anwalt unbedingt verteidigen lassen zu mssen.
Ich lasse es dahingestellt, ob es richtig ist oder falsch ist - auf einen Anwalt zu verzichten.

Es sollte aber nicht die Pflicht sein - das mchte ich vermitteln.

Jeder sollte das Recht haben, sich frei entscheiden zu knnen, ob er sich selbst verteidigen will oder nicht !

Und - wenn das im Strafrecht sogar durch Art. 6 MRK gesichert und im Zivilrecht sogar bis 5000 mglich ist, sehe ich in der zivilrechtlichen Vorschrift ( ab 5000 ...) keine hinreichende Begrndung [mehr] diese vom Gesetzgeber weiter aufrecht erhalten zu mssen .

Ich meine daher, dass diese Vorschrift verfassungsrechtlich angreifbar ist.

Es interessiert mich daher - wie eine diesbezgliche Verfassungsbeschwerde aufbaut werden knnte.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Michael A. Schaffrath
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 25.09.2004
Beitrge: 15339
Wohnort: Rom

BeitragVerfasst am: 21.09.06, 16:53    Titel: Re: Anwaltspflicht ab 5000 bei Klageerwiderung zeitgem? Antworten mit Zitat

jananatali hat folgendes geschrieben::
Ich meine daher, dass diese Vorschrift verfassungsrechtlich angreifbar ist.


Ich mu mal wieder ironisch werden: komisch, da das in den letzten 50 Jahren nur Ihnen aufgefallen ist.
Will heien: gab es bisher noch keine erfolgreiche Verfassungs- oder EGMR-Beschwerde, wieso glauben Sie, da es gerade Ihnen gelingen wird?

Im brigen wurde das Schutzargument schon eingebracht. Man knnte auch die Pflicht zur Krankenversicherung knicken und sagen, soll halt jeder selbst riskieren, ob er sich rztliche Behandlung leisten kann. Machen wir aber nicht.
_________________
DefPimp: Mein Gott
Biber: N, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

War mein Beitrag hilfreich? Bewerten Sie ihn durch Klick auf die grnen Punkte links unter meinem Namen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Sengir
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 21.09.2006
Beitrge: 62

BeitragVerfasst am: 21.09.06, 18:45    Titel: Re: Anwaltspflicht ab 5000 bei Klageerwiderung zeitgem? Antworten mit Zitat

Zitat:

Beachte aber -dass im Strafrecht doch die Selbstverteidigung mglich ist,
es geht nur nicht im Zivilrecht - eben ab einer Summe von 5000 .



Ab einer bestimmten Komplexitt bzw. Strafdrohung wird aber jedem Straftter ein Verteidiger zur Seite gestellt, ob er will oder nicht. (vgl. dazu 140 StPO) Und so schlecht kann dieser gar nicht sein, dass man nicht auf ihn hren sollte.

Zitat:

Auerdem ist die Rechtlehre keine echte Wissenschaft. Aber - sie nutzt wissenschaftliche Methoden, um sich ein Urteil zu bilden. Die richtige Umsetzung von Sachverhalt, Wahrscheinlichkeit und Logik innhalb der vorliegenden "Definitionen" ( etwa Gesetze, Vorschriften, Form ...) ... spielen dabei eine entscheidende Rolle, selbst dann - wenn zur gesicherten Beurteilung Dritte herangezogen/befragt (z.B. Gutachter, ...), die ebenso ihre Beurteilung auf wissenschaftliche Methoden sttzen werden.

Hier scheidet sich doch Spreu und Weizen bei den Juristen. Das unterscheidet den guten vom schlechten Juristen.

Heute kann man Zugang auf die modernsten Rechtsdatenbanken (z.B. Juris, ...) nehmen, man kann in guten Rechtsbibiliotheken auf die Rechtliteratur zugreifen. Rechts-CDs stehen zur Verfgung und man kann sich Rechtszeitschriften(NJW,...) besorgen oder bestimmte Aufstze kopiert via Internet anfordern. Im Fernsehen werden wir ber neue Urteile informiert (z.B. WISO-Mietrecht, Bankrecht, ...) oder direkt ber die Foren oder direkt beim BGH.

Wir haben nicht mehr 1960 - die Rechtlehre ist kein geheimes oder unnahbares Mysterium mehr. Fernsehserien ber Gerichtsverhandlungen fhren die Menschen noch nher an die Rechtsprechung heran - ob tauglich oder nicht - sei dahingestellt.

ber gleichartige Urteile findet man die Gesetze und Literaturhinweise und die herrschende Meinung. Wie eine Klageerwiderung im Zivilrecht verfasst werden muss, kann man sich ebenso schnell aneignen, schlielich klappt es doch auch vor dem Amtsgericht - sogar beim "Durchschnittsmenschen".


Immer langsam mit den jungen Pferden. Es ist zwar richtig, dass die Rechtswissenschaft lediglich eine "Wortwissenschaft" ist. Aber es ist ein Trugschlu zu glauben es wrde reichen "gleichartige Urteile zu finden" und sich darber Gesetze und Literaturhinweise zu erarbeiten.

Die Juristerei ist kein Gebiet auf dem man sich sozusagen punktuell, nur auf seinen Fall bezogen einlesen kann. Man mu das System (bzw. die Systeme) begriffen haben und dann anwenden knnen. Przedenz-Urteile und Literatur sind lediglich Argumentationshilfen fr den gebten Anwalt.

Der Laie, der sich auf ein von ihm gefundenes - seiner Meinung nach genau auf seinen Fall passendes - Urteil strzt und freudestrahlend damit den Gerichtssaal betritt erleidet zumeist eine ziemlich harte Bauchlandung. Das lsst sich ja heute bereits an jedem Amtsgericht beobachten.

Zitat:

Ich sehe also, dass die Zeit mit ihrer Entwicklung die Mglichkeiten verndert hat und es nicht mehr Not tut, wegen einer Klage ber 5000 sich von einem Anwalt unbedingt verteidigen lassen zu mssen.


Die Schlagzeilen will ich mir nicht antun, wenn die ersten Familienhuser zwangsversteigert werden, weil das Familienoberhaupt meinte, man brauche fr den Fall keinen Anwalt, der Richter werde schon sehen, dass die Klage jeglicher Grundlage entbehre.

Zitat:

Ich lasse es dahingestellt, ob es richtig ist oder falsch ist - auf einen Anwalt zu verzichten.

Es sollte aber nicht die Pflicht sein - das mchte ich vermitteln.

Jeder sollte das Recht haben, sich frei entscheiden zu knnen, ob er sich selbst verteidigen will oder nicht !


"Gier frisst Hirn" - ein sehr passender Spruch zu diesem Thema.

Die wenigsten Laien knnen einschtzen, ob ihnen der Fall gefhrlich werden kann oder nicht. Sie berblicken zumeist die mglichen Konsequenzen nicht.

Zitat:

Und - wenn das im Strafrecht sogar durch Art. 6 MRK gesichert und im Zivilrecht sogar bis 5000 mglich ist, sehe ich in der zivilrechtlichen Vorschrift ( ab 5000 ...) keine hinreichende Begrndung [mehr] diese vom Gesetzgeber weiter aufrecht erhalten zu mssen .


Strafrecht != Zivilrecht. Im Strafrecht steht ja auch noch - die zumindest nach dem Gesetz gegebene - Verpflichtung von Staatsanwalt und Richter den Sachverhalt umfassend aufzuklren im Raum. An sich bruchte es im Strafrecht berhaupt keine Verteidigung - auch keine Wahlverteidigung -, da Staatsanwalt und Gericht von sich aus verpflichtet sind, auch entlastende Umstnde fr den Angeklagten zu ermitteln und ihn ntigenfalls freizusprechen.

Trotzdem hat es der Gesetzgeber fr ntig befunden, dem Angeklagten in bestimmten Konstellationen trotzdem einen Pflichtverteidiger zur Seite zu stellen. Das sollte zu denken geben.

Zitat:

Ich meine daher, dass diese Vorschrift verfassungsrechtlich angreifbar ist.


Ohne dazu ein Rechtsgutachten verfassen zu wollen: Unwahrscheinlich. Jedenfalls nicht mit den von dir vorgetragenen Argumenten.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Sengir
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 21.09.2006
Beitrge: 62

BeitragVerfasst am: 21.09.06, 18:55    Titel: Antworten mit Zitat

Noch ein Punkt, der mir zu diesen Diskussionen immer einfllt:

Zumeist scheint die primre Motivation des "Ich will aber keinen Anwalt!" der Geldfaktor zu sein.

Gleichzeitig habe ich das Gefhl, dass viele, die den Anwaltszwang abschaffen wollen, als erste die dann fehlende Waffengleichheit zwischen anwaltlich vertretenen und sich selbst vertretenden Parteien beklagen wrden.

(Und nur so als Denkansto: Wenn kein Anwaltszwang besteht. Woran wrde dann jeder Finanzminister denken, sobald er den Ausgabenposten "PKH" in seinem Budget sehen wrde?)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
0Klaus
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 30.12.2004
Beitrge: 2595

BeitragVerfasst am: 21.09.06, 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

das Thema wird und wurde immer wieder diskutiert.

Frage an die Anwlte:

Kann man als Nichtrechtsanwalt in einer Landgerichtssache eine Klageschrift selbst schreiben und diese dem Rechtsanwalt mit der Anweisung zur Unterzeichnung vorlegen. Dieser liest den Schriftsatz durch und prft nur, ob die Auffassung offensichlich unhaltbar ist (zB kontrolle Flchtigkeitsfehler, vertauscht). Wenn die Auffassung noch vertretbar ist, setzt er sie in seinen Briefkopf und unterschreibt. Da er im gerichtlichen Verfahren seine Gebhren nicht niedriger ansetzen darf als gesetzlich zugelassen, setzt er die gesetzliche Gebhr fest und schliet daraufhin mit dem Mandanten einen Erlassvertrag fr einen groen Teil der Gebhr.

Im Ergebnis knnte so jeder vor jedem Gericht mit minimalem Geldeinsatz prozessieren. Quasi Unterzeichnung am "Flieband" zum indirekten Pauschalpreis.

Dass dies sicherlich von Ihnen nicht als sinnvoll angesehen werden knnte, mchte ich nicht bestreiten. Mir gehts nur darum ob das rechtlich mglich ist.
_________________
mfg
Klaus
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
jananatali
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 09.10.2005
Beitrge: 297

BeitragVerfasst am: 22.09.06, 08:29    Titel: Antworten mit Zitat

0Klaus hat folgendes geschrieben::
Hallo,

das Thema wird und wurde immer wieder diskutiert.

Frage an die Anwlte:

Kann man als Nichtrechtsanwalt in einer Landgerichtssache eine Klageschrift selbst schreiben und diese dem Rechtsanwalt mit der Anweisung zur Unterzeichnung vorlegen. Dieser liest den Schriftsatz durch und prft nur, ob die Auffassung offensichlich unhaltbar ist (zB kontrolle Flchtigkeitsfehler, vertauscht). Wenn die Auffassung noch vertretbar ist, setzt er sie in seinen Briefkopf und unterschreibt. Da er im gerichtlichen Verfahren seine Gebhren nicht niedriger ansetzen darf als gesetzlich zugelassen, setzt er die gesetzliche Gebhr fest und schliet daraufhin mit dem Mandanten einen Erlassvertrag fr einen groen Teil der Gebhr.



Das passiert sehr hufig. Es wird sehr viel abgeschrieben - man nennt es dann "Mitarbeit". Aber einen Ablass wird es nicht geben. Wenn ja - passiert das unterm Tisch.
Warum - das weit Du selbst.

Zurck zur Unzeitmigkeit :

Wie gesagt - im Zivilrecht geht es bis 5000 und im Strafrecht geht es so oder so.

Und die Rechtslehre ist geistig nichts Unberwindliches - also kein Heilgtum. Allerdings macht man die Rechtlehre - wie meine Vorredner hier belegen - zu schnell zu einem solch unberwindlichen Phnomen.

Man kann dem schon Herr werden, wenn man als "Laie" etwas drauf hat und in der Lage ist, seinen Sachverhalt richtig zu ordnen und dann rechtlich zu verwerten. Und dafr gibt es gengend Hilfsmittel, die sich gerade in den letzten Jahren - fr jeden abrufbar - in Perfektion gebildet haben.

Das unterscheidet auch den Juristen von 1950 von dem von 2006. Wie hat man damals gearbeitet und wie arbeitet man heute? Denkt nur mal an die Notare und was dort eine Notariatsangestellte in Minuten mittels CD erstellen kann, wozu einst nur der Notar selbst befhigt war, aber trotzdem heute - fr die "Arbeit"(="die verantwortliche Unterschrift unter der verlesenen Urkunde") - noch die theoretisch gleiche Vergtung erhlt.

In meiner Darstellung ging ich nicht von der Klageeinreichung aus, sondern ausschlielich auf die Abfassung einer Klageerwiderung ein. Es geht mir um die Verteidigung.

Und eine solche Klageerwiderung - kann meiner Auffassung nach - von jedem "Durchschnittsmenschen" abgefasst werden, whrend z.B. eine Stufenklage - hier also im Angriff ... im Klagefall - komplizierter einzureichen wre.

Ich sehe auch nicht die Komplexitt des in der Theorie bestehenden Falls als vorherrschenden Grund fr die Bestandsrechtfertigung dieser angegriffenen Vorschrift an, weil ja auch ein Zivilrechtsfall bis 5000 sehr wohl Komplexitt aufweisen kann, jedoch dann eine Selbstverteidigung - zumindest erstinstanzlich- ja immer noch mglich ist.

Die alleinige Erzeugung von Angst - bei der Selbstverteidigung "Haus und Hof verlieren zu mssen ..." kann und darf jedenfalls nicht berzeugen.

Wer dieses Risiko eingehen will, soll es auch tun drfen, wenn er sich selbst verteidigen will [oder gar muss]. Es ist dabei unerheblich, welche Grnde ihn dazu veranlasst haben; er geht dieses Risiiko alleine ein; er verzichtet auf die eigene oder gerichtliche Bestellung des Anwalts - auf sein eigenes Risiko hin!


Wer die nicht gerade populren Nachteile der Prozesskostenhilfe tatschlich kennt, wei auch welche anderen Grnde eine Selbstverteidigung sinnvoll machen knnte ...!

Ich glaube, dass diese Rechtsvorschrift - die Anwaltspflicht ab 5000 im Zivilverfahren - eines Tages fallen wird, zumindest fr den Fall der zivilrechtlichen Selbstverteidigung, weil sie informationsgesellschaftlich berholt ist.


Zuletzt bearbeitet von jananatali am 22.09.06, 09:48, insgesamt 2-mal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Sengir
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 21.09.2006
Beitrge: 62

BeitragVerfasst am: 22.09.06, 09:32    Titel: Antworten mit Zitat

0Klaus hat folgendes geschrieben::

Kann man als Nichtrechtsanwalt in einer Landgerichtssache eine Klageschrift selbst schreiben und diese dem Rechtsanwalt mit der Anweisung zur Unterzeichnung vorlegen. Dieser liest den Schriftsatz durch und prft nur, ob die Auffassung offensichlich unhaltbar ist (zB kontrolle Flchtigkeitsfehler, vertauscht). Wenn die Auffassung noch vertretbar ist, setzt er sie in seinen Briefkopf und unterschreibt.

Da er im gerichtlichen Verfahren seine Gebhren nicht niedriger ansetzen darf als gesetzlich zugelassen, setzt er die gesetzliche Gebhr fest und schliet daraufhin mit dem Mandanten einen Erlassvertrag fr einen groen Teil der Gebhr.

Im Ergebnis knnte so jeder vor jedem Gericht mit minimalem Geldeinsatz prozessieren. Quasi Unterzeichnung am "Flieband" zum indirekten Pauschalpreis.


Ich bin kein Anwalt, versuche mich aber trotzdem mal an einer Antwort:

a) Inhaltliche bernahme von Schriftstzen der Naturalpartei:
Natrlich geht das im Prinzip, sofern der Anwalt auch tatschlich Prozessbevollmchtigter im Verfahren ist.

Wird natrlich kein Anwalt machen, der auch nur annhernd sowas wie einen Funken Ehre im Leib hat (bzw. irgendeine entfernte Ahnung von anwaltlicher Haftung). Es ist ja schlielich dann 'sein' Schriftsatz.

b) "Flchtige" Kontrolle der Schriftstze:
Nein, das geht nicht. Man kann idR Flchtigkeitsfehler in juristischen Schriftstzen nicht entdecken, wenn man sie nicht zumindest einmal durchdacht hat.

c) Erlassvertrag hinsichtlich der Gebhren:
Nein, das wird nicht funktionieren. Wre ja noch schner, wenn der Gesetzgeber verbindliche Mindestgebhren fr das Gerichtsverfahren vorschreibt und dann jeder hergehen und diese Gebhren erlassen knnte. Ein solcher Erlassvertrag wre hier schlicht ein Versuch zwingende gesetzliche Bestimmungen zu umgehen und damit nichtig.

Und einen solchen Erlass wird auch kein Anwalt unterschreiben. Sobald er nmlich den Schriftsatz des Mandanten unterschrieben hat, hat er voll fr eventuelle Fehler in diesem Schriftsatz zu haften. Und ich glaube, wenn er einfach nur seine Unterschrift unter vom Mandanten hereingereichte Schriftstze setzen wrde, dann wrden seine Honorareinnahmen die Haftungssummen schnell unterschreiten.

Zitat:
Dass dies sicherlich von Ihnen nicht als sinnvoll angesehen werden knnte, mchte ich nicht bestreiten. Mir gehts nur darum ob das rechtlich mglich ist.


Rechtlich nur teilweise mglich und in praktischer Hinsicht vllig unmglich.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Sengir
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 21.09.2006
Beitrge: 62

BeitragVerfasst am: 22.09.06, 10:11    Titel: Antworten mit Zitat

jananatali hat folgendes geschrieben::

Das passiert sehr hufig. Es wird sehr viel abgeschrieben - man nennt es dann "Mitarbeit". Aber einen Ablass wird es nicht geben. Wenn ja - passiert das unterm Tisch.
Warum - das weit Du selbst.


Ja, der Mandant mu dem Anwalt ja erstmal schildern, wie denn der Sachverhalt ausgesehen hat. Nicht jeder Anwalt kann sich schlielich eine Kristallkugel leisten.

Daraus aber zu konstruieren, der Mandant wrde am rechtlichen Teil "mitarbeiten" ist hanebchener Schwachsinn.

Zitat:

Aber wie gesagt im Zivilrecht geht es bis 5000 und im Strafrecht geht es so oder so.


Haben sie 140 StPO berhaupt gelesen? Oder berhaupt begriffen, dass es im Strafrecht eine notwendige Verteidigung gibt? (brigens sptestens ab dem Landgericht als Eingangsgericht?)

Zitat:

Und die Rechtslehre ist geistig nichts Unberwindliches - also kein Heilgtum.


Das hat niemand behauptet. Es ist jedoch lebensfremd und gefhrlich zu behaupten, man knnte sich darin als Laie punktuell einarbeiten und das Recht erfolgreich auf einen Fall anwenden, ohne vorher in jahrelangem Studium die zugrundeliegende Systematik verstanden zu haben.

Zitat:

Allerdings macht man die Rechtlehre - wie meine Vorredner hier belegen - zu schnell zu einem solch unberwindlichen Phnomen.

Man kann dem schon Herr werden, wenn man als "Laie" etwas drauf hat und in der Lage ist, seinen Sachverhalt richtig zu ordnen und dann rechtlich zu verwerten.


Sie beweisen meine These, dass Laien dazu neigen sich in rechtlichen Belangen vllig zu berschtzen.

Zitat:

Und dafr gibt es gengend Hilfsmittel, die sich gerade in den letzten Jahren - fr jeden abrufbar - in Perfektion gebildet haben.


Ach, welche denn?

Zitat:

Das unterscheidet auch den Juristen von 1950 von dem von 2006. Wie hat man damals gearbeitet und wie arbeitet man heute? Denkt nur mal an die Notare und was dort eine Notariatsangestellte in Minuten mittels CD erstellen kann, wozu einst nur der Notar selbst befhigt war, aber trotzdem heute - fr die "Arbeit"(="die verantwortliche Unterschrift unter der verlesenen Urkunde") - noch die theoretisch gleiche Vergtung erhlt.


Oh ja. Formularvertrge. Wunderschne Angelegenheit. Wenn man wei, wie man damit umzugehen hat! Die dankbarsten Flle sind immer die, in denen die Leute mit Formularvertrgen der Gegenseite ankommen und diese nicht fr den Einzelfall angepasst wurden.

(Paradebeispiel: Die Putzhilfe in der Fabrik, die nach zwei Wochen noch in der Probezeit gekndigt wurde und in deren - vom Steuerberater offensichtlich aus irgendeinem Buch abgeschriebenen - Arbeitsvertrag ein Wettbewerbsverbot von zwei Jahren festgehalten ist.)

Und nur weil der Notar den tausendsten Grundstckskaufvertrag in diesem Jahr nicht hchstpersnlich aufsetzt, sondern eine seiner Angestellten diesen nach seinen Vorgaben schreibt, heit das noch lange nicht, dass der Notar diesen nicht berprfen wird und nicht voll fr eventuelle Fehler haftet.

Mal ganz davon abgesehen, dass diese Angestellte auch die Notarassessorin gewesen sein knnte: Glauben Sie denn nicht, dass diese gut fr ihren Job juristisch ausgebildet wurde? Stellen Sie diese Angestellte einem Laien gleich?

Zitat:

In meiner Darstellung ging ich nicht von der Klageeinreichung aus, sondern ausschlielich auf die Abfassung einer Klageerwiderung ein. Es geht mir um die Verteidigung.

Und eine solche Klageerwiderung - kann meiner Auffassung nach - von jedem "Durchschnittsmenschen" abgefasst werden, whrend z.B. eine Stufenklage - hier also im Angriff ... im Klagefall - komplizierter einzureichen wre.


"Die Klage ist vllig haltlos. Das versteht der Richter dann schon in der Verhandlung." - "Wie 'versptet'? Aber das stimmt doch gar nicht, was der sagt, ich kann's doch beweisen!"

Zitat:

Ich sehe auch nicht die Komplexitt des in der Theorie bestehenden Falls als vorherrschenden Grund fr die Bestandsrechtfertigung dieser angegriffenen Vorschrift an, weil ja auch ein Zivilrechtsfall bis 5000 sehr wohl Komplexitt aufweisen kann, jedoch dann eine Selbstverteidigung - zumindest erstinstanzlich- ja immer noch mglich ist.


Es geht ja auch nicht um die Komplexitt. Sondern die Bedeutung des Falles fr die durchschnittliche Prozesspartei ab 5000,00 EUR.

Zitat:

Die alleinige Erzeugung von Angst - bei der Selbstverteidigung "Haus und Hof verlieren zu mssen ..." kann und darf jedenfalls nicht berzeugen.

Wer dieses Risiko eingehen will, soll es auch tun drfen, wenn er sich selbst verteidigen will [oder gar muss]. Es ist dabei unerheblich, welche Grnde ihn dazu veranlasst haben; er geht dieses Risiiko alleine ein; er verzichtet auf die eigene oder gerichtliche Bestellung des Anwalts - auf sein eigenes Risiko hin!


Wenn Sie auch gegen jegliche Pflichtversicherung sind, dann gestehe ich Ihnen zu, dass Ihr Argument zumindest in sich logisch ist.

Zitat:

Wer die nicht gerade populren Nachteile der Prozesskostenhilfe tatschlich kennt, wei auch welche anderen Grnde eine Selbstverteidigung sinnvoll machen knnte ...!


Man plant derzeit dieses Problem zu beheben. (Evtl. durch Sicherheitsleistung fr die Kosten des Gegners.)

Zitat:

Ich glaube, dass diese Rechtsvorschrift - die Anwaltspflicht ab 5000 im Zivilverfahren - eines Tages fallen wird, zumindest fr den Fall der zivilrechtlichen Selbstverteidigung, weil sie informationsgesellschaftlich berholt ist.


Schon wieder der Trugschlu "Rechtswissenschaft ist Wortwissenschaft, daher mu ich sie mir nur anlesen"... zieht sich ja wie ein roter Faden durch Ihre Argumentation.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
0Klaus
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 30.12.2004
Beitrge: 2595

BeitragVerfasst am: 22.09.06, 16:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

hier wird so getan, als seien alle Klageverfahren so geheimnisvoll und schwierig, dass man dazu Jahre studieren muss, dass man das kann.

Ein Jurist lernt in seinem Studium eine Vielzahl von Fachbereichen kennen ber Strafrecht, Zivil-, Verwaltungs-, zum Verfassungsrecht usw.

In einem einfachen zivilrechtlichen Klageverfahren das keine anderen Vorfragen zB aus dem Verwaltungsrecht enthlt ist idR nur punktuelles Wissen erforderlich.

einfaches Beispiel:

Jemand bricht bei einen anderen ins Haus ein und verursacht einen Schaden von 8000 . Der Tter wird festgenommen, Polizei macht einen Bericht. Der Schadenersatz sttzt sich auf 823 BGB. Was will man da gro argumentieren oder schwerwiegende theoretische Streitigkeiten vor Gericht fhren.

oder schriftliche Beleidigung und Unterlassungsklage (einfache Beweislage, wenn der Beleidiger seine Behauptung nicht beweisen kann)

Sicherlich wird es mehr solcher einfachen Flle geben.

Auch braucht man seine Rechtsauffassung nicht darzulegen. Wichtig ist nur, dass man den Streitgegenstand ausreichend genau bezeichnte und beweist (Schadenersatz aus dem Diebstahl vom ...). Das Gericht prft die Rechtsfrage sowieso von Amts wegen.

nochmal zu meinem Vorschlag

Wenn der Mandant unbedingt ein Verfahren fhren will und eine Klageschrift macht, damit zu einem Anwalt geht und zu diesem sagt:

"Bitte lesen Sie kurz durch, ob da Flchtigkeitsfehler drin sind (zB statt 812 > 821 geschrieben). Wenn nicht, unterschreiben Sie den Schriftsatz und geben diesen zum Gericht, ich beauftrage Sie mit dem Fall. An Ihren rechtlichen Ausfhrungen bin ich nicht interessiert"

Muss dann der Anwalt die Rechtslage trotzdem prfen? Ich meine, dass er dennoch gewissenhaft handelt ( 43 BRAO), wenn er die Rechtslage nicht prft. Er handelt dann entsprechend der Weisung seines Mandandten.

Wenn dann das Verfahren wieder erwarten verloren geht, setzt der Anwalt seine gesetzliche Gebhr fest. Ich meine, dass ein besonderer Umstand in der Person des Auftraggebers vorliegt, die Gebhr mageblich zu erlassen. Besonderer Umstand ist hier, dass der Auftraggeber keine Beratung wollte und der Fall somit auergewhnlich wenig Aufwand verursacht hat.

Ungeachtet dessen:

Vielleicht sollte man auch in der Gesetzgebung gewisse nderungen vornehmen, so dass ein einzelner auch ohne Anwalt in der Lage ist ein einfaches Verfahren fhren zu knnen indem das Gericht den Fall durch umfassende Hinweise und Beratung frdert (zB mchten Sie diese Aussage bestreiten, Sie haben diese Aussage noch nicht bewiesen usw.).
_________________
mfg
Klaus
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Michael A. Schaffrath
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 25.09.2004
Beitrge: 15339
Wohnort: Rom

BeitragVerfasst am: 22.09.06, 17:20    Titel: Antworten mit Zitat

0Klaus hat folgendes geschrieben::
Jemand bricht bei einen anderen ins Haus ein und verursacht einen Schaden von 8000 . Der Tter wird festgenommen, Polizei macht einen Bericht. Der Schadenersatz sttzt sich auf 823 BGB. Was will man da gro argumentieren oder schwerwiegende theoretische Streitigkeiten vor Gericht fhren.


Vielleicht wird ja der Tter die Schadenshhe bestreiten oder die Urschlichkeit seiner Handlungen fr den Schaden? Vielleicht versumt der Klger eine Frist oder trgt nicht schlssig vor? Vielleicht wei der Klger gar nicht, wer fr was beweispflichtig ist? (Ich sehe hier schon kommen, da er sagt "Die Schuld des Einbrechers ist doch erwiesen, also mu er auch fr alles einstehen" und dabei versumt, da er beweisen mu, was der Einbrecher beschdigt hat und was nicht.)

0Klaus hat folgendes geschrieben::
"Bitte lesen Sie kurz durch, ob da Flchtigkeitsfehler drin sind (zB statt 812 > 821 geschrieben). Wenn nicht, unterschreiben Sie den Schriftsatz und geben diesen zum Gericht, ich beauftrage Sie mit dem Fall. An Ihren rechtlichen Ausfhrungen bin ich nicht interessiert"

Muss dann der Anwalt die Rechtslage trotzdem prfen? Ich meine, dass er dennoch gewissenhaft handelt ( 43 BRAO), wenn er die Rechtslage nicht prft. Er handelt dann entsprechend der Weisung seines Mandandten.


Oh-oh. Wie soll denn der RA einen solchen Tippfehler finden, wenn er sich nicht in die Sachlage einarbeitet? Und wie soll er gewissenhaft sagen "da sind keine Flchtigkeitsfehler drin", wenn er den Fall nicht wirklich genau geprft hat?

0Klaus hat folgendes geschrieben::
Wenn dann das Verfahren wieder erwarten verloren geht, setzt der Anwalt seine gesetzliche Gebhr fest.


Eben, und dann kostet es. Cool

0Klaus hat folgendes geschrieben::
so dass ein einzelner auch ohne Anwalt in der Lage ist ein einfaches Verfahren fhren zu knnen indem das Gericht den Fall durch umfassende Hinweise und Beratung frdert


Das wrde sehr schnell die Neutralittspflicht des Gerichts berhren. Warum sollte das Gericht eine Partei wie ein Anwalt beraten, die andere hingegen nicht?
Schon jetzt ist man schnell mit Befangenheitsvorwrfen bei der Hand.

(In den USA ist es in der Tat so, da nicht anwaltlich vertretenen Parteien gegenber teilweise extremes Entgegenkommen von den Gerichten gezeigt wird, auch und gerade bei offensichtlich vllig daneben liegenden Klagen. Eben mit dem Argument "er wei es halt nicht besser, da mu man ihm helfen". Das wird aber dort sehr kritisch gesehen.)
_________________
DefPimp: Mein Gott
Biber: N, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

War mein Beitrag hilfreich? Bewerten Sie ihn durch Klick auf die grnen Punkte links unter meinem Namen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Sengir
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 21.09.2006
Beitrge: 62

BeitragVerfasst am: 22.09.06, 18:00    Titel: Antworten mit Zitat

0Klaus hat folgendes geschrieben::

hier wird so getan, als seien alle Klageverfahren so geheimnisvoll und schwierig, dass man dazu Jahre studieren muss, dass man das kann.


Wer schreibt denn, dass das in allen Fllen so wre? Nur leider kann der Laie den schwierigen Fall nicht vom einfachen unterscheiden.

Zitat:

Ein Jurist lernt in seinem Studium eine Vielzahl von Fachbereichen kennen ber Strafrecht, Zivil-, Verwaltungs-, zum Verfassungsrecht usw.


Im Endeffekt sind es Zivil-, Straf- und Verwaltungsrecht. Und es hat wohl einen Grund, dass man sich mit diesen drei Gebieten im gnstigsten Fall ca. 6 Jahre an der Uni und im Referendariat beschftigen mu, bevor man auf die Menschheit losgelassen wird.

Zitat:

In einem einfachen zivilrechtlichen Klageverfahren das keine anderen Vorfragen zB aus dem Verwaltungsrecht enthlt ist idR nur punktuelles Wissen erforderlich.


Auch das blinde Huhn findet mal ein Korn. Winken

Man kann natrlich als Laie auch eine schlssige Klage/-erwiderung hinbekommen. Die Frage ist, wie hoch das Risiko, dass man in eine der Fallen des Verfahrensrechts tappt ist und welche Konsequenzen dann drohen.

Der Gesetzgeber hat das ganze pauschaliert und gesagt: Bis 5.000,00 EUR macht ihr was ihr wollt, aber ab dem Betrag habt ihr euch vorher zu erkundigen und auch im Prozess beraten und vertreten zu lassen. (Es soll Leute geben, die schon von Schulden von 2.000,00 EUR nicht mehr runterkommen, geschweige denn 10.000,00 oder mehr.)

Sehe daher nichts, was dagegen spricht, denn

a) vernnftig denkende Menschen werden sich bei Betrgen dieser Grenordnung automatisch einen Anwalt suchen.

b) diejenigen die nicht unter a) fallen brauchen einen Anwalt am dringendsten.

Zitat:

einfaches Beispiel:

Jemand bricht bei einen anderen ins Haus ein und verursacht einen Schaden von 8000 . Der Tter wird festgenommen, Polizei macht einen Bericht. Der Schadenersatz sttzt sich auf 823 BGB. Was will man da gro argumentieren oder schwerwiegende theoretische Streitigkeiten vor Gericht fhren.


Was glauben Sie, wieviele Prozesse allein um die Schadenshhe gefhrt werden? Prozesse in denen der Haftungsgrund vllig unstreitig ist, der Beklagte aber sich - vielleicht ja zurecht - darauf beruft, dass der Schaden nicht oder nicht in der Hhe entstanden sei?

Zitat:

oder schriftliche Beleidigung und Unterlassungsklage (einfache Beweislage, wenn der Beleidiger seine Behauptung nicht beweisen kann)


Derartige Prozesse landen - in der Regel - auch vor dem Amtsgericht. Und wie sehr sich die Richter darber freuen, wenn die Sorte ohne Anwalt gefhrt wird knnen Sie sich denken...

Zitat:

Sicherlich wird es mehr solcher einfachen Flle geben.


Natrlich gibt es einfache Flle, die man auch ohne einen blassen Dunst vom Recht gewinnen kann.

Die Frage ist doch: Erkennt der Laie, ob er einen solchen Fall vor sich hat oder nicht? Antwort: Nein.

Dieses Risiko mag jeder nach seinem Gusto vor dem Amtsgericht tragen, wenn er will. (Und bei 50,00 EUR lohnt sich der Anwalt im Endeffekt auch nicht.) Aber vor dem Landgericht auf den Bauch fallen und dann Vater Staat auf der Tasche liegen, weil man vorher zu geizig war, sich einen Anwalt zu holen?

Zitat:

Auch braucht man seine Rechtsauffassung nicht darzulegen. Wichtig ist nur, dass man den Streitgegenstand ausreichend genau bezeichnte und beweist (Schadenersatz aus dem Diebstahl vom ...). Das Gericht prft die Rechtsfrage sowieso von Amts wegen.


Ja, das denken sie alle. Vorher.

Wie sagte eine Richterin krzlich zu mir: Was nicht in der Akte ist, ist nicht in der Welt; sprich: Was mir nicht vorgetragen wurde, interessiert mich nicht die Bohne.

Und welcher Laie wei schon, was er vortragen mu, um dem Gericht genug an die Hand zu geben, um daraus eine fr ihn gnstige rechtliche Bewertung bauen zu knnen?

Zitat:

nochmal zu meinem Vorschlag

Wenn der Mandant unbedingt ein Verfahren fhren will und eine Klageschrift macht, damit zu einem Anwalt geht und zu diesem sagt:

"Bitte lesen Sie kurz durch, ob da Flchtigkeitsfehler drin sind (zB statt 812 > 821 geschrieben). Wenn nicht, unterschreiben Sie den Schriftsatz und geben diesen zum Gericht, ich beauftrage Sie mit dem Fall. An Ihren rechtlichen Ausfhrungen bin ich nicht interessiert"


Der Anwalt wird sich schn bedanken. Natrlich mu er den Fall durchdenken. Sonst kann er auch keine Flchtigkeitsfehler erkennen.

Natrlich kann man oberflchlich drberwischen. Das geht schon. Irgendwie. Aber dann sollte man es wohl besser gleich bleiben lassen und so ehrlich sein, seine Unterschrift drunterzusetzen ohne das Ding gelesen zu haben. Mit dem von mir erwhnten Haftungsrisiko.

Zitat:

Muss dann der Anwalt die Rechtslage trotzdem prfen? Ich meine, dass er dennoch gewissenhaft handelt ( 43 BRAO), wenn er die Rechtslage nicht prft. Er handelt dann entsprechend der Weisung seines Mandandten.


Nein, ein solcher Anwalt handelt sicher nicht gewissenhaft, wenn er das Gericht mit ungeprften Klagen berzieht. Im Gegenteil handelt er wohl eher grob standeswidrig. Schlielich ist er auch Organ der Rechtspflege und hat von aussichtslosen Klagen abzuraten.

Zitat:

Wenn dann das Verfahren wieder erwarten verloren geht, setzt der Anwalt seine gesetzliche Gebhr fest. Ich meine, dass ein besonderer Umstand in der Person des Auftraggebers vorliegt, die Gebhr mageblich zu erlassen. Besonderer Umstand ist hier, dass der Auftraggeber keine Beratung wollte und der Fall somit auergewhnlich wenig Aufwand verursacht hat.


Also nicht nur gesetzwidrige Gebhrenunterschreitung - die in absoluten Ausnahmefllen zulssig wre, wenn auch nicht allein, weil der Mandant verloren hat -, sondern auch noch ein gesetzwidriges Erfolgshonorar? (Schlielich erlsst der Anwalt die Gebhren nach ihrem Modell aufgrund der Niederlage vor Gericht und wrde sie im Erfolgsfall gegenber dem Gegner festsetzen.)

Zitat:

Ungeachtet dessen:

Vielleicht sollte man auch in der Gesetzgebung gewisse nderungen vornehmen, so dass ein einzelner auch ohne Anwalt in der Lage ist ein einfaches Verfahren fhren zu knnen indem das Gericht den Fall durch umfassende Hinweise und Beratung frdert (zB mchten Sie diese Aussage bestreiten, Sie haben diese Aussage noch nicht bewiesen usw.).


hm ja. Der Prozessgegner - vielleicht Sie? - wird sich artig bedanken, dass das Gericht seinem Gegner unter die Arme greift. "Neutralitt des Gerichts". "Beibringungsgrundsatz im Zivilprozess". Schon mal was gehrt davon?

Aber: Mir soll es recht sein: Schaffen wir den Anwaltszwang vor Landgerichten ab. Die einzigen nennenswerten Resultate werden sein, dass zum einen die PKH faktisch abgeschafft wird und zum anderen, dass anwaltliche Leistungen wieder mehr geschtzt werden, wenn erstmal gengend Leute vor Gericht auf dem Bauch gelandet sind.

Jetzt mte man nur noch sicherstellen, dass die Parlamentarier, die den Anwaltszwang abschaffen nicht anschlieend von einer Horde RiLGs gelyncht werden...
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
0Klaus
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 30.12.2004
Beitrge: 2595

BeitragVerfasst am: 24.09.06, 11:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

gut, und was ist wenn jemand zu einem Anwalt geht und sagt:

"Hier ist meine Klageschrift, lesen Sie sie durch, bernehmen sie genau diese Rechtsauffassung und geben Sie das so beim Gericht (mit Unterschrift) ab. Ich will nicht beraten werden."

Der Anwalt wird dann nur prfen, ob irgenwas drin steht, wodurch er sich strafbar macht (zB Beleidigungen).

Ich denke, um festzustellen, dass keine abstrakte Straftat mit der Klageschrift realisiert wird, braucht man einen Fall nicht zu durchdenken.

Im Anschluss an das Verfahren wird der Anwalt seine Gebhren wegen der besonderen Umstnde in der Person des Mandanten = ausdrcklich nicht gewnschte Beratung und uerst geringer Arbeitsaufwand und fehlendes Haftungsrisiko (1 h durchlesen + Porto) in erheblichem Umfang erlassen (egal wer gewinnt).

Ich denke es wird dann auch keinen Sinn machen, wenn der RA die Rechtslage durchdenkt, zumal der Mandant ausdrcklich nicht beraten werden will.

Vielleicht sollte auch die Zahl der Richter erhht werden.

Noch eine abschlieende Frage: Wre es sinnvoll den Beibringungsgrundsatz ganz abzuschaffen und das Gericht im Rahmen der gestellten Antrge von Amts wegen ermitteln zu lassen (wie zB bei Ehesachen oder den Verwaltungsgerichten). Knnte man dadurch das Verfahren beschleunigen und vereinfachen?
_________________
mfg
Klaus
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Cephalotus
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied


Anmeldungsdatum: 28.08.2006
Beitrge: 393

BeitragVerfasst am: 24.09.06, 14:14    Titel: Antworten mit Zitat

Sengir hat folgendes geschrieben::

Jetzt mte man nur noch sicherstellen, dass die Parlamentarier, die den Anwaltszwang abschaffen nicht anschlieend von einer Horde RiLGs gelyncht werden...


Von einer Horde RiLGs wrde ich aber erwarten, dass die wissen, dass das illegal ist! Winken

Oder ist es mit der "Befhigung zum Richteramt" in unserem Lande wirklich schon so weit her? Frage Winken

Viele Gre,

Cephalotus
_________________
Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beitrge vom vorherigen Thema anzeigen:   
Neuen Beitrag schreiben   Auf Beitrag antworten    recht.de Foren-bersicht -> Verfassungsrecht Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehen Sie zu Seite 1, 2, 3, 4  Weiter
Seite 1 von 4

 
Gehen Sie zu:  
Sie knnen keine Beitrge in dieses Forum schreiben.
Sie knnen auf Beitrge in diesem Forum nicht antworten.
Sie knnen Ihre Beitrge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Sie knnen Ihre Beitrge in diesem Forum nicht lschen.
Sie knnen an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
©  Forum Deutsches Recht 1995-2019. Anbieter: Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim , RB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail info[at]recht.de.